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So wirbt die Bundeswehr um Nachwuchs

Fachkräfte fehlen So wirbt die Bundeswehr um Nachwuchs

Mit neuen Methoden geht die Bundeswehr gegen ihr gravierendes Nachwuchsproblem vor. Besonders dramatisch ist die Lage bei der Marine. Die Aufgaben nehmen zu, gleichzeitig fehlt es vor allem an Spezialisten. Folge: Wer noch an Bord ist, muss immer wieder einspringen. Mit einem „Tag der Bundeswehr“ hat die Armee am Wochenende bundesweit Nachwuchswerbung betrieben.

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Bei der Bundeswehr fehlt es an Nachwuchs.

Quelle: Uwe Paesler

Eckernförde. In Eckernförde beklagten Marinesoldaten vor allem aus dem technischen Bereich die Mangelverwendung. Es komme vor, dass man nach sechs Monaten im Einsatz nach Hause komme, aber kurz darauf wieder los müsse und erneut wochenlang fort sei von zu Hause. Das sei unzumutbar fürs Familienleben.

„Ja, das sorgt für viel Unruhe“, bestätigt Peter Braunshausen, stellvertretender Landesvorsitzender des Bundeswehrverbandes. „Wir haben zwar wieder eine steigende Zahl von Bewerbern. Aber bis die fertig ausgebildet sind, haben wir ein Loch, das gefüllt werden muss.“ Die Aktion Seenothilfe für die Flüchtlinge im Mittelmeer zeige, dass die Soldaten die Aufträge der Politik immer noch meisterten. „Die Mangelverwendung darf aber kein Dauerzustand sein.“

Besonders betroffen sind Schlüsselfunktionen auf Schiffen und Booten wie U-Boot-Fahrer, Radarmeister, Maschinisten, Elektroniker, Kampfschwimmer und ganz besonders Minentaucher. Von deren 140 Stellen in Eckernförde seien aktuell nur 40 besetzt, berichtet Frank Martin vom Marinekommando in Rostock. „Diese Spezialaufgabe erfordert nicht nur höchste körperliche Fitness, sondern auch intellektuelle Fähigkeiten wie technisches Verständnis und dreidimensionales Denken.“ Minentaucher selbst erzählen, dass 70 Prozent den Grundlehrgang abbrechen: „Dann bleiben von den zehn Bewerbern, die wir zuletzt noch hatten, gerade drei übrig.“

„Wir brauchen mehr Bewerber, um besser auswählen zu können“, sagt Martin. Es sei immer schwieriger, in Bereichen wie IT mit der zivilen Wirtschaft zu konkurrieren, heißt es beim Landeskommando Schleswig-Holstein. „Wir müssen noch mehr zeigen, wie attraktiv ein Arbeitsplatz bei uns ist“, befindet der Kommandeur der Einsatzflottille I, Jan Christian Kaack. Dass die Bundeswehr Arbeitsplätze in 1000 Berufen bietet, dazu besonders gute Ausbildungs- und Aufstiegsbedingungen biete, sei zu wenig bekannt. Doch junge Besucher weisen auch auf andere Seiten hin: häufige Versetzungen, Abwesenheit von zu Hause, lebensgefährliche Einsätze in Kriegs- und Krisengebieten. „Wir arbeiten an planbaren Arbeitszeiten und längeren Standzeiten“, betont Martin.

Immerhin gab es mit 10230 neuen Freiwilligen 2014 einen neuen Höchststand, stellte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Hannover fest. Allerdings haben 29 Prozent davon in den ersten sechs Monaten den Dienst abgebrochen.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Rund 12000 Besucher nutzten den 1.Tag der Bundeswehr in Schleswig-Holstein, um sich in  Eckernförde und Flensburg über die Arbeit der Soldaten und die Arbeitsmöglichkeiten bei der Bundeswehr zu informieren. In Flensburg enterte eine Aktivistengruppe den Mast der Gorch Fock.

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