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Fast jeder zweite Schüler war schon im Vollrausch

Drogenstudie Fast jeder zweite Schüler war schon im Vollrausch

Viele Schüler in Schleswig-Holstein haben ein ernsthaftes Alkoholproblem. Nach einer Studie der Landesstelle für Suchtfragen hat fast die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen (ab zwölf Jahre) schon mindestens einen Vollrausch erlebt, darunter immer mehr junge Mädchen. Zum Schüleralltag gehört auch die Shisha (Wasserpfeife). Die Landesstelle fordert nun strenge Kontrollen der Shisha-Bars.

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Fast jeder zweite Schüler im Land war schon im Vollrausch.

Quelle: dpa

Kiel. Die Hauptproblematik bei Jugendlichen liege eindeutig beim Alkohol, sagt die Geschäftsführerin der Landesstelle, Regina Kostrzewa. Von den gut 3100 befragten Gymnasiasten und Gemeinschaftsschülern gaben 47,5 Prozent an, sich schon mindestens einmal in einen Alkoholrausch getrunken zu haben – und das im Schnitt mit 15 Jahren. Zur Flasche greifen dabei zunehmend auch junge Mädchen. In den Altersgruppen von 14 bis 17 Jahren liegen Schülerinnen inzwischen beim „Rauschtrinken“ sogar vorn. Ein „Rauschtrinken“ liegt vor, wenn Mädchen binnen kurzer Zeit etwa einen halben Liter Wein, 1,4 Liter Bier oder 0,16 Liter Schnaps trinken. Sie haben dann mindestens 0,8 Promille im Blut.

 Kostrzewa räumt ein, dass etwas Alkoholkonsum „zum Erwachsenwerden“ dazu gehöre, warnt aber vor Exzessen. „Rauschtrinken kann zum Tod führen.“ Das gelte gerade im Sommer, weil Jugendliche dann nach einem Zechgelage oft baden gehen wollten. Die Suchtexpertin rät alkoholgefährdeten Schülern, nicht allein zu trinken. Freunde, die nüchtern blieben, könnten aufpassen und so das Koma-Risiko verringern. Am besten sei es natürlich, die Finger ganz vom Alkohol zu lassen.

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 Große Sorgen bereitet Kostzrewa der Shisha-Boom. Nach der Umfrage an landesweit neun Gymnasien und Gemeinschaftsschulen hat bereits fast jeder dritte Jugendliche zu einer Wasserpfeife gegriffen und Tabak mit scheinbar harmlosen Geschmackszusätzen (von Frucht bis Schoko) geraucht. Viele Konsumenten wüssten nicht, dass sie über die Shisha mehr Nikotin und Kohlenmonoxid inhalierten als beim Zigarettenrauchen, warnt Kostrzewa. Die Ordnungsämter der Kommunen müssten die wachsende Zahl der Shisha-Bars strenger kontrollieren. „Da passiert zu wenig.“ Die Stadt Kiel weist den Vorwurf zurück. Das Ordnungsamt führt demnach in den inzwischen acht Shisha-Bars immer wieder „anlassbezogene Kontrollen“ durch.

 Kostrzewa geht davon aus, dass Schüler über die Shisha auf den Geschmack von Haschisch kommen. Bereits jetzt steht Cannabis bei Jugendlichen hoch im Kurs. Mehr als jeder sechste Schüler (18,5 Prozent) hat sich schon vollgedröhnt. Auffällig ist dabei ein Unterschied zwischen den Schulformen. Gemeinschaftsschüler greifen laut Studie im Schnitt mit 15 Jahren erstmals zu Haschisch und damit ein halbes Jahr früher als Gymnasiasten. Kostrzewa erklärt das damit, dass an Gemeinschaftsschulen mehr Kinder aus bildungsfernen Schichten sitzen und sie schlechter über Drogengefahren informiert seien.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Die Landesstelle für Suchtgefahren hat den Finger in die Wunde gelegt. Ihre Studie belegt leider eindrucksvoll, dass viele Kinder und Jugendliche früh und häufig zur Flasche greifen, Wasserpfeife oder gleich Haschisch rauchen. Diese und andere Drogen gehören für viele Schüler offenbar zum festen Bestandteil ihres Alltags. Das ist eine bittere Diagnose. Sie darf nicht folgenlos bleiben.

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