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Der Preis des Brückenbaus

Fehmarnbeltquerung Der Preis des Brückenbaus

Ganz Dänemark scheint zu schweigen, während die Kritik an der festen Fehmarnbelt-Querung in Deutschland lauter wird. Am Dienstag reist Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Kopenhagen, um zu versichern, dass der Staatsvertrag gilt. Doch nur weil das Land der tausend Inseln Querungen kennt, wird nicht alles überbrückt.

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Wie eine gigantische Schlange am Horizont: Die Öresundbrücke verbindet seit 15 Jahren die dänische Hauptstadt Kopenhagen mit dem südschwedischen Malmö.

Quelle: Frank Behling

Odense. Noch 1935 muss es sich für Mogens Nielsens Vorfahren allerdings angefühlt haben, als würde ein neuer Horizont aufgetan: Die Kleiner-Belt-Brücke von Jütland zur Insel Fünen inmitten Dänemarks öffnete. Mit der ersten großen Brücke begann der Staat sich selbst zu erschließen.

 Nun, im Ruhestand nach einem langen Arbeitsleben an der Spitze der Hygiene-Firma Ken im südfünischen Broby, fürchtet der 76-jährige Nielsen, dass der Region die Arbeitskräfte davonlaufen. Also will er ihr wieder den Horizont öffnen. Es gehe ihm darum, „die Regionen auf beiden Seiten zu entwickeln“, sagt Nielsen, jetzt Vorsitzender eines Vereins für eine Brücke von Fünen nach Alsen. Über Sonderborg soll Südfünen so Zentraleuropa erreichen.

 Sonderborg ist auch eines der Zentren der deutschen Minderheit. Doch Carsten Leth Schmidt, Vorsitzender der Schleswigschen Partei, ist skeptisch: „Bei der Fünen-Alsen-Verbindung würde ich den gesellschaftlich-wirtschaftlichen Nutzen schon gerne sehen“, kommentiert er Mogens Nielsens Herzensprojekt und fühlt sich im dänischen Trend.

 Seit der Transitverbindung würden neue Projekte in Dänemark erheblich kontroverser gesehen, sagt Leth Schmidt und verweist auf das Ingenieursportal Ing.dk. Dort kritisieren Experten, dass die staatliche Fehmarnbeltgesellschaft Femern A/S ihre Verkehrsanalysen nicht veröffentlicht. „Die Transportbranche hat in Dänemark traditionell einen großen Einfluss, die lobbyieren sehr tüchtig“, so Leth Schmidt, „und Transportbranche und Fehmarnbelt – das hängt sicherlich zusammen.“

 Wenig überraschend: Ein Transportzweig begrüßt die Querung nicht. „Ich sehe gar keine Vorteile!“, sagt Annette Ustrup Svendsen, Sprecherin von Scandlines, dänisch-deutsches Fährunternehmen zwischen Fehmarn und Rødby. Ihr Fazit: Ob Deutschland oder Dänemark, große Bauten würden immer teurer und dauerten länger als geplant: „Das liegt zum Teil auch daran, dass die ersten Planungen nicht ehrlich durchgeführt werden, weil sonst die politische Zustimmung zu einem Projekt nicht sicher ist.”

 Mit den beiden vergangenen Großbauten stellte der dänische Staat Fährlinien ein. Scandlines wurde 2007 privatisiert und muss jetzt gegen Deutschland und Dänemark antreten: „Wir fahren weiter! Denn wir sind davon überzeugt, dass wir ein wettbewerbsfähiges Produkt anbieten”, betont Ustrup Svendsen.

 Der Wettbewerb ist der Unterschied deutscher und dänischer Großprojekte, auf den sich alle einigen: Im Nachbarland kann viel umfangreicher privat-öffentlich finanziert werden. „Es ist einfach eine effektive Methode, sich zu organisieren”, hofft Mogens Nielsen für die Verbindung von Fünen und Alsen. Diese Effekte kennt auch Carsten Leth Schmidt. Der Politiker erinnert an die Autobahn nach Sonderborg seit 2012. „Und es stehen enorm viele Infrastrukturprojekte in Deutschland auf dem Programm”, winkt der Deutsche mit dem dänischen Grenzpfahl.

Ein erbautes Transitland

Jütland, Fünen, Seeland: Die drei größten Landmassen Dänemarks waren nie getrennte Welten, und Brücken schweißten sie weiter zusammen. 1935 wurde die 1,2 Kilometer lange Kleiner-Belt-Brücke zwischen Jütland und Fünen fertiggestellt. 35 Jahre später und rund 500 Meter länger gesellte sich die Neue Kleiner-Belt-Brücke dazu. Zwischen Fünen und Seeland hängt seit 1998 die Großer-Belt-Brücke. Der Koloss ist mehr als 6,5 Kilometer lang, 250 Meter hohe Stahlbetonpylone halten die Fahrbahn – übertroffen nur noch von der Öresundbrücke. Die Acht-Kilometer-Kombination aus Tunnel und Brücke kreiert zwischen Kopenhagen und Malmö in Schweden seit 2000 einen neuen Wirtschaftsraum.

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Ein Artikel von
Niklas Wieczorek
Lokalredaktion Kiel/SH

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