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Ihr Paradies heißt jetzt Kiel

Flüchtlingsfamilie aus Syrien Ihr Paradies heißt jetzt Kiel

Es ist ein kleines Happy End am Rande eines Krieges, der schon jetzt unfassbar viele Opfer hat. Zumindest Hassan Fadel und seine fünf kleinen Kinder aber können sich wieder in die Arme schließen. Dass sie nun gemeinsam in einer Wohnung auf dem Kieler Ostufer wohnen, haben sie vielen Helfern zu verdanken.

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Hassan (14) und Medya (3) können wieder lachen: Bei Minusgraden flohen sie aus Syrien über die türkische Grenze, um nach dem Tod ihrer Mutter zum Vater zu gelangen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Ihre Einrichtung ist bescheiden. Ein paar Matratzen, eine alte Couch und einen einfachen Tisch für die Hausaufgaben haben die sechs syrischen Kurden aus Spenden erhalten. Kleine Deutschland-Fähnchen stehen in den Fenstern. Ihre Wohnung im Kieler Osten ist für die Familie aus Syrien „wie ein kleines Paradies“, sagt Vater Hassan Fadel.

 „Zum Glück ging es nach Deutschland“

 Vor einem Jahr kam er zusammen mit einem guten Dutzend weiterer Menschen versteckt auf der Ladefläche eines Lkw nach Deutschland. Sein Ziel kannte er bei der Abfahrt noch nicht. „Das haben uns die Schlepper nicht gesagt“, erinnert sich Hassan Fadel. Hauptsache Westeuropa habe er sich bei der Abreise gedacht. Hauptsache raus aus dem Bürgerkrieg. „Zum Glück ging es nach Deutschland“, sagt er rückblickend.

 Seine Frau und seine Kinder musste der Vater damals an der syrisch-türkischen Grenze zurücklassen. Immer wieder habe er die Schleuser angefleht, seine ganze Familie mitnehmen zu dürfen. Doch für die Männer war das Risiko zu groß, dass die Kinder aus Unachtsamkeit an einem der Grenzübergänge durch Geräusche das Versteck auf dem Lkw verraten. Über einen Bekannten in Osnabrück kam Hassan Fadel schließlich in die Erstaufnahmestelle des Landes Schleswig-Holsteins nach Neumünster.

 Kinder waren alleine im Bürgerkrieg

 Im November vergangenen Jahres erreichte ihn die schreckliche Nachricht. Seine Frau und Mutter der fünf gemeinsamen Kinder ist im Bürgerkrieg im Norden Syriens gewaltsam ums Leben gekommen. Die Kinder waren plötzlich ohne Eltern mitten im Kriegsgebiet – Verwandte kümmerten sich zunächst um sie. Jetzt galt es, die Kinder so schnell wie möglich zu ihrem Vater zu bringen.

 In Kiel lief hinter den Kulissen eine Welle der Hilfsbereitschaft an. Vor allem der Christliche Verein Kiel, die Türkische Gemeinde, die Stadtverwaltung und der CDU-Bundestagsabgeordnete Johann Wadephul haben sich dafür stark gemacht, dass die Kinder schnell zu ihrem Vater kommen durften. „Das ist alles sehr unbürokratisch gelaufen“, sagt Wadephul. „Das Zusammenspiel aller Beteiligten hat sehr gut funktioniert.“ Bei Minusgraden seien die Kinder auf mehr oder weniger legalem Weg über die Grenze von Syrien in die Türkei gebracht worden. 18 Stunden ging es dann im Bus nach Ankara wo die Kinder noch eine Woche auf ihren Flug in Richtung Hamburg warten mussten. In der Zwischenzeit waren ihre vorläufigen Papiere bereits per Eilkurier in die Deutsche Botschaft nach Ankara geschickt worden. Offiziell gehören die Kinder jetzt zu einem Kontingent von 5000 Flüchtlingen aus Syrien, die die Bundesrepublik aus humanitären Gründen aufnimmt.

 Schon gehen die Kinder in Kiel zur Schule

 Vor etwa vier Wochen konnte Hassan Fadel seine Kinder im Terminal in Fuhlsbüttel wieder in die Arme schließen. Gemeinsam mit Johann Wadephul war er mitten in der Nacht zum Flughafen gefahren. Schon wenige Tage später gingen die älteren Kinder in Kiel zur Schule, in wenigen Monaten sollen auch die kleinen Plätze in einem der städtischen Kindergräten bekommen. Das ist sehr wichtig, sagt ihr Vater. Sie sollen schnell Deutsch lernen.

 Einen Traum hat Hassan Fadel. Er möchte irgendwann ein eigenes Restaurant in Kiel eröffnen. Schließlich hat er in seiner Heimat viele Jahre lang als Koch gearbeitet. Als einer der ersten Gäste hat sich Johann Wadephul bereits angekündigt.

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

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