27 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Freisprüche in Prozess um sexuelle Übergriffe

Silvesternacht in Hamburg Freisprüche in Prozess um sexuelle Übergriffe

Die sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht sorgten in Hamburg für Empörung. Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten unter Hochdruck. Doch dabei hätten die Beamten schwere Fehler gemacht, kritisiert nun eine Strafkammer am Landgericht.

Voriger Artikel
A7-Sanierung südlich des Elbtunnels vor dem Abschluss
Nächster Artikel
Defekter Zug behindert U-Bahn-Verkehr in Hamburg

Die Angeklagten erhalten für ihre Zeit in Untersuchungshaft eine Entschädigung von 25 Euro pro Tag.

Quelle: Arne Dedert/dpa

Hamburg. In einem Prozess um sexuelle Übergriffe in der Silvesternacht hat das Landgericht Hamburg am Dienstag drei Angeklagte freigesprochen. Die Vorsitzende der Strafkammer kritisierte nach Angaben eines Gerichtssprechers die Ermittlungsbehörden scharf. Bei der Vernehmung der geschädigten Frau seien schwere Fehler gemacht worden.

Die 18-Jährige habe sich vor der ersten Vernehmung bei der Polizei Bilder eines Fotografen anschauen können, die die Geschehnisse an der Reeperbahn und der Großen Freiheit dokumentierten. Erst danach sei sie befragt worden. Dieses Vorgehen verfälsche die Wiedererkennungsleistung der Zeugin, stellte das Gericht fest.

Die Angeklagten erhalten für ihre Zeit in Untersuchungshaft eine Entschädigung von 25 Euro pro Tag, insgesamt jeweils um 4600 Euro. Richterin Anne Meier-Göring habe sich persönlich schockiert über die Ermittlungsfehler geäußert, sagte der Sprecher. Das Verfahren habe nach ihrer Ansicht gezeigt, wie leicht sich der Rechtsstaat unter dem Druck der öffentlichen Meinung, der Medien und der Politik erschüttern lasse.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten vorgeworfen, die junge Frau auf St. Pauli sexuell bedrängt zu haben. Sie hätten sich in der Silvesternacht mit weiteren, bislang nicht identifizierten Männern zu sexuellen Übergriffen verabredet. Die Verwirrung der Frauen hätten sie zu Diebstählen ausnutzen wollen. Einer von ihnen sollte versucht haben, das Handy der 18-Jährigen zu entwenden. Zum Prozessauftakt hatten die Angeklagten die Vorwürfe zurückgewiesen.

Insgesamt sollen in der Silvesternacht in Hamburg mehr als 400 Frauen belästigt worden sein. Bereits im Mai war ein ersten Prozess um die Übergriffe mit einem Freispruch zu Ende gegangen. Ende August hatte die Strafkammer von Meier-Göring einen jungen Afghanen wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung am Neujahrsmorgen zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Diese Tat war in der Nähe des S-Bahnhofs Stellingen verübt worden.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

KN-KSV-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele von Holstein Kiel im KN-KSV-Liveticker.

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Norddeutschland 2/3