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Freiwilligendienst wird zum Erfolgsmodell

Ein-Jahres-Bilanz in Schleswig-Holstein: Mehr Bewerber als Plätze Freiwilligendienst wird zum Erfolgsmodell

Knapp ein Jahr nach der Einführung des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) ziehen Bund und regionale Träger in Schleswig-Holstein eine positive Bilanz: Es gibt mittlerweile einen großen Ansturm auf die Stellen – und sogar mehr Bewerber als Plätze. Der neue Dienst entwickelt sich damit zu einem Erfolgsmodell.

Kiel/Köln. Dass der Wegfall der Wehrpflicht die jungen Menschen in großer Zahl an die Universitäten treiben würde, war erwartet worden. Die große Resonanz auf den Freiwilligendienst aber überrascht selbst viele Experten. 1442 Menschen haben in Schleswig-Holstein seit dem Start am 1. Juli 2011 den BFD wahrgenommen, 42 Prozent davon sind Frauen. Für ein Taschengeld werden die BFDler sechs bis 24 Monate beschäftigt.

 „Der Dienst ist nun bei den Institutionen und auch bei den Menschen angekommen“, zieht Antje Mäder, Sprecherin des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA), nach knapp einem Jahr Bilanz. Die bundesweit 35000 BFD-Plätze, die vom Bund gefördert werden, sind nahezu komplett vergeben. „Wir hätten nie damit gerechnet, dass das so schnell gehen würde“, sagt Mäder über die altersoffene Ergänzung zum Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ).

 Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Schleswig-Holstein verzeichnete viermal so viele Bewerber wie freie Plätze. 63 Personen arbeiteten dort bisher im BFD, 253 bewarben sich. Sogar die Gesamtzahl der Freiwilligen wuchs beim DRK im Vergleich zum Vorjahr von 235 auf 266. Auch wenn nicht alle Verbände aufstocken konnten, zeigten sich Arbeiterwohlfahrt, Malteser und Paritätischer Wohlfahrtsverband zufrieden mit der Entwicklung. „Die Bereitschaft, sich in die Gesellschaft einzubringen und selbst zu lernen, ist weiterhin da“, sagt Boy Büttner vom Paritätischen, wo derzeit insgesamt 450 Freiwillige (BFD und FSJ) arbeiten. Das sind weniger als zu Zeiten des Zivildienstes – 620 mögliche Stellen gab es da, die aber nicht immer alle besetzt gewesen seien. „Außerdem hat die Freiwilligkeit mehr Wert für die Einsatzstellen als der Pflichtdienst.“ Gut 80 Prozent der BFDler in Schleswig-Holstein sind unter 27 Jahren alt. Sie nutzen den Dienst, um sich zu orientieren. Zudem bietet der BFD mehr Betätigungsfelder als der alte Zivildienst. Ältere sehen darin eine Möglichkeit, nebenher Einkünfte zu erzielen oder die freie Zeit sinnvoll zu nutzen. Im Alter zwischen 60 und 70 Jahren engagieren sich 35 Freiwillige im Land, die mindestens 20 Stunden pro Woche arbeiten. „Die älteste BFD-Teilnehmerin in Schleswig-Holstein ist eine 70-jährige Dame in Lübeck, das ist beeindruckend“, sagt BAFzA-Regionalbetreuerin Barbara Kupsch.

 Dass der BFD, dessen Stellen über den Bund gesteuert und limitiert werden, so schnell und erfolgreich starten konnte, gehe vor allem auf die regionalen Träger und die Einrichtungen vor Ort zurück, betonen Bund und Verbände. „Am Anfang gab es große Skepsis. Der Ansturm galt dem FSJ, wir mussten ihn umlenken“, sagt Boy Büttner vom Paritätischen. Oder umgekehrt: „Wenn es jetzt keine BFD-Plätze mehr gibt, versuchen wir die Freiwilligen im FSJ zu beschäftigen“, so Jörg Poser vom DRK.

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