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Begegnungen mit einer anderen Welt

Freiwilliger Sozialer Tag Begegnungen mit einer anderen Welt

Am 9.Juli ist Sozialer Tag: Freiwillige von Schüler Helfen Leben schauten sich Spendenprojekte in Jordanien an

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Rajiv Engling (20, von links), Janny Lücker (18) und Anna-Lena Oltersdorf (19) waren beeindruckt von der Arbeit im jordanischen Flüchtlingscamp, das von den Geldern des Sozialen Tages finanziert wird.

Quelle: hfr

Neumünster. Freiwillig nach Jordanien reisen und ein Flüchtlingscamp in der Nähe der syrischen Grenze besuchen? „Meine Familie war überhaupt nicht begeistert und fand es viel zu gefährlich“, sagt Janny Lücker. Die 18-jährige Neumünsteranerin ließ sich trotz aller Bedenken nicht von der Reise abhalten und machte sich mit zwei weiteren jungen Erwachsenen der Organisation Schüler Helfen Leben (SHL) auf, um Projekte vergangener Sozialer Tage zu besuchen und mit Planern des aktuellen Förderprojekts vor Ort in Kontakt zu kommen.

 Vom kühl-frischen Wetter in Schleswig-Holstein mit mäßigen Temperaturen ins 30 Grad heiße Wüstenszenario der jordanischen Hauptstadt Amman: Klimaschock für die drei Helfer Lücker, Rajiv Engling (20) aus Itzehoe und die gebürtige Hamburgerin Anna-Lena Oltersdorf (19), die in der ersten Juni-Woche gemeinsam mit zwei Mitarbeitern der SHL-Stiftung und der Partnerorganisation „Save the Children“ nach Jordanien reisten. „Wir wollten uns ein Bild davon machen, wie Menschen in Flüchtlingslagern leben und wie unsere Projekte zur Linderung der dortigen Probleme beitragen“, erklärt Lücker.

 Von Amman ging es eineinhalb Stunden lang mit dem Auto zum Flüchtlingscamp Zàatari. „Es war bedrückend und beeindruckend zugleich“, berichtet Lücker. Auf 18 Quadratkilometern leben dort 82000 Flüchtlinge, rund 20000 davon sind Kinder unter fünf Jahren. „Es ist wahnsinnig eng dort, aber unglaublich, wie die Menschen aus so wenig Infrastruktur so viel gemacht haben.“ Das Camp wurde ursprünglich für 5000 Flüchtlinge für drei Monate angelegt. Es besteht seit Jahren, die provisorischen Zelte wurden durch Container ausgetauscht.

 Im Flüchtlingslager wurden drei Kindergärten eingerichtet. „Das ist wie eine andere Welt. Die Kinder dürfen Kind sein, lachen und spielen. Wir haben uns zeitweise gar nicht wie im Flüchtlingscamp gefühlt.“ Da sind sich die drei einig. Alle Kindergärten wurden mit den rund 200000 erarbeiteten Euro des Sozialen Tages 2014 unterstützt. „Das Geld wurde in die Erziehung in den Gruppen sowie gesunde Snacks für die Kinder investiert“, so Oltersdorf. Von den Flüchtlingen aus Syrien leben nur 20 Prozent in jordanischen Flüchtlingslagern. Der Großteil lebt aber außerhalb und viele Kinder müssen arbeiten gehen, damit die Familie über die Runden kommt. „An dieser Stelle setzt das Projekt 2015 an, das beim Auswahltreffen in Berlin ausgewählt wurde und von den Einnahmen aus dem aktuellen Sozialen Tag finanziert wird“, erklärt Engling.

 In enger Zusammenarbeit mit den Gemeindezentren vor Ort werden Familien kontaktiert, in denen Kinder leben, die arbeiten müssen. Diese Familien erhalten soviel Geld, wie das Kind verdient. Gleichzeitig wird versucht, die Kinder wieder zur Schule zu schicken. „Das ist schwer, denn in Jordanien verlieren Kinder, die über drei Jahre lang nicht zur Schule gegangen sind, das Recht auf Beschulung“, berichtet Oltersdorf. Wenn keine Schuleingliederung möglich ist, bietet die Organisation SHL Zusatz-Schulkurse an. Gleichzeitig sollen Freizeitangebote geschaffen werden.

 „Das Projekt wird ab August umgesetzt, zudem haben wir Gespräche geführt und uns andere Projekte zum Thema angeschaut“, so Lücker. Nach einigen Arabisch-Lektionen im Auto, etlichen kulturellen Neuerfahrungen und mit vielen Ideen ging die Reise für das Trio „viel zu schnell“ zu Ende. Lücker, die sich schon länger für Flüchtlinge in Deutschland engagiert, würde „jederzeit“ wieder nach Jordanien fahren.

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