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Freundschaft statt Feindschaft

Deutsch-britische Versöhnung Freundschaft statt Feindschaft

Aus 60 Metern Höhe krachten die Bronze-Glocken von St. Marien im Morgengrauen des 29. März 1942 in die Tiefe, und dort, am Sockel des Süderturmes, liegen sie noch heute. „Unsere Kirche ist also ein Ort, an dem das Gedächtnis dieses Krieges aufbewahrt ist, an dem wir die Erinnerung daran wachhalten“, begrüßte Marienpastorin Annegret Wegner-Braun die 500 Gäste in „ihrer“ Kirche.

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Mit einer ökumenischen Andacht und einer Feierstunde in der Lübecker St. Marienkirche erinnerten der schleswig-holsteinische Landtag und Kirchenvertreter gestern an das Kriegsende vor 70 Jahren.

Quelle: Olaf Malzahn

Lübeck. Vor 70 Jahren endete der Zweite Weltkrieg, dem bis zu 70 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Und Montagabend gedachte der Schleswig-Holsteinische Landtag gemeinsam mit der evangelisch-lutherischen Kirche, dem Erzbistum Hamburg und der Hansestadt mit einer ökumenischen Andacht und einer zentralen Gedenkfeier der Weltkriegsopfer.

 Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) verwies auf das positive Wirken der britischen Militärregierung nach dem Krieg. Die Briten hätten angesichts von Krieg und Zerstörungen durch die Deutschen allen Grund zur Unnachgiebigkeit und Härte gehabt. Die Militärregierung habe jedoch die Härte eines Lehrers gezeigt und sei konsequent gewesen in Sachen Demokratie, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit. Schlie: „Wir Norddeutschen haben den Briten viel zu verdanken.“ Es sei heute kaum noch vorstellbar, dass beide Länder einmal verfeindet waren, bekräftigte der britische Botschafter Sir Simon McDonald. Sieben Jahrzehnte nach dem Ende des Krieges könne aber in Schleswig-Holstein Versöhnung und Freundschaft gefeiert werden. „Wir sind nicht nur ebenbürtige Partner, sondern dauerhafte Freunde geworden.“ Enge Kontakte gebe es nicht nur zwischen Politikern, sondern auch zwischen Vereinen, Schulen, Hochschulen, Kultureinrichtungen. „Lassen wir uns von unseren jahrhundertealten Verbindungen inspirieren, damit sich die Ereignisse der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nie mehr wiederholen“, schloss er seine Ansprache.

 Nach den Worten von Landesbischof Gerhard Ulrich zählt die Erinnerung zu den wichtigen Aufgaben im Leben. Denn sie sei auch immer eine Quelle der Hoffnung. „So denken wir gern an das Werk der Versöhnung, in dem aus Feinden Freunde werden konnten. Auch weil wir uns gemeinsam der Erinnerung stellen“, so Ulrich. Wer sich wirklich erinnere, der setze sich ein für Versöhnung, für offene Herzen, für das Teilen dessen, was wir zum Leben haben. Der katholische Erzbischof Dr. Stefan Heße erinnerte an die vier Lübecker Märtyrer. In den Mittelpunkt seiner Predigt stellte er das berühmte Palmsonntag-Zitat des von den Nazis hingerichteten Lutherpastors Karl Friedrich Stellbrink: „Gott hat mit mächtiger Sprache geredet; die Lübecker werden wieder lernen zu beten.“ Der Glaube an Christus mache Menschen stark und rüste sie für die Kämpfe des Lebens – für die existenziellen Kämpfe ebenso wie für die gesellschaftlichen und politischen.

 Und Bürgermeister Bernd Saxe resümierte: „Weltoffenheit und Toleranz, der Einsatz für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit – all dies ist nichts, was sich vererbt. Diese Werte müssen von Generation zu Generation mühsam weitergegeben werden. Es bleibt also ein ewiger Auftrag der Menschen, dass das, was vor 70 Jahren sein Ende fand, nie wieder passiert.“ Musikalisch begleitet wurde der Gedenkabend vom Marinemusikkorps Kiel, der Lübecker Knabenkantorei und vom Marienorganist Johannes Unger an der Orgel.

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Ein Artikel von
Michael Hollinde

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