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Angst vor dem Hundemörder

Giftköder in Schleswig-Holstein Angst vor dem Hundemörder

Unter Hundebesitzern in Schleswig-Holstein geht die Angst um: Im Land mehren sich die Fälle von Giftködern. Immer wieder sterben Hunde qualvoll an Rattengift, Blaukorn, Rasierklingen, Nägel und Nadeln. Der Polizei gelingt es nicht, die mörderischen Hundehasser zu ermitteln.

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Die neue Schäferhündin Bumblebee ist jetzt der Mittelpunkt der Familie Weischnur-Schramm aus Selent. Jula, Martje, Lotta und André (v. l. n. r.) passen jetzt besonders gut auf sie auf, nachdem ihre geliebte Hündin Cuba mit einem Rattengift-Köder vergiftet worden war und qualvoll verendete.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. „Warnung vor Giftködern in Bebensee“, meldete Sandra Mohr von der Polizeidirektion Bad Segeberg Mitte der vergangenen Woche. Zwei Tiere hatten beim Gassigehen Fleisch gefunden und gefressen, das mutmaßlich mit Blaukorn versetzt war. Anfang der Woche veröffentlichte ein Lübecker Veterinär im sozialen Netzwerk Facebook Fotos von Salami-Würstchen, die mit Rasierklingen gespickt waren. Ende der Woche dieser Warnruf einer Hundehalterin auf Facebook: „Gestern Nacht hat jemand versucht, unsere beiden Hunde im Raum Niendorf zu vergiften! Es lagen mehrere Hackbällchen gemischt mit Blaukorn in unserem Garten!“

 Einzelfälle sind das nicht: Landesweit gibt es nahezu täglich neue Warnungen für Hundehalter, bei Spaziergängen Acht zu geben. Rund um Kiel scheint es mittlerweile so viele Hundehasser zu geben, dass Facebook-Nutzer einander in der eigens eingerichteten Gruppe „Giftköder Meldungen Kiel und Umgebung“ warnen. Leckerlis mit Rattengift in Suchsdorf, Hühnerfleisch mit Nägeln in Dietrichsdorf, Frikadellen mit Glasscherben in Elmschenhagen, mit Blaukorn versetztes Hack in Niendorf, Fleischbrocken mit Rattengift in Selent und in Wittenbrger Passau – die Liste mit heimtückischen Angriffen auf Hunde wird beinahe täglich länger.

 Martje Schramm-Weischnur helfen die Warnungen nicht mehr. Die 33-Jährige aus Selent (Kreis Plön) hat im vergangenen Jahr ihre Schäferhündin Cuba verloren. Sieben Jahre lang war das Tier ein Familienmitglied, treuester Spielkamerad ihrer beiden acht und elf Jahre alten Töchter Jula und Lotta. „Unsere Cuba ist elendig verreckt, ist vom Gift innerlich aufgefressen worden“, klagt Martje Weischnur-Schramm. Beim Spaziergang in ihrem Wohnort hatte der Vierbeiner einen offenkundig vergifteten Köder gefressen. „Erst dachten wir, sie hätte irgend etwas aus Kunststoff verschluckt, weil sie solche Magen-Darm-Probleme hatte“, erinnert die Friseurin sich. Als der Darm des Hundes versagte, wurde Cuba notoperiert. „Zwei Tage lang haben wir um unsere Hündin gekämpft. Als sie zu Hause zusammenbrach, konnten wir sie nur noch einschläfern lassen.“ Noch heute, Monate nach dem Verlust, ringt die junge Mutter um Fassung. „Wer immer dieser Hundehasser ist – er ahnt nicht, was er den Familien antut.“

 Die Schäferhündin ist nicht das einzige Opfer des oder der Unbekannten: Mehrfach mussten Hundebesitzer im Raum Selent ihre Vierbeiner mit akuten Vergiftungserscheinungen bei Tierärzten behandeln, in einigen Fällen sogar erlösen lassen. Zugleich wurden und werden immer wieder Giftköder an beliebten Spazierwegen gefunden. Tierfreunde haben mittlerweile eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise auf den Täter ausgelobt. Überall im Ort hängen Zettel mit Warn- und Suchhinweisen. „Gebracht hat es bisher leider nichts“, sagt Schramm-Weischnur. Auch die Polizei konnte bislang nicht weiterhelfen. Spuren und Hinweise sind dürftig. Wenn Köder gefunden und zur Untersuchung ins Landeskriminalamt (LKA) nach Kiel geschickt werden, hilft dies bei der Suche nach den Tierquälern nicht. „Grundsätzlich untersuchen wir eingesandte Köder nur dann, wenn ein Mensch oder ein Hund zu Schaden gekommen ist, der Köder offensichtlich präpariert wurde, ein Tatverdacht gegen eine konkrete Person vorliegt oder die Gesamtumstände für einen Giftköder sprechen – beispielsweise wenn der Fundort auf einem privaten Grundstück eines Hundehalters ist“, zählt Stefan Jung vom LKA auf. Tatsächlich ist die Zahl der Untersuchungen gering. Die Polizei spricht von zehn bis 20 Fällen pro Jahr. „Die geringe Zahl erklärt sich auch mit dem hohen Aufwand“, sagt Jung. „Giftstoffe sind meist analytisch schwer zu bestimmen.“ Meist handele es sich um Rattengift, aber auch Cyanid und E605 hätten Toxikologen bereits gefunden.

 „Schützen können Hundehalter ihre Hunde am besten, wenn sie sie an der Leine führen und darauf achten, dass die Tiere nichts Herumliegendes fressen“, rät Jung. Ein Tipp, den Martje Schramm-Weischnur sehr genau beherzigt. Vor wenigen Wochen ist ein neuer Schäferhund bei der Selenter Familie eingezogen. „Wir geben sehr genau auf sie Acht“, sagt die 33-Jährige. Da in Selent und Umgebung allerdings bis heute immer wieder Köder ausgelegt werden, fährt sie für ausgiebige Spaziergänge lieber etwas weiter weg. Sicher ist sicher.

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