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Lübeck will die Homo-Ampel

Gleichstellungssignal Lübeck will die Homo-Ampel

Nach Wien und Hamburg zieht eine Hansestadt nach: Neue Signale an den Verkehrsmästen sollen zum Christopher-Street-Day leuchten – und dann eventuell auch länger.

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Zwei Ampeln im Hamburger Stadtteil St. Georg zeigen schwule und lesbische Ampelpärchen und sollen damit ein Signal für mehr Toleranz, Offenheit und Akzeptanz von gleichgeschlechtlicher Liebe in der Stadt geben. Nun zieht Lübeck nach.

Quelle: Daniel Bockwoldt

Lübeck/Kiel. Als erste Stadt in Schleswig-Holstein will Lübeck jetzt Ampelsignale mit schwulen und lesbischen Pärchen den Verkehr regeln lassen. Zum Christopher-Street-Day in der Hansestadt am 21. und 22. August sollen zentrale Fußgängerquerungen umgerüstet werden. Zurzeit läuft die Abstimmung mit der städtischen Bauverwaltung.

 Wien hat es zum Eurovision Song-Contest vorgemacht, Hamburg folgte vergangene Woche: „Angeregt durch die öffentliche Diskussion in den Kieler Nachrichten haben wir uns gedacht, dass die Vielfalt-Ampel auch für uns eine tolle Idee wäre, aller Welt zu dokumentieren, dass Lübeck tolerant und bunt ist“, sagt Ingo Schaffenberg, sozialpolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion in Lübeck. Bei seinem Kreisvorstand um den Landtagsabgeordneten Thomas Rother stieß er auf große Zustimmung: „Natürlich gibt es drängendere Probleme in Stadt und Land, aber mit den weiblichen und männlichen Ampelmännchen kann man mit geringem Aufwand viele Menschen erreichen und zum Nachdenken anregen“, sagt Rother.

 Drei zentrale Ampeln sollen zunächst mit den Homo-Piktogrammen umgerüstet werden und in den Tagen vor und nach dem Christopher-Street-Day am 21. und 22. August am Holstentor, an der Ober- und an der Untertrave die klassischen Ampelmännchen zumindest zeitweise ablösen. „Wenn es nach mir ginge, könnte man sie dort auch dauerhaft erstrahlen lassen“, sagt Schaffenberg. Kontakt zur Herstellerfirma hat der 44-Jährige bereits aufgenommen. 35 Euro kosten die Ampel-Schablonen mit den Homo-Symbolen pro Stück. Die Anfrage für eine Ausnahmegenehmigung zur Umrüstung der Signalanlagen bei der Bauverwaltung läuft bereits. Die Straßenverkehrsordnung muss nicht geändert werden. Wie in Hamburg, Frankfurt oder Köln können die Kommunen eigene Ausnahmeregelungen treffen. „Wünschenswert wäre es natürlich, wenn sich noch weitere Sponsoren beteiligen würden“, sagt Rother.

 Christian Till, Vorsitzender des Lübecker CSD-Vereins, begrüßt das Engagement. „Die schwulen und lesbischen Ampelmännchen rücken das Thema Gleichberechtigung jedem Touristen und Einwohner ins Bewusstsein, der an der Ampel warten muss“, sagt er und spricht von einem positiven Zeichen, das die Stadt als erste in Schleswig-Holstein setzen will. „Wichtig ist nur, dass die Symbole auch mit Inhalt gefüllt werden und politische Taten folgen“, mahnt der 42-Jährige, der zur Demo am 22. August mit 1500 aktiven Teilnehmern rechnet.

 Bruno Böhm, der für die Freien Wähler in der Bürgerschaft sitzt und wie die Vielfalt-Ampel aus Wien stammt, unterstützt die Idee. „Eine Ampel soll zuallererst den Straßenverkehr regeln – und weil es damit viel zu tun hat, war das Ampelmännchen bisher einsamer Single“, sagt er und ergänzt: „Wenn das Männchen nun Partner bekommt, erhöht das sicher die Aufmerksamkeit für das Lichtsignal und steigert so die Verkehrssicherheit.“ Auch die politische Botschaft der Homo-Ampel sei richtig. „Zur Vielfalt-Ampel gehört aber auch das klassische heterosexuelle Paar, so wie beim Original in Wien, und nicht nur homosexuelle Ampel-Pärchen“, bekräftigt Böhm. Andernfalls würden wiederum Bevölkerungsschichten ausgegrenzt.

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Hamburg/Schleswig-Holstein
Foto: "Ich mag die Symbole. Wichtiger ist aber die rechtliche Gleichstellung von Partnerschaften", sagt Susanne Motsch.

Wien hat es vor- und Hamburg nun nachgemacht: Anstatt klassischer Ampelmännchen setzen beide Städte zu besonderen Anlässen auf schwule und lesbische Ampelpärchen. Eine Idee, die auch bei vielen Kielern gut ankommt, für die Verantwortlichen im Land aber noch kein Thema ist.

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