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Magaard wird neuer Bischof

Schleswig-Holstein Magaard wird neuer Bischof

Eine Million Protestanten zwischen den Meeren haben einen neuen Bischof: Gothard Magaard (58), bisher Bischofsbevollmächtigter des Sprengels Schleswig und Holstein, wurde im Schleswiger Dom zum Bischof gewählt. Er setzte sich gegen Pröpstin Elfriede Knotte durch.

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 Gothart Magaard konnte sich am Freitag im Dom von Schleswig gegen Pröpstin Elfriede Knotte aus dem niedersächsischen Bad Gandersheim durchsetzen: Die Landessynode der Nordkirche entschied sich mehrheitlich für ihn als neuen Bischof. Magaard wird künftig den Sprengel Schleswig und Holstein mit einer Million Gläubigen leiten.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Schleswig. Gothart Magaard wird neuer Bischof des Sprengels Schleswig und Holstein mit rund einer Million Gläubigen. Die 144 anwesenden Landessynodalen der Nordkirche entschieden sich am Freitagabend im Schleswiger Dom im ersten Wahlgang mit 88 Stimmen für den 58-Jährigen, der seit 2009 Bischofsbevollmächtigter im Sprengel ist. Seine Konkurrentin, die Pröpstin Elfriede Knotte (57) aus Bad Gandersheim (Niedersachsen), erhielt 54 Stimmen. Es gab zwei Enthaltungen.
Voraussichtlich im Herbst — Magaard nannte nach seiner Wahl den 6. September — ist die Amtseinführung. Die Amtszeit beträgt zehn Jahre. „Ich bin überwältigt und freue mich sehr — das ist sehr bewegend“, sagte der gewählte Bischof. Die Synode hab es mit der Entscheidung zwischen einem Mann und einer Frau nicht leicht gehabt. Er betrachte die Wahl als Zeichen des Vertrauens und auch als eine persönliche Rückenstärkung, die er in der Kirche an die Menschen weitergeben wolle.
Als Grundposition nannte Magaard einen spirituellen Glauben, der aber zum politischen Handeln verpflichtet. Die Armutsentwicklung, insbesondere die Kinderarmut auch in Schleswig-Holstein, sowie die Bewahrung der Schöpfung seien zwei wichtige Aufgaben. Magaard erinnerte daran, dass er sich früher bereits für den Sonntagsschutz und die Hebammen eingesetzt habe.
Magaard wird Nachfolger des ehemaligen Schleswiger Bischofs Gerhard Ulrich, der in der Gründungsphase der Nordkirche Leitungsaufgaben übernahm und seit 2013 Landesbischof mit Dienstsitz in Schwerin ist.
In seiner Vorstellungsrede machte Magaard deutlich, dass er die Integration der Nordkirche weiter voranbringen, innerkirchliche Reformen der schrumpfenden Volkskirche auf den Weg bringen und den Glauben an die nächste Generation weitergeben will.
Ein knappes Drittel der insgesamt 156 Synodalen stammt aus dem Sprengel zwischen den Meeren; jeder zweite Schleswig-Holsteiner ist evangelisch. Zum Sprengel mit 365 Gemeinden gehören die acht Kirchenkreise Altholstein, Dithmarschen, Nordfriesland, Ostholstein, Plön-Segeberg, Rantzau-Münsterdorf, Rendsburg-Eckernförde und Schleswig-Flensburg sowie die Nordschleswigschen Gemeinden in Dänemark. Die beiden anderen Sprengel Hamburg und Lübeck sowie Mecklenburg und Pommern haben 880 000 beziehungsweise 275 000 Mitglieder.
Mit 2,2 Millionen Mitgliedern ist die Nordkirche die fünftgrößte der insgesamt 20 Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die Nordkirche wurde Pfingsten 2012 gegründet, sie ist hervorgegangen aus Nordelbien sowie der pommerschen und der mecklenburgischen Landeskirche — als bundesweit erster Zusammenschluss von einer westlichen mit östlichen Landeskirchen.
Vor der Synodeneröffnung feierten die Kirchenparlamentarier im Dom einen Gottesdienst. Dann stellte Präses Andreas Tietze die beiden Kandidaten vor, ehe diese jeweils 20 Minuten lang selber ihr Leben und ihre Vorstellungen fürs Bischofsamt präsentierten.

Kurz nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses gratulierte Ministerpräsident Torsten Albig dem designierten Bischof. „Ich bin mir sicher, dass wir weiterhin eng und vertrauensvoll zum Wohle unseres Landes zusammenarbeiten werden“, sagte Albig zur Wahlentscheidung der Landessynode der Nordkirche in Schleswig. Die Synode habe mit Bischof Magaard einen Kandidaten gewählt, der schon als Bischofsvertreter viel für den Sprengel getan hat. Ich freue mich sehr für ihn und für alle in Schleswig-Holstein, dass er dieses Amt nun auch als gewählter Bischof ausfüllen kann“, so Torsten Albig. Magaard trage mit seinem großen Engagement für die deutsch-dänische Kirchenfreundschaft auch dazu bei, dass Schleswig-Holstein und Dänemark enger zusammenrücken.

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