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„Die Krise zeigt sich jetzt überall“

Griechenland „Die Krise zeigt sich jetzt überall“

Die Aufregung um die Griechenland-Krise hat sich gelegt – zumindest in Deutschland. In Berlin sind die Bundeskanzlerin und die Bundestagsabgeordneten in die Ferien gefahren.

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"Die Krise zeigt sich jetzt überall", sagt Familie Bitsa aus Griechenland.

Quelle: Privat

Kiel/Thessaloniki. Nur Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nutzt die Zeit, um einmal grundsätzlich über eine Reform der Europäischen Union (EU) nachzudenken. Über Details zum neu geplanten Rettungspaket für Athen wird erst wieder nach der Parlamentspause verhandelt. In Griechenland jedoch sieht die Situation ganz anders aus. Dort bleibt die Krise weiterhin das bestimmende Thema. Vor allem für die Bevölkerung zeigen sich immer stärker die Auswirkungen der Wirtschaftskrise im alltäglichen Leben, wie Lina Bitsa und ihre Töchter Vicky und Alexandra aus Thessaloniki im Austausch mit unserer Zeitung berichten:

 Donnerstag, 30. Juli, schreiben KN-Redakteur Jens Kiffmeier und KN-Mitarbeiterin Sonja Paar: „Hallo! Es wirkt gerade so, als ob in Deutschland die Aufmerksamkeit für die griechischen Sorgen weniger wird. Alleine Gianis Varoufakis hat es heute wieder in die Schlagzeilen geschafft. Dass ein ehemaliger Finanzminister wegen eines geheimen Grexit-Plans wegen Hochverrats angezeigt wird, interessiert dann doch. Aber ich nehme an, ihr habt gerade andere Sorgen. Wie ist denn Eure Woche gelaufen?“

Freitag, 31. Juli, antwortet Lisa Bitsa: „So langsam gewöhnen wir uns an die Situation. Nur in den Banken ist immer etwas los. Die älteren Menschen bekommen ihre Rente jetzt in Abständen – alle zwei Tage 120 Euro. Hier haben die meisten Leute inzwischen ihr Erspartes aufgebraucht und wir suchen ganz genau nach Angeboten in den Supermärkten. Alles ist teuer geworden und alle werben dafür, dass wir nur noch griechische Produkte kaufen sollen.

 Auch das Benzin wird knapp. Am Montag wollte ich tanken, aber es gab nichts mehr. Ich musste einen Tag später wieder hin. Der Tankstellenbesitzer erzählte mir, dass der Tankwagen nicht mehr jeden Tag kommt und er den Kraftstoff jetzt bar bezahlen muss. Mit soviel Bargeld herumzulaufen, ist für ihn natürlich nicht ungefährlich.

 Die Krise zeigt sich jetzt überall. Auch im Gesundheitssektor. Meine Tante musste in dieser Woche ins Krankenhaus. Sie brauchte eine Augenoperation. In der Klinik konnte keine frische Bettwäsche gestellt werden, wir mussten sie mitbringen. Auch die Medikamente sind rationalisiert. Manche Menschen können deshalb nicht mehr richtig behandelt werden. Im Fernsehen haben sie über einen Jungen mit Diabetes berichtet, der kein Insulin mehr bekommen konnte. Kinder aus Deutschland haben ihm von ihrem Insulin etwas abgegeben, damit er überleben konnte."

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Ein Artikel von
Jens Kiffmeier
Wirtschaftsredaktion

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