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Günter Grass beigesetzt

Behlendorf Günter Grass beigesetzt

Günter Grass ist in seinem langjährigen Wohnort Behlendorf bei Lübeck beigesetzt worden. Der Schriftsteller wurde am Mittwoch im engsten Familienkreis auf dem Friedhof des Dorfes (Kreis Herzogtum-Lauenburg) beerdigt, wie Behlendorfs Bürgermeister Andreas Henschel auf Anfrage bestätigte.

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Günter Grass ist in seinem langjährigen Wohnort Behlendorf bei Lübeck beigesetzt worden.

Quelle: Maurizio Gambarini/dpa

Behlendorf/Lübeck. Zwei Wochen nach seinem Tod ist Günter Grass in seinem langjährigen Wohnort Behlendorf bei Lübeck beigesetzt worden. Der Schriftsteller wurde am Mittwoch auf dem Friedhof des Dorfes im Kreis Herzogtum-Lauenburg beerdigt. Nur die engste Familie sei dabei gewesen, sagte Behlendorfs Bürgermeister Andreas Henschel. „Behlendorf ist dank Günter Grass in etlichen Werken auch ein kleiner Ort in der Weltliteratur geworden.“

Grass war am 13. April in einem Lübecker Krankenhaus im Alter von 87 Jahren an den Folgen einer schweren Infektion gestorben. Mehr als ein Vierteljahrhundert hatte Grass am Rande von Behlendorf, gut 20 Kilometer südlich von Lübeck, gelebt.

Der kleine Friedhof ist wie ein großer Rasenteppich mit Gräbern um die örtliche evangelische Kirche herum angelegt. Das Gotteshaus im romanisch-gotischen Stil stammt aus dem 13./14. Jahrhundert und ist überwiegend aus Feldsteinen, aber auch aus Backstein gebaut. Im Innern schmücken Wandmalereien aus dem 13. Jahrhundert den Chor. Vor der Kirche steht ein Denkmal aus Granit für die Toten des Ortes in den beiden Weltkriegen.

Grass, als Kind katholisch aufgewachsen, trat später aus der Kirche aus. Seine Beerdigung blieb ohne religiöse Zeremonie. Behlendorfs Gemeindepastor Torsten Reimer sagte der Deutschen Presse-Agentur, dies sei kein Problem für eine Beisetzung auf dem Gemeindefriedhof.

Sein Gedicht „Des Wiederholungstäters halbherzige Beichte“, 2007 veröffentlicht in dem Band „Letzte Tänze“, lässt Grass mit dieser Strophe enden: „So will ich denn mit meinen nachgeschminkten Sünden/mir Richter suchen unter Tauben, Stummen, Blinden./Ein Rest soll bleiben und als Mehrwert oder Hypothek/wenn ich mich fügsam in die Erde leg/mein Grabstein sein, für Freund und Feind zu finden.“

Die Menschen in Behlendorf fühlten sich mit ihrem Nachbarn Günter Grass und seiner Familie verbunden, hatte Bürgermeister Henschel nach dem Tod des Schriftstellers gesagt. Der Dichter habe mehrfach in Behlendorf gelesen und andere Kulturveranstaltungen ermöglicht. „Er hat außerdem jeden Sommer im Rahmen von „Dörfer zeigen Kunst“ bei uns ausgestellt.“ Grass war auch bildender Künstler. Behlendorf sei Ausgangspunkt vieler Einträge aus Grass.’Tagebuch „Unterwegs Von Deutschland nach Deutschland“ über das Jahr 1990. Im Gedicht „Wo ich hause“ im Lyrikband „Eintagsfliegen“ (2012) schrieb Grass über Behlendorf: „Mir gefällt es zu jeder Jahreszeit hier, wo ich zwar hause, aber nicht Wurzeln schlage.“

Die öffentliche Gedenkfeier zum Abschied von Grass steht am 10. Mai im Lübecker Theater bevor. Dazu werden Bundespräsident Joachim Gauck, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) erwartet. Die Hauptrede soll der Grass eng verbundene US-Schriftsteller John Irving halten. Grass' Tochter Helene und der Schauspieler Mario Adorf lesen aus Werken von Grass. Zu der Gedenkfeier, die vom Günter Grass-Haus und dem Steidl Verlag veranstaltet wird, werden auch zahlreiche Schauspieler, Schriftsteller und Weggefährten des Literaturnobelpreisträgers erwartet — darunter Regisseur Volker Schlöndorff, der 1979 Grass' Roman „Die Blechtrommel“ verfilmte.

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