16 ° / 13 ° Sprühregen

Navigation:
Mehr Pep durch Homo-Ampeln

Hamburg/Schleswig-Holstein Mehr Pep durch Homo-Ampeln

Wien hat es vor- und Hamburg nun nachgemacht: Anstatt klassischer Ampelmännchen setzen beide Städte zu besonderen Anlässen auf schwule und lesbische Ampelpärchen. Eine Idee, die auch bei vielen Kielern gut ankommt, für die Verantwortlichen im Land aber noch kein Thema ist.

Voriger Artikel
Unbekannte bewerfen Güterzug mit Steinen
Nächster Artikel
Feuerwehr Hamburg: Rauchmelder vor Urlaubsreise überprüfen

"Ich mag die Symbole. Wichtiger ist aber die rechtliche Gleichstellung von Partnerschaften", sagt Susanne Motsch.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Mit großem politischen Bahnhof ist in dieser Woche die erste „Vielfaltampel“ im Hamburger Stadtteil St. Georg eingeweiht worden. Sowohl die grüne Gleichstellungssenatorin Katharina Fegeband, als auch Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) rückten an, um die neu gestaltete Fußgänger-Lichtzeichenanlage in Betrieb zu nehmen. Anstelle der Single-Figur leuchten männliche und weibliche Pärchen vom Mast. „Ich freue mich, dass wir es rechtzeitig zum Christopher-Street-Day geschafft haben, den neuen Ampelmännchen einen prominenten Platz mitten in Hamburg zu geben“, sagt Fegeband.

 Ursprünglich stammt die Idee aus Österreich. Zum Eurovision Song Contest hatte Wien die Streuscheiben seiner Ampeln getauscht. München und Hamburg springen nun auf den Zug auf und ginge es nach vielen Kielern, würden auch in der Landeshauptstadt lesbische oder schwule Ampelpärchen den Verkehr regeln. „Es wäre ein guter Beitrag, dass sich homosexuelle Paare nicht mehr diskriminiert fühlen“, ist Djamin Izadi überzeugt. Der 23-Jährige weiter: „Gleichgeschlechtliche Ampelmännchen könnten ein Beitrag dazu sein, dass sich die Menschen mit der Thematik auseinandersetzen.“

 „Eine witzige Idee“, befindet Lea Tamm. Allerdings zweifelt sie an der Nachhaltigkeit: „Ich fürchte, dass die Konservativen so auch nicht liberaler werden“, sagt die 24-Jährige. Dennoch würde sie die Umrüstung befürworten: „Allein das Herzchen gefällt mir.“ Ein Lieblingssymbol hat auch Susanne Motsch beim Betrachten der Symbole schnell ausgemacht. „Wichtiger als Ampelmännchen oder -weibchen aber ist, dass wir bei der rechtlichen Gleichstellung weiterkommen“, sagt die Kielerin. Von einem symbolischen Gewinn spricht Christina Fischer. „Das würde nicht nur Pep in den Straßenverkehr bringen, es würde auch die Aufgeschlossenheit unserer Stadt für jedermann dokumentieren“, ist die 22-Jährige überzeugt.

 „Gleichberechtigung ist wichtig“, sagt Svenja Schaefer. Homo-Ampeln lehnt sie trotzdem ab: „Zum einen gibt es ja auch keine Ampeln mit heterosexuellen Pärchen, zum anderen kann niemand sagen, dass die Darstellung einer einzelnen Figur diskriminierend wäre“, so die 25-Jährige. Viel sinnvoller ist es nach Einschätzung der Kielerin, lieber über Piktogramme von alten oder behinderten Menschen an Ampeln nachzudenken. „Das könnte so manchen vielleicht dazu animieren, die Schwachen in unserer Gesellschaft zu unterstützen, ihnen beim Queren von Straßen zu helfen“, regt Schaefer an. Und wenn es nach Sebastian Hecht ginge, dann würden alle aktuellen Ampelmännchen nach und nach verschwinden, wenn Streuscheiben ausgetauscht oder neue Lichtzeichen aufgestellt werden. „Ich möchte am liebsten die alten, nostalgischen Piktogramme an den Ampeln sehen“, sagt er.

 Dauerhaft und flächendeckend wollen übrigens weder Wien noch Hamburg ihre Ampeln umrüsten, obgleich die Materialkosten mit 120 Euro pro Pärchen überschaubar sind. „Wir wollen ein Signal für mehr Toleranz, Offenheit und Akzeptanz setzen“, sagt Senatorin Fegebank. In Schleswig-Holstein ist das Verkehrsministerium noch nicht so weit: „An uns sind solche Ampelwünsche bislang nicht herangetragen worden, so dass wir das, was Hamburg macht, als Marketing-Aktionen für Veranstaltungen wie den CSD werten“, sagt ein Ministeriumssprecher.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Gleichstellungssignal
Foto: Zwei Ampeln im Hamburger Stadtteil St. Georg zeigen schwule und lesbische Ampelpärchen und sollen damit ein Signal für mehr Toleranz, Offenheit und Akzeptanz von gleichgeschlechtlicher Liebe in der Stadt geben. Nun zieht Lübeck nach.

Nach Wien und Hamburg zieht eine Hansestadt nach: Neue Signale an den Verkehrsmästen sollen zum Christopher-Street-Day leuchten – und dann eventuell auch länger.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Norddeutschland 2/3