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Hamburgs Ideen für ein würdiges Andenken

Helmut Schmidt Hamburgs Ideen für ein würdiges Andenken

Für ihren Ehrenbürger Helmut Schmidt lassen die Hamburger sogar ihre traditionelle Zurückhaltung fahren. Um ihn auch über den Tod hinaus zu ehren, wünschen sich viele eine Straße oder einen Platz mit seinem Namen. Auch der Flughafen könnte umbenannt werden, meinen etliche.

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Altkanzler Helmut Schmidt wurde 96 Jahre alt. Er starb vergangene Woche in Hamburg.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Hamburg. Helmut Schmidt war ein bescheidener Mann. Auszeichnungen, Orden oder Preise waren nicht so sein Ding. So wies er etwa als SPD-Fraktionschef im Bundestag das „Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband“ der Bundesrepublik zurück. Und auch die vielen Doktortitel ehrenhalber bedeuteten ihm weit weniger als die Verleiher gemeinhin glaubten, wie er selbst sagte. Helmut Schmidt repräsentierte eine lange hanseatische Tradition der Bescheidenheit - welche die Hamburger selbst jetzt jedoch in Erinnerung an ihren am Dienstag gestorbenen Ehrenbürger gerne außer Acht lassen wollen. Ideen für eine öffentlichkeitswirksame Würdigung gibt es einige:

WOHNHAUS: Helmut und Loki Schmidts Haus im Neubergerweg 80 im Stadtteil Langenhorn soll Museum oder Begegnungsstätte werden. Das gilt als so gut wie sicher. Bereits seit 1992 gibt es die Helmut und Loki Schmidt Stiftung, deren Förderzweck unter anderem in Erhalt und Sicherung des Wohnhauses im Norden der Stadt, der Bibliothek und solcher Gegenstände und Archivalien besteht, „die mit dem öffentlichen Wirken von H. und L. Schmidt (…) in Verbindung stehen“. Das rot geklinkerte Doppelhaus gilt als sehr bedeutsam, empfing Schmidt dort doch unter anderem 1978 als Kanzler den damaligen KPdSU-Chef Leonid Breschnew. Oft zu Gast beim Ehepaar Schmidt waren auch der frühere französische Staatspräsident Valérie Giscard d'Estaing und Ex-US-Außenminister Henry Kissinger.

STRASSENNAME: Viele Hamburger wünschen sich, dass eine Straße oder ein Platz in der Hansestadt nach dem früheren Innensenator benannt wird, der durch seine Tatkraft bei der großen Sturmflut 1962 viele Menschen gerettet hat. Bislang gibt es eine Helmut-Schmidt-Straße etwa in Waghäusel in Baden-Württemberg. Auch in Hamburg ist bereits seit 2011 eine Straße nach dem Ehrenbürger benannt. Doch sie ist öffentlich nicht zugänglich, liegt in Finkenwerder auf dem Airbus-Werksgelände. Für die Benennung von Straßen ist in Hamburg laut Paragraf 20 des Hamburgischen Wegegesetzes der Senat zuständig und hat auch das letzte Wort. Eine Entscheidung gibt es noch nicht.

FLUGHAFEN: Ebenfalls noch nicht geklärt, aber im Sinne vieler Hanseaten wäre die Umbenennung des Hamburg Airports in einen „Helmut Schmidt Flughafen“, analog etwa zum John-F.-Kennedy-Airport in New York, zum Münchner Franz-Josef-Strauß-Flughafen oder zu Paris-Charles-de-Gaulle. „Die Rechtsnachfolger von Helmut Schmidt müssen der Verwendung des Namens zustimmen, ebenso die Gesellschafter“, sagt eine Sprecherin der Wirtschaftsbehörde. Es werde sicher eine Zeit kommen, „in der wir uns mit der Frage beschäftigen, wie die Hansestadt Helmut Schmidt in besonderer Weise ehren kann“. Doch die Angehörigen schon jetzt um Erlaubnis zu fragen, sei der falsche Moment. Schmidt, als Langenhorner Airport-Nachbar, war viele Jahre Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats, stellte 1952 in der Wirtschaftsbehörde die Weichen, dass die Lufthansa nur drei Jahre später den Flugbetrieb in Hamburg aufnahm.

PREISE: Die Bundeswehr-Universität Hamburg trägt wie das einzige Gymnasium im Stadtteil Wilhelmsburg bereits den Namen des Altkanzlers und Mitherausgebers der Wochenzeitung „Die Zeit“. Beide Einrichtungen erweisen ihrem Namensgeber an prominenter Stelle auf ihren Homepages die Ehre. Weitergehende Überlegungen gibt es an der 1973 vom damaligen Verteidigungsminister Schmidt gegründeten und 2003 nach ihm benannten Hochschule bislang nicht. Denkbar wäre, etwa einen Preis nach ihm zu benennen, hieß es.

Staatsakt im Hamburger Michel

Der Staatsakt für den gestorbenen Altkanzler Helmut Schmidt soll in der Hamburger Kirche St. Michaelis — dem Michel — stattfinden. Anschließend gebe es am 23. November vor der Kirche ein großes militärisches Ehrengeleit, teilte das Bundesinnenministerium am Samstagabend in Berlin mit. Bürgerschaft und Senat planen danach gemeinsam einen Trauerempfang im Hamburger Rathaus. Schmidt war am Dienstag im Alter von 96 Jahren in seiner Heimatstadt Hamburg gestorben. Bundespräsident Joachim Gauck hatte den Staatsakt angeordnet.

Im Michel finden den Angaben zufolge etwa 1800 Gäste Platz. Das Bundesinnenministerium machte keine Angaben dazu, welche Redner bei dem Staatsakt zu Ehren des weltweit geachteten Sozialdemokraten sprechen sollen. Die Trauerfeierlichkeiten würden aller Voraussicht nach live im Fernsehen übertragen, hieß es. Für den 23. November werde bundesweit Trauerbeflaggung der obersten Bundesbehörden angeordnet.

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