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HDW-Frachter wird in der Ägäis zerlegt

„Heidelberg Express“ HDW-Frachter wird in der Ägäis zerlegt

Die Reederei Hapag-Lloyd ist Deutschlands Nummer eins beim Seetransport. 190 Frachter tragen weltweit das Logo im orange-roten Schornstein. Jetzt gab es in dieser global agierenden Flotte einen ganz besonderen Moment: Die Reederei trennte sich von ihrem letzten in Deutschland gebauten Containerschiff.

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Ende der letzten Dienstfahrt: Aus eigener Kraft fuhr der Containerfrachter „Heidelberg Express“ jetzt im türkischen Hafen Aliaga auf den Abwrackplatz. Vor dem Schiff liegen noch die Reste eines anderen Schiffes. Die Verschrottung dauert etwa vier Monate. Der Stahl wird in einem benachbarten Stahlwerk eingeschmolzen.

Quelle: Frank Behling

Hamburg/Kiel. Dabei handelte es sich um die einst in Kiel bei HDW gebaute „Heidelberg Express“. Ende Juni traf das Schiff in Aliaga nahe Izmir ein. Dort wird sie jetzt bis Oktober nach den strengen Umweltauflagen der EU vollständig recycelt.

 Am 2. Mai 1989 war davon noch keine Rede. In Kiel taufte Ursula Späth den stolzen Frachter auf den Namen „Heidelberg Express“. Die Gattin des damaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg hatte ein gutes Händchen. Fast 26 Jahre fuhr die „Heidelberg Express“ ohne Havarien für Hapag-Lloyd. Doch jetzt ist nach Mitteilung der Reederei der Zeitpunkt für den Abschied gekommen, da das Schiff am Rande seiner Wirtschaftlichkeit angelangt sei. „Es waren gute Schiffe. Sie waren bei unseren Kapitänen auch immer sehr beliebt“, sagt Reiner Horn, Sprecher von Hapag-Lloyd.

 Die „Heidelberg Express“ wurde 1987 zusammen mit der Schwester „Bonn Express“ bei der Kieler Howaldtswerke-Deutsche Werft AG bestellt. Das Duo markierte den Einstieg in die automatisierte Schiffsführung. Bei HDW wurden in diesen Typ viele Komponenten der zuvor für die Schweizer Norasia-Line gebauten Serie „Schiff der Zukunft“ eingebracht. Diese Schiffe hatten komfortable Unterkünfte für die Besatzungen, die in Einzelkammern untergebracht wurden. Es gab eine Kommandobrücke für den Ein-Mann-Betrieb und Fitness-Räume für die Freizeit. Die Schiffe hätten mit einer Crew von 15 statt 30 Mann gefahren werden können; Hapag-Loyd allerdings setzte mehr Leute ein, um weiterhin Reparatur- und Servicearbeiten während der Fahrt erledigen zu können.

 Die Frachter entstanden innerhalb weniger Monate im Baudock 8a in Kiel-Gaarden. 1992 wurden beide Schiffe bei der Rostocker Warnow-Werft verlängert. Die Containerkapazität betrug danach 2803 TEU (Standardcontainer). Damit gehörten sie damals noch zu den größten Containerfrachtern der Welt. Zum Vergleich: Die heutigen Neubauten der Reederei haben eine Ladekapazität von 13169 TEU. Für die Kieler Werft hat sich die Entwicklungsarbeit nicht ausgezahlt. Die Hamburger Reederei ging mit den Erfahrungen und Plänen nach Korea und ließ acht größere Schwesterschiffe beim Werftkonzern Daewoo bauen.

 Hapag-Lloyd hat für Verschrottung von Schiffen hohe Auflagen eingeführt. Länder mit zweifelhaften Umwelt- und Arbeitsschutzbedingungen werden abgelehnt. Deshalb wurden die beiden Kieler Schwestern jetzt nicht nach Indien, Bangladesch oder China verkauft, sondern in die Türkei. Die Betriebe im türkischen Aliaga sind nach den Vorgaben der EU zugelassen. „Der ganze Prozess wird von einem Überwachungsbetrieb vor Ort in unserem Auftrag kontrolliert“, sagt Horn. Bevor das Schiff auf den Strand gesetzt wurde, wurden die Tanks geleert und alle Gefahrstoffe von Bord geholt. „Danach wird das Schiff jetzt in vier Monaten von vorn nach achtern zerlegt“, so Horn. Nach demselben Verfahren werden auch Schiffe in Esbjerg (Dänemark) oder Gent (Belgien) verschrottet. In Aliaga hat auch die Bundeswehr Schiffe verschrotten lassen. Die „Heidelberg Express“ ist bereits der dritte Hapag-Lloyd-Frachter, der in diesem Jahr in Aliaga endete. Am 4. Februar beendete die „Bonn Express“ dort ihre letzte Dienstfahrt, wenig später folgte die „Livorno Express“.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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