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Heilige Quelle soll wieder sprudeln

Süderbrarup Heilige Quelle soll wieder sprudeln

Wolfgang Warwel und seine Mitstreiter sind sich sicher. Irgendwo unter den Sportplätzen der Gemeinde in Angeln sprudelt sie noch heute: die Heilige Quelle von Süderbrarup. Sie soll als nördliches Heilquelle Deutschlands wieder gefasst werden und scharenweise Touristen ins Dorf locken. Das zumindest hoffen die Mitglieder vom örtlichen Museumsverein. Der Bürgermeister ist skeptisch.

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Die Heilige Quelle in Süderbrarup wurde in den 1920er Jahren eingefasst.

Quelle: Jörg Wohlfromm

Süderbrarup. Warwel, Kreistagsabgeordneter, Gemeindevertreter der Freien Wähler und Vorsitzender des Museumsvereins Süderbrarup ist auf eine Reise gegangen. Zurück in die Zeit, als die Angeln noch in der gleichnamigen Region siedelten. Jahrhundertelang habe die Quelle von Süderbrarup überregionale Bedeutung gehabt. „Pilger kamen von weit her, nur um das Wasser der Quelle zu trinken“, sagt Warwel. Der 70-jährige Lokalpolitiker hat im ganzen Land nach Belegen für die Quelle gesucht. Dabei sei er im Gemeindearchiv fündig geworden:

 Vor 70 Jahren zeigten die Nazis Interesse an der Quelle. Ein Schreiben vom Kaiser-Wilhelm-Institut für Biophysik an die Gemeinde aus dem Jahr 1942 belegt die These von den heilenden Kräften des Wassers. Die damaligen Wissenschaftler haben Spuren von Radium – einem radioaktiven Element – im Wasser nachgewiesen. Die Heilwirkung dieses Elements ist heute zwar umstritten, doch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren Radiumbäder in vielen Städten Europas gut besuchte Kureinrichtungen.

 Zudem wiesen die Namen lokaler Gemarkungen, das Kirchensiegel mit Pilgermuschel sowie Tausende Gräber aus Zeiten der Germanen darauf hin, dass Süderbrarup über Jahrhunderte Ziel von Pilgern war: „Die wollten alle zur Heilquelle“, ist sich Wolfgang Warwel sicher. Auch die Alten im Dorf könnten sich noch daran erinnern, wie die Neugeborenen einst mit dem Wasser aus der Quelle getauft wurden.

 Zwar gibt es in Süderbrarup unweit des gleichnamigen Freibades eine mit Natursteinen eingefasste „Heilige Quelle“ – diese jedoch ist ein Nachbau aus den 1920er-Jahren. Spätestens seit dem Bau des Schwimmbades und der benachbarten Sportplätze in den 1960er-Jahren trocknete die echte Quelle aus. Ihr Wasser wird unter der Oberfläche stark verdünnt und fließt irgendwo über die Kanalisation ab, meint Warwel. Durch Drainagen und Regenwasserrohre wird der bekannte Quellen-Auslass heute nur noch nach starken Regenfällen gespeist – von Radium keine Spur.

 „Die richtige Quelle muss irgendwo oberhalb dieses Geländes sein“, ist sich Warwel sicher. „Dort treffen sich mehrere Wasseradern.“ In den Fokus des Museumsvereins ist ein angrenzendes Kleingartengelände mit 44 Parzellen gerückt. Ausgerechnet dort, wo das Amt Süderbraup eine neue Grundschule bauen will, vermutet der Museumsverein in zwei bis vier Meter Tiefe den Ursprung der Quelle. Mit Bohrgestänge und Flaschen für eine wissenschaftliche Analyse des erhofften Heilwassers, wollten die etwa 50 Mitglieder vom neu gegründeten Förderverein „Heilige Quelle“ vor wenigen Tagen auf eigene Kosten nach der Quelle suchen. Doch die Gemeinde untersagte das Vorhaben kurz vor dem Start. Ein Geotechnischer Prüfbericht im Vorfeld des Schulneubaus habe keine Hinweise auf Wasseradern, heißt es zudem in einem Schreiben des Amtes.

 Auf Anfrage begründet Bürgermeister Friedrich Bennetreu (CDU) das Verbot mit einer fehlenden Genehmigung durch die Gemeinde. „Wenn ich den Plan habe zu bohren, dann muss ich doch vorher auch einmal beim Grundstückseigentümer fragen“, sagt der Gemeindechef. Grundsätzlich sieht er die mögliche Heilkraft der Quelle skeptisch und „eher im Bereich der Mystik“. Bennetreu ergänzt jedoch: „Bekanntlich versetzt der Glaube auch Berge.“

 Wolfgang Warwel hat kein Verständnis für Bohrstopp. „Warum sollen wir nicht nach der Quelle suchen“, fragt er. Anderen Gemeinden in ganz Europa hätten sich mit ihrem heiligen Wasser schließlich zu bedeutenden Wallfahrtsorten entwickelt. „Das Ding soll wieder laufen.“

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

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