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Hundegesetz schreckt Urlauber ab

Dänemark Hundegesetz schreckt Urlauber ab

Lange Strände, Dünen und Meer: Vieles spricht für Urlaub in Dänemark. Doch immer mehr Touristen mit Hund stornieren ihre Reise ins Nachbarland. Seit 2010 gilt dort ein Gesetz, das 13 Hunderassen verbietet und der Polizei erlaubt, sie willkürlich einschläfern zu lassen. Ferienhausanbieter fordern nun, das umstrittene Gesetz abzuschaffen.

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Viel Norddeutsche lieben die Urlaube in Dänemark: endlose Spaziergänge mit dem Hund in den Dünen und an den Stränden.

Quelle: Karina Dreyer

Kiel. 1400 Hunde sollen seit 2010 getötet worden sein, heißt es vonseiten des dänischen Vereins Fair Dogs, der in diesem Jahr noch die Revision des Hundegesetzes durchsetzen möchte. Er beklagt, dass viele der getöteten Hunde keine Listenhunde gewesen seien, sondern nur eine Ähnlichkeit gehabt hätten. Denn wenn der Halter nicht nachweisen könne, dass sein Hund keine aggressiven Gene habe, hätte das Tier so gut wie gar keine Chance.

 Auch wenn offiziell kein Fall bekannt ist, dass Urlauber-Hunde getötet wurden, macht sich Angst breit. Das Einführen der Hunde sowie der Mischlinge aus diesen Rassen, die nach dem 17. März 2010 geboren wurden, ist verboten. Sie müssen einen Maulkorb tragen und an der kurzen Leine gehalten werden. Ebenso müssen die Papiere samt Stammbaum, DNA-Test und Geburtsurkunde vollständig und das Tier gechipt sein.

 Weil vielen deutschen Touristen unklar ist, ob das dänische Gesetz auch für sie gilt und wie sie sich bei Kontrollen verhalten sollen, kam es mehrfach zu Stornierungen bei dem Ferienhausanbieter Novasol und DanSommer. Das Unternehmen hat nun das dänische Parlament aufgefordert, „sein umstrittenes Hundegesetz wieder abzuschaffen, damit deutsche Hundebesitzer weiterhin unbesorgt Urlaub machen können,“ erklärt Vorstandsvorsitzender Jan Hapaanen. Man schieße doch nicht auf Urlauber-Hunde und drohe auch noch damit, protestiert er gegen den „Politiker-Irrsinn“ und befürchtet, dass „wir deutsche Touristen, unseren Ruf und dänische Arbeitsplätze verlieren“.

 Sabine Petersen, zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins Kiel und Umgebung, hat einen American Staffordshire-Terrier aus dem Tierheim. Einmal im Jahr machte sie im Königreich Urlaub, 2010 hatte sie eine Reise gebucht, bezahlt, nach einem Hinweis auf das Hundegesetz aber schnell storniert. „Wenn mein Hund weglaufen sollte und nicht binnen dreier Tage abgeholt wird, kann er nach dänischem Gesetz getötet werden. Das Risiko ist mir zu groß“, sagt sie und fragt sich, wer das Recht habe, einen Hund nur wegen seiner Rasse als gefährlich einzustufen. Wissenschaftlich begründet sei das keinesfalls. Das, was der Halter aus dem Hund mache, sei viel entscheidender für die Entwicklung als seine Rasse.

 Hundehalter Fridtjof Susat aus Flensburg verfolgt das Geschehen in den dänischen Medien: Es habe eine Studie der Uni Odense gegeben, die zeigt, dass die Vorfälle mit aggressiven Hunden seit Einführung des Gesetzes nicht weniger geworden seien. Tier-Experten hätten sich geäußert, dass das Gesetz nur dazu geführt habe, dass sich Bürger auf einer falschen Grundlage sicher fühlen und dass viele gesunde, unschuldige Hunde eingeschläfert wurden. Susat ist davon überzeugt: „Das Gesetz zeigt nur die Hilflosigkeit einer Regierung im Umgang mit den sogenannten Kampfhunden.“

Die Verbotsliste:

Seit dem 1. Juli 2010 sind in Dänemark 13 Hunderassen verboten: Pitbull Terrier, Tosa Inu, Amerikanischer Staffordshire Terrier, Fila Brasileiro, Dogo Argentino, Amerikanische Bulldogge, Boerboel, Kangal, Zentralasiatischer, Kaukasischer Ovtcharka und Südrussischer Ovtcharka, Tornjak und Sarplaninac. Das Verbot bezieht sich auch auf Kreuzungen. Bestehen Zweifel, ob ein Hund einer oder mehrerer der verbotenen Hunderassen angehört, kann die Polizei vom Besitzer verlangen, die Hunderasse nachzuweisen. Das Hundegesetz sieht keine Regelung für den Nachweis vor, dass der Hund nicht einer der verbotenen Hunderasse angehört. Es kann genügen, wenn der Hundebesitzer dies durch ein Stammbuch, ein DNA-Zertifikat des Hundes oder das der Eltern, oder eine Erklärung über die Abstammung des Hundes geben kann. Wenn der Hund einer Rasse angehört, die dem Verbot unterliegt, kann die Polizei die Entscheidung treffen, den Hund einzuschläfern. Ebenso gibt es Bußgelder für streunende Hunde: (2000 DKK, rund 270 Euro), Hunde ohne Hundemarke (1000 DKK), ohne Haftpflichtversicherung (3000 DKK), Schäden durch Hundebisse (4000 DKK) und Missachtung der Leinen- oder Maulkorbpflicht: (2000 DKK).

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