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Kita-Erzieher machen weiter Druck

Warnstreiks Kita-Erzieher machen weiter Druck

Entschlossen und kämpferisch war die Stimmung unter den über 400 Demonstranten, die am Donnerstag in Kiel für eine bessere Bezahlung der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst auf die Straße gingen.

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 Kita-Mitarbeiter demonstrieren in Kiel hinter einem Transparent mit der Aufschrift "ErzieherInnen verdienen mehr. Für ein besseres Ego" für eine höhere Eingruppierung in der für ihre Löhne maßgeblichen Entgeldordnung.

Quelle: dpa

Kiel. Bundesweit wurden Kitas bestreikt, um Druck auf die vierte Verhandlungsrunde zwischen den Gewerkschaften GEW und Verdi sowie dem kommunalen Arbeitgeberverband (VKA) auszuüben. Aus dem ganzen Land reisten Erzieher, Sozialarbeiter und auch Mitarbeiter von Behindertenwerkstätten zur dritten zentralen Kundgebung in Schleswig-Holstein an. „Mit jedem Streik steigt die Teilnehmerzahl, wir senden ein starkes Signal aus Schleswig-Holstein“, erklärte Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Susanne Schöttke.

Erstmals hatte die Landeshauptstadt Kiel in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft Verdi eine Notfallversorgung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe auf die Beine gestellt, sodass zum Beispiel im Fall einer Kindeswohlgefährdung weiterhin sofort gehandelt werden konnte. Zwar sei auch während der beiden vorherigen Streiks die Versorgung gesichert gewesen, aber mit der neuen Regelung sei dies mit einem wesentlich geringeren Aufwand möglich gewesen. Für die Kinder aus städtischen Kitas, die geschlossen blieben, wurden ebenfalls Notdienste eingerichtet.

Die Hoffnung auf eine Einigung in der vierten Gesprächsrunde waren bei der GEW-Bundesvorsitzenden Marlis Tepe gering: „Aber wir lassen uns nicht abspeisen!“ Sie monierte, dass die Arbeitgeberseite bislang kein Angebot vorgelegt habe und die Forderungen der Gewerkschaften als realitätsfern und überzogen bezeichne. Am 25. Februar hatten sich Gewerkschaften und die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände zum ersten Mal getroffen, um über eine neue Tarif-Eingruppierung von bundesweit rund 240<VG>000 Kinderpflegern, Erziehern und Sozialarbeitern in kommunalen Einrichtungen zu verhandeln.

„Es kann nicht sein, dass eine Kita-Leiterin nicht sehr viel mehr als eine Erzieherin verdient“, meinte die Kindheitspädagogin Katja Stiebler. Die Beschäftigten wehrten sich dagegen, dass das Anforderungsspektrum stetig erweitert werde, das Gehalt aber gleich bleibe. „Ich arbeite im Familienzentrum in Kiel-Gaarden. Wir betreuen dort ganze Familien, da geht es jeden Tag auch um Beziehungsprobleme der Eltern, finanzielle Not oder Flüchtlinge, die speziell gefördert werden müssen“, erklärte Erzieher Olliver Merbeth.

Durchschnittlich zehn Prozent mehr Gehalt wollen die Gewerkschaften für die Beschäftigten erstreiten. Die Arbeitgeberseite lehnt die Forderungen bislang ab und schlägt eine Prüfung der Eingruppierung von Erzieherinnen differenziert nach Tätigkeit vor. Darauf wollen sich die Gewerkschaften bislang nicht einlassen und beharren auf eine generell höhere Gruppierung.

Die VKA argumentiert, dass die Gehälter von Erzieherinnen im öffentlichen Dienst mit 2590 bis 3750 Euro oberhalb anderer Ausbildungsberufe des öffentlichen Dienstes, etwa im Handwerk, lägen. Würde den Forderungen nachgekommen werden, lägen die Erziehergehälter bis zu 45 Prozent über diesen anderen Berufsgruppen.

Am Abend zeichnete sich in dem Tarifstreit weiterhin keine Annäherung ab. Auch die vierte Verhandlungsrunde in Hannover blieb ohne Ergebnis, wie beide Verhandlungsseiten mitteilten. Bereits für Montag und Dienstag ist die nächste Runde angesetzt.

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Warnstreiks in Kitas
Foto: „Nicht dahin, sonst geht das mit dem Dach nicht!“ Die „Bauleiter“ Florian und Jan-Fiete (von rechts) haben ganz genau im Blick, wohin Reporterin Anne Holbach die Holzsteine setzt. Jacob und Clara (hinten) aber warten längst darauf, dass sie sich endlich auch für sie Zeit nimmt.

Bundesweit streiken die Erzieherinnen im öffentlichen Dienst. Das Kita-Personal vermisst angemessene Wertschätzung für seine Arbeit. Denn Erzieherin sein, ist viel mehr als Basteln und Spielen. Was der Job abverlangt, haben wir uns in der Awo Kindertagesstätte in Osterrönfeld angeschaut.

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