7 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Husumerin paddelte um Kap Horn

Extrem-Sport Husumerin paddelte um Kap Horn

Extrem-Paddlerin Freya Hoffmeister aus Schleswig-Holstein will keine Profi-Abenteurerin sein. Doch sie hat mehr Abenteuer überlebt als andere erleben: Sie paddelte in einem wütenden Orkan um ihr Leben, zeltete inmitten einer Kolonie von Seeelefanten und schwamm mit Walen um die Wette.

Voriger Artikel
Bauarbeiter beschädigen Gasleitungen
Nächster Artikel
Zwei Hells Angels nach erfolgloser Leichensuche freigelassen

Freya Hoffmeister hat das geschafft, wovon Männer nur Träumen: Einmal allein um das Kap Horn paddeln.

Quelle: dpa

Husum. Freya Hoffmeister hat geschafft, wovon selbst wesentlich jüngere Männer kaum zu träumen wagen: Die 48 Jahre alte Schleswig-Holsteinerin paddelte allein im Kajak um das gefürchtete Kap Horn. Acht Monate lang folgte sie in dem kleinen Boot der legendären „Clipper-Route“ — jenem Kurs, den vor 150 Jahren die schnellen Segelschiffe auf ihrer Fahrt zwischen Europa und dem Fernen Osten einschlugen.

Was sie erlebte, notierte sie jeden Abend im Internet. Mehr als 4700 Menschen ließ sie so an ihren Abenteuern teilhaben. Zumindest teilweise, denn: „Die Realität war schlimmer, als ich es im Blog geschrieben habe“, sagt Freya Hoffmeister. „Um Freunde und Familie nicht zu beunruhigen, untertreibe ich lieber“, sagt die Sportlerin in ihrer Heimatstadt Husum.

2007 legte die Geschäftsfrau und Mutter eines 16 Jahre alten Sohnes erstmals eine längere berufliche Pause ein, um mit einem Einer-Kajak um Island herum zu paddeln — die 1620 Kilometer legte sie in 25 Tagen zurück. Nur wenige Wochen später startete sie zu einer Fahrt um die Südinsel von Neuseeland herum, 48 Tage brauchte sie für die 2386 Kilometer. 2009 dann ihr erster Rekord: Sie umrundete Australien — 13 790 Kilometer in 245 Paddeltagen — und brach damit den 28 Jahre alten Rekord eines Neuseeländers.

Vor einem Jahr startete die 48-Jährige dann ihr bislang ehrgeizigstes Projekt: Die Umrundung Südamerikas im Uhrzeigersinn. In drei Etappen will Freya Hoffmeister die Kräfte zehrende Tour bis zu ihrem 50. Geburtstag am 10. Mai 2014 schaffen.

Nach 247 Tagen war die Schleswig-Holsteinerin in diesem Frühjahr glücklich am Ziel ihrer ersten Etappe angekommen. Nur die Kraft ihrer Arme und ihre Disziplin hatten sie 7676 Kilometer von Buenos Aires in Argentinien rund Kap Horn nach Valparaiso in Chile gebracht. Insgesamt 1560 Stunden trotzte sie in ihrem kleinen Kajak wütenden Stürmen, haushohen Wellen, eisiger Kälte und nervenzermürbender Dunkelheit. Nach einem anstrengenden Paddel-Tag hockte sie dann in ihrem „kleinen roten Gefängnis“ — so nannte sie ihr Iglu-Zelt — und notierte ihre Erlebnisse in ihrem Internet-„Logbuch“.

Zum Beispiel den sonnigen Tag vor der argentinischen Küste, als sie mit ihrem Kajak mitten zwischen einer Herde Wale paddelte. Oder die dunkle Nacht, wo der einzige Landeplatz mitten in einer Kolonie Seeelefanten lag — mit einer Länge von bis zu sechseinhalb Metern und dreieinhalb Tonnen Gewicht sind es die größten Robben der Welt: Freya Hoffmeister baute ihr Zelt zwischen ihnen auf.

Neben solch unvergesslich schönen Momenten erlebte sie aber auch das Gegenteil: Zum Beispiel den Tag Nummer 120 ihrer Südamerika-Umrundung — es ist der 27. Dezember 2011 und der Tag, an dem sie um ihr Leben kämpfte. Als Freya Hoffmeister morgens um 4.30 Uhr von der Isla Deceit startet, ist die See „glatt wie ein Mühlenteich“. Ihr Ziel: Kap Horn. „Läppische neun Kilometer, hab ich gedacht: In zwei Stunden bist du drüben.“ Doch das Meer an der Südspitze Feuerlands ist trügerisch. Es gilt als größter Schiffsfriedhof der Welt. Experten schätzen, dass dort 800 Schiffe auf dem Meeresboden liegen.

„Ich war eingelullt, tappte in die Kap Horn-Falle“, sagt sie. Zwar hatte der Wetterbericht vor einem Orkan gewarnt, der Wind kam jedoch drei Stunden früher als vorhergesagt. „Ich war nur noch einen Kilometer vom Land entfernt, doch es war ein 60-Knoten Wind (111 Stundenkilometer), der schräg von vorne kam.“ Dagegen konnte sie nicht anpaddeln. Blieb nur noch der Weg zurück. „Doch umdrehen war leichter gesagt als getan.“ Denn jetzt drückte der Sturm sie aus der Meeresenge hinaus in Richtung Antarktis. Hatte sie Angst? „Nein, das geht nicht. Wenn ich Panik gehabt hätte, wäre ich gekentert und abgesoffen. Ich bin eiskalt geblieben und habe mir gesagt: Das schaffst du!“

16 Stunden dauert ihr Kampf gegen Wellen, Wind und Strömung, dann hat sie endlich wieder festen Boden unter den Füßen: „Ich hatte noch den allerletzten Strandabschnitt erwischt und eine Notlandung gemacht“, erzählt sie: „Ich hatte so gut wie keine Kratzer, aber das Boot war kaputt gegangen.“ Die Felsen hatten ein Loch in den Rumpf geschlagen und das Paddel zerbrochen.

Im Laufe der Nacht sei der Sturm noch schlimmer geworden. Er zerrte mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Knoten an Freya Hoffmeisters Zelt. „Ich hatte Angst vor einem Erdrutsch — Angst, dass mein Kajak, mein Zelt oder ich von einem herabstürzenden Felsen getroffen wird.“ Einen kurzen Moment schweigt Freya Hoffmeister bei den Erinnerungen an jenes Abenteuer. Dann fügt sie fast flüsternd hinzu: „Aber das war sicher die engste Situation.“

Am 17. August wird Freya Hoffmeister zurück nach Südamerika fliegen, um ihre zweite Etappe in Angriff zu nehmen. „Anfang September geht es dann wieder los. Mein Freund wird mich begleiten für die ersten vier Monate — Schau'n wir mal, wie er durchhält.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel