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IS-Terroristen werben um junge Frauen

Schleswig-Holstein IS-Terroristen werben um junge Frauen

Die Terror-Organisation Islamischer Staat wirbt nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden in Deutschland offenkundig gezielt um junge Frauen - auch in Schleswig-Holstein.

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 Der Leiter des Verfassungsschutzes: Dieter Büddefeld.

Quelle: Olaf Malzahn

Kiel/Berlin. Die Anzahl steige überproportional, sagt Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Männer und Frauen würden mitunter sogar persönlich aufgesucht. Eine Alternative seien zielgerichtete Anwerbeversuche im Internet, warnt auch Dieter Büddefeld, Leiter des Verfassungsschutzes Schleswig-Holstein.

 Laut Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz ist den Behörden rund ein Dutzend Anwerberinnen bekannt, die Frauen für den IS rekrutieren. „Bislang existieren aber keine Belege, dass die Ausreisen in Deutschland zentral organisiert werden“, so der Verfassungsschutz. Gezielt werden allerdings Soziale Netzwerke wie Facebook, oder Twitter von Unterstützern der Terrororganisation genutzt. Die Ermittler beobachten dabei sehr genau, dass unterschiedliche Strategien von der Terrormiliz verfolgt werden. „Im Vordergrund steht nach wie vor das Ziel, durch Propaganda im Netz junge Männer als Kämpfer zu rekrutieren, mittlerweile werden aber auch gezielt Frauen angeworben“, sagt Büddefeld. Dabei werde den jungen Muslima versucht, das Leben im „Islamischen Staat“ als Ehefrau von Kämpfern schmackhaft zu machen.

 700 Islamisten sind bislang aus Deutschland in die Kampfgebiete in Syrien oder im Irak ausgereist, darunter hundert Frauen. In Schleswig-Holstein sei die Szene laut Verfassungsschutz-Chef Büddefeld bislang noch von Männern dominiert. 24 Salafisten aus dem Norden seien bislang in den Dschihad aufgebrochen. „Erst eine junge Frau hat das Land in Richtung Kriegsgebiet verlassen“, sagt der Verfassungsschützer.

Von Ece B. fehlt jede Spur

 Anfang Juni war die 18-jährige Ece B. aus Geesthacht mit ihrer zwei Jahre jüngeren Freundin Merve S. über Istanbul auf dem Landweg nach Syrien geflüchtet. Seither fehlt von den beiden Mädchen jede Spur.

 Wie sie radikalisiert wurden, kann die Polizei noch nicht konkret sagen. Auf dem Computer von Ece B. wurde einschlägiges Propagandamaterial des IS gefunden. „Die Vermisste besuchte aber auch regelmäßig eine Hamburger Moschee“, berichtet Büddefeld. Möglich ist, dass Ece B. auch dort von Unterstützern angesprochen und radikalisiert worden ist.

 Medienberichten zufolge werden vom IS geköderte Frauen in Syrien bereits erwartet: In Raqqa betreibe die Terrormiliz ein schwer bewachtes Frauenhaus. Mehrere Quellen hätten berichtet, die Frauen würden dorthin gebracht, eingesperrt und zu ihren künftigen Ehemännern gebracht.

 Positiv bewertet Büddefeld die wachsende Sensibilität der Bevölkerung. „Immer häufiger melden sich Eltern und Angehörige, aber auch aufmerksame Lehrer bei uns, wenn sie Veränderungen bei jungen Menschen beobachten“, so der Verfassungsschützer.

 Salafistische Szene im Norden

 230 Personen gehören in Schleswig-Holstein zur salafistischen Szene. Etwa zehn Prozent davon sind Frauen, so Verfassungsschutz-Chef Dieter Büddefeld. 50 bis 60 Männer und Frauen werden im Land dem gewaltbereiten dschihadistischen Spektrum zugerechnet. Schwerpunkte des Salafismus sind demnach die Städte Kiel, Neumünster, Lübeck und Pinneberg. Um die Radikalisierung von jungen Menschen frühzeitig zu erkennen, ist eine Info-Hotline eingerichtet worden: Tel. 0911/9434343.

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