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Mehr Tote und Verletzte auf See

Jahresbericht Mehr Tote und Verletzte auf See

Die elf Mitarbeiter der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) in Hamburg hatten 2014 wieder mehr zu tun als in den Vorjahren. 426 Unfälle und andere besondere Vorkommnisse wurden gemeldet, neun mehr als 2013.

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Fast verdoppelt hat sich die Zahl der Verletzten in der Berufsschifffahrt: 104 weist die Statistik aus – gegenüber 58 im Vorjahr. Hauptursache ist das Unglück der Fähre „Adler Express“ vor der Insel Amrum.

Quelle: Die Seenotretter

Hamburg. Aus dem Jahresbericht der Bundesstelle geht auch hervor, dass die Zahl der Todesopfer bei Seeunfällen auf deutschen Schiffen oder Schiffen im Zuständigkeitsbereich deutscher Behörden auf neun gestiegen ist. Insgesamt gab es sechs schwere Unfälle mit Todesopfern, 2013 waren es nur zwei. Fast verdoppelt hat sich die Zahl der Verletzten in der Berufsschifffahrt: 104 weist die Statistik aus – gegenüber 58 im Vorjahr. Hauptursache ist das Unglück der Fähre „Adler Express“ vor der Insel Amrum. Der Tod von drei Seeleuten auf dem Frachter „Suntis“ im britischen Goole am 26. Mai führt die Liste tödlicher Unfälle an. Ebenfalls drei deutsche Todesopfer forderte das Feuer auf der Fähre „Norman Atlantic“ in der Adria. In der Sportschifffahrt dagegen ging die Zahl der Verletzten von 45 auf 39 zurück.

 Häufigste Unfallursache waren 2014 erneut Kollisionen. 119 Meldungen über Zusammenstöße zwischen Schiffen oder von Schiffen mit Bauwerken wurden nach Hamburg gemeldet. Dazu gehören auch gerammte Schleusentore. Bei den meisten Havarien liegt die Ursache nicht in der Technik. „75 Prozent haben Ursachen im menschlichen Bereich“, bestätigte ein Sprecher der Hamburger Behörde. Mangelnde Kommunikation, fehlerhafte Bedienung der Technik oder Missachtung geltender Sicherheitsbestimmungen haben zu den meisten Havarien geführt. „Der Unfall mit der ,Adler Express’ vor Amrum war eine Ausnahme, da war es definitiv der Joystick der Steuerung auf der Brücke“, sagt der Sprecher.

 Fazit: Der Mensch ist und bleibt der wichtigste Faktor für die Sicherheit auf See. „Die Menschenführung ist enorm wichtig. Man muss ein Schiff vorausschauend fahren“, sagt Kapitän Dominico Pica. Der 60-Jährige ist seit mehr als 40 Jahren auf See und führt jetzt die 35 Seeleute, die die „MSC Zoe“ mit mehr als 19.000 Containern sicher über die Weltmeere bringen sollen. Der Mann, der das derzeit größte Containerschiff der Welt führt, stammt aus Sorrent – jenem kleinen Ort an der Bucht von Neapel, aus der auch Franscesco Schettino stammt, der Kapitän, der an Bord „Costa Concordia“ eine bislang beispiellose Serie von Fehlentscheidungen hinlegte. Mit Schettino muss sich die Bundesstelle unter dem Aktenzeichen 330/12 ebenfalls beschäftigen – Grund: Unter den 32 Toten waren zwölf deutsche Opfer.

 Beim Fall „Costa Concordia“ kommt die BSU allerdings nicht weiter. Die Untersuchung wird aus Sicht der Bundesstelle vermutlich wohl nicht in ihrem Sinne abgeschlossen. Die Aufarbeitung gestalte sich schleppend, heißt es. So durften BSU-Ermittler nicht mehr vor der Überführung des Schiffes in eine Abwrackwerft im Juli 2014 an Bord, auch nicht danach. Einiges spreche dafür, dass der Abschlussbericht der Untersuchung eher unbefriedigend sein werde, stellt die BSU in ihrem Jahresbericht fest.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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