19 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Jeder vierte Akademiker geht

Schleswig-Holstein ringt um Fachkräfte Jeder vierte Akademiker geht

An Schleswig-Holsteins Hochschulen ausgebildet, aber zum Berufseinstieg weggezogen: Fast jeder vierte Studierende plant laut einer aktuellen Studie, das Land nach dem Abschluss zu verlassen. Der Norden verliert damit viele begehrte Fachkräfte.

Voriger Artikel
Bürgermeister Scholz: Rundfunkkommission für Medienpolitik nutzen
Nächster Artikel
Radfahrer bei Zusammenstoß mit Auto schwer verletzt

Schleswig-Holsteins Hochschulen sehen sich gut gerüstet, die Abwanderung in Grenzen zu halten.

Quelle: dpa

Kiel. Die Abwanderung der Intelligenz trifft die Bundesländer völlig unterschiedlich. Rheinland-Pfalz zum Beispiel droht ein Verlust von fast der Hälfte seiner Hochschul-Absolventen, Brandenburg sogar 72 Prozent. Schleswig-Holstein kommt auf 23 Prozent, hat mit Hamburg aber den bundesweit größten Gewinner vor der Haustür. Der Stadtstaat wirkt ähnlich wie Berlin und die wirtschaftsstarken Länder im Süden wie ein Magnet und gewinnt auf 100 vor Ort ausgebildete Studierende 167 Absolventen aus anderen Ländern hinzu. Die Zahlen ermittelt hat die Studie „Fachkraft 2020“ der Kölner Studitemps GmbH und der Universität Maastricht nach Online-Befragungen von etwa 20000 Studierenden.

Der Trend wird sich danach in den nächsten Jahren noch verstärken. Auch Schleswig-Holsteins Unternehmen laufen nach Angaben von Studitemps-Geschäftsführer Benjamin Roos Gefahr, vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung begehrte Fachkräfte gerade am „wegweisenden Übergang von akademischer zu beruflicher Laufbahn“ zu verlieren. Mit Blick auf die eher mittelständisch geprägte Wirtschaft im Norden ist die Industrie- und Handelskammer zu Kiel zwar noch nicht alarmiert: „Uns droht eher eine Lücke im Bereich der mittelqualifizierten Fachkräfte als bei Hochqualifizierten.“ Für Sebastian Schulze von der Vereinigung der Unternehmensverbände Nord aber ist jeder Akademiker, der den Norden verlässt, einer zu viel: Es müsse Aufgabe der Fachkräftestrategie und eines Standortmarketings sein, „Klebstoff für die Region“ zu entwickeln, damit die Absolventen bleiben. Mit Stärkung der Fachhochschulen, einer zukunftsorientierten Profilbildung und mit einer höheren Zahl von Ausgründungen aus den Hochschulen will das Wissenschaftsministerium dem Fachkräftemangel begegnen: „Aus der Forschung am Ort soll ein Job am Ort werden“, betont Staatssekretär Rolf Fischer.

Die Hochschulen sehen sich gut gerüstet, die Abwanderung in Grenzen zu halten. „Unsere Studierenden sind regional verankert“, erklärt Prof. Udo Beer, Präsident der Kieler Fachhochschule. Gut die Hälfte habe vor dem Studium eine Lehre abgeschlossen, oft in der Region und während des Studiums Kontakte zu Unternehmen auch vor Ort geknüpft. Prof. Frank Kempken, Vizepräsident der Kieler Uni, verweist auf die Absolventenstudie, wonach Kieler Studierende beste Berufsaussichten haben: Die CAU fördere den frühen Kontakt zu regionalen Arbeitgebern, zum Beispiel durch die Messe „Contacts“. Doch es fehle „schlicht an ausreichenden Arbeitsplätzen in größeren Industriebetrieben“.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

KN-KSV-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele von Holstein Kiel im KN-KSV-Liveticker.

Anzeige
ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Kommentar

Nein, die Alarmglocken müssen nicht schrillen, wenn fast jeder vierte Hochschul-Absolvent Schleswig-Holstein den Rücken kehrt. Im Umkehrschluss bedeutet dies schließlich, dass Dreiviertel im Land bleiben –auch im bundesweiten Vergleich eine recht gute Quote.

  • Kommentare
mehr