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Käufer für Reederei Rickmers gefunden

Insolvenz Käufer für Reederei Rickmers gefunden

Die insolvente Reederei Rickmers kann unter einem neuen Eigner weitermachen. Ein Konsortium um die Zeaborn-Gruppe unter Beteiligung des Reeders Bertram Rickmers habe einen Kaufvertrag für die Shipmanagement-Aktivitäten der Rickmers Gruppe unterzeichnet, teilte Rickmers am Donnerstag mit.

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Die Reederei von Bertram Rickmers ist gerettet.

Quelle: Daniel Reinhardt, dpa

Hamburg. Die insolvente Reederei Rickmers wird nicht abgewickelt, sondern kann mit einem neuen Eigner weitermachen. Ein Konsortium um die Zeaborn-Gruppe des Bremer Kaufmanns Kurt Zech habe einen Kaufvertrag für die Shipmanagement-Aktivitäten der Rickmers Gruppe unterzeichnet, teilte Rickmers am Donnerstag in einer Pflichtveröffentlichung in Hamburg mit. Alle 2000 Arbeitsplätze in dem Unternehmen sollen erhalten bleiben, wie ein Sprecher ergänzend sagte. Lediglich in der Konzernholding, die 120 Mitarbeiter beschäftigt, fallen rund 80 Arbeitsplätze weg.

Auch Bertram Rickmers, der ehemalige Alleinaktionär der Rickmers Group, sei an dem Konsortium beteiligt. Es sei ein zweistelliger Millionenbetrag als Kaufpreis vereinbart worden, heißt es in der Mitteilung. Zudem solle das Konsortium im Rahmen einer Gesamtlösung auch die restlichen Geschäftseinheiten der Rickmers Gruppe im Wege eines Insolvenzplanes übernehmen. Der Gläubigerausschuss habe dem Abschluss bereits zugestimmt; die Zustimmung der Kartellbehörden stehe dagegen noch aus. Nach Angaben der Wirtschaftskanzlei Möhrle Happ Luther, die Bertram Rickmers berät, sind die Verträge zur Übertragung der wesentlichen Beteiligungen und Assets bereits notariell beurkundet.

Die Rickmers Holding AG hatte am 1. Juni Insolvenz angemeldet, nachdem die HSH Nordbank als einer der wesentlichen Gläubiger der Reederei einen außergerichtlichen Sanierungsplan abgelehnt hatte. Während des vorläufigen Insolvenzverfahrens gelang es Insolvenzvorstand Christoph Morgen und Sachwalter Jens-Sören Schröder, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren. Dabei dürfte es geholfen haben, dass die seit neun Jahren andauernde Talfahrt der Schifffahrt ihren tiefsten Punkt hinter sich zu haben scheint und eine Erholung der Märkte möglicherweise bevorsteht. Eröffnet wurde das Verfahren am Mittwoch; es soll als Insolvenzplanverfahren bis zum Ende des Jahres abgeschlossen werden.

Die Rickmers-Insolvenz war eine Folge der hartnäckigen Krise in der Schifffahrt. In der Folge sind zahlreiche kleine Reedereien aus dem Geschäft ausgeschieden; die deutsche Handelsflotte hat sich um rund 1000 Schiffe verkleinert. Die Charter-Reedereien, die ihre Schiffe an die großen Linienreedereien wie Maersk oder Hapag-Lloyd vermieten, mussten ihre Schiffe verkaufen und die Flotten verkleinern oder schieden ganz aus dem Markt aus. Bei den Container-Linienreedereien hat die Krise zu einer globalen Konzentrationswelle geführt.

Die Rickmers Group hatte zum Ende des vergangenen Jahres 114 eigene und fremde Schiffe unter ihrem Management und war in 13 Ländern mit 16 Standorten präsent. Neben zahlreichen technischen und finanziellen Dienstleistungen gehörte auch eine eigene Linienreederei für Stückgut, Schwergut und Projektladung zum Konzern, die schon vor der Insolvenz verkauft wurde - ebenfalls an Zeaborn.

Im vergangenen Jahr erreichte die Rickmers Group einen Umsatz von 483 Millionen Euro und machte dabei 341 Millionen Euro Verlust. Die Netto-Finanzverschuldung wurde mit 1,46 Milliarden Euro angegeben.

Der Bremer Kaufmann Kurt Zech ist in Hamburg bereits mehrfach selbst oder über seine Stiftung bei insolventen Unternehmen eingestiegen, so bei dem Haustechnik-Unternehmen Imtech und bei der Agrarfirma KTG Agrar. Zech ist ursprünglich Bau- und Immobilienunternehmer, unterhält aber auch eine Reihe von Hotels, unter anderem auf Sylt und in Hamburg, und entwickelt Handelsimmobilien.

Der Unternehmer gehört auch dem Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen an und betreibt gegenwärtig die Sanierung der Bremer Innenstadt. Zu dem Familienunternehmen gehören auch Industriebeteiligungen sowie Beratungsfirmen.

Was die Übernahme für die Gläubiger einer Unternehmensanleihe von Rickmers bedeutet, war zunächst noch nicht klar. Viel Hoffnung können sie sich jedoch wohl nicht machen. Rickmers hatte sich während der Schifffahrtskrise im Jahr 2013 von Anlegern 275 Millionen Euro geliehen und dafür 8,875 Prozent Zinsen in Aussicht gestellt. Die Anleihe legte am Donnerstag kräftig zu und notierte bei einem Kurs von rund drei Prozent. Das heißt: Wer 1000 Euro investiert hat, bekommt 30 Euro zurück, wenn er das Papier über die Börse verkauft.

Von dpa

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