17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Keine Spur vom Täter

Zerstörter Seeadlerhorst Keine Spur vom Täter

Zweieinhalb Monate nach der Zerstörung eines Seeadlerhorstes durch eine Baumfällung in Stangheck im Kreis Schleswig-Flensburg gibt es noch keine heiße Spur. „Wir haben noch keinen Täter ermittelt“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt beim Landgericht Flensburg, Rüdiger Meienburg.

Voriger Artikel
Tausende bei Mai-Demos erwartet
Nächster Artikel
Auto kracht in Einfamilienhaus

Zweieinhalb Monate nach der Zerstörung eines Seeadlerhorstes durch eine Baumfällung in Stangheck im Kreis Schleswig-Flensburg gibt es noch keine heiße Spur.

Quelle: Axel Heimken/dpa

Flensburg/Bonn. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines Vergehens gegen das Bundesnaturschutzgesetz. Normalerweise handele es sich um eine Ordnungswidrigkeit, doch hier gehe es um eine besonders geschützte Tierart, sagte Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt.

Zu Spekulationen, hinter dem Angriff auf den Adlerhorst könnten Windkraftbefürworter stecken, die sich durch die Tiere behindert sahen, konnte Stahlmann-Liebelt nichts sagen. Aber: „Wir gehen davon aus, dass es vorsätzlich passiert ist.“

Auch wenn für die Staatsanwaltschaft Fälle wie der aus Stangheck selten sind, gab es doch einige Vorkommnisse in den vergangenen Jahr, sagt Tobias Langguth, Referent für Naturschutz beim BUND Schleswig-Holstein. Dabei seien Horste oder Eier zerstört oder Vögel vertrieben worden, etwa an der Westküste und im Kreis Plön.

Häufig werde vermutet, dass es dabei um Windkraftanlagen gehe, denen die Vögel im Wege stünden. Bei dem Fall in Stangheck sei „richtig Fleiß ans Werk gelegt“ worden, der Horst sei eigentlich nicht gewesen. Kein Dumme-Jungen-Streich? „Ich glaube nicht, dass Jugendliche zufällig diesen Baum umsägen.“ Die Seeadler hätten feste Reviere, in die sie zurückkehrten. Es sei zu vermuten, dass das Paar, das dort sonst seinen Horst hatte, sich in der Nähe einen geeigneten Baum sucht. Dies aber wohl erst in den nächsten Jahren. 2015 werde es vermutlich nicht brüten.

Bei Fällen wie in Stangheck gebe es eine „sehr, sehr hohe Dunkelziffer“, sagt Axel Hirschfeld, Pressesprecher des Komitees gegen den Vogelmord in Bonn, auszugehen sei von mehr als 90 Prozent. Ein menschliches Opfer würde etwas sagen, wenn es überfallen wird. „Ein Seeadlerweibchen, dessen Männchen geschossen wurde, macht das nicht.“ 3000 Euro hat das Komitee als Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Überführung des Täters führen.

27 Angriffe auf geschützte Greifvögel mit 50 Opfern zählte das Komitee seit 2005 in Schleswig-Holstein. Ein Urteil habe es in den letzten Jahren nicht gegeben, anders als etwa in Nordrhein-Westfalen, wo 35 Fälle aufgeklärt worden seien. Das Bundesland sei das einzige, das eine Stabsstelle Umweltkriminalität im Umweltministerium angesiedelt habe, erklärt Hirschfeld den Unterschied. Aus einem entsprechenden Antrag des Komitees für Schleswig-Holstein sei nichts geworden, bedauert Hirschfeld. Bei den Urteilen in NRW seien vor allem Geflügelzüchter und Niederwildjäger verurteilt worden.

Voriger Artikel
Nächster Artikel