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Patienten leiden unter Poststreik

Blutproben bleiben liegen Patienten leiden unter Poststreik

Wenn Postzusteller ihre Arbeit niederlegen, bleiben nicht nur Urlaubsgrüße, Rechnungen und amtliche Schreiben auf der Strecke, sondern auch wichtige Proben von Patienten.

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Für viele Patienten ist die Arbeit von Simone Struck überlebenswichtig. Im Institut für Hämatopathologie kontrolliert sie Blutproben, die von den Ärzten per Post geschickt werden. Der viertägige Warnstreik verursacht deshalb erhebliche Probleme.

Quelle: Frank Peter

Kiel. „Diese Patienten warten dringend auf eine diagnostische Bewertung, damit eine entsprechende Therapie eingeleitet werden kann. Die Verzögerung einer Therapie kann lebensentscheidend sein“, warnt Dr. Wiebke Franz vom Kieler Institut für Hämatopathologie. Das Institut ist ein Beispiel von Einrichtungen, die unter den Folgen des aktuellen Poststreiks leiden, zu dem die Gewerkschaften die Beschäftigten vier Tage lang aufgerufen hat.

 Für die Gemeinschaftspraxis mit drei niedergelassenen Ärzten für Pathologie ist das zu lang. Der Schwerpunkt des Institutes liegt in der Diagnostik von Erkrankungen des Knochenmarks und des lymphatischen Systems. Das menschliche Untersuchungsmaterial wie Röhrchen mit Frischblut oder Knochenmarkblut bekommt das Institut aus der ganzen Bundesrepublik. Das Material sei für den Versand haltbar gemacht worden, müsse aber möglichst noch am Eingangstag bearbeitet werden, informiert Franz. Patienten warteten dringend auf die Diagnose, damit eine Therapie eingeleitet werden könne. Das Material wird per Post an das Postfach im Briefzentrum Kiel-Wellsee geschickt.

 Die Pathologin erläutert das Problem: „Bei einem Poststreik ist das Material vielleicht da, jedoch kein Mitarbeiter, der uns die Räumlichkeiten zugänglich macht.“ Die Ärzte hätten angeboten, das Material selbst aus dem Briefzentrum zu holen. Das wurde ihnen jedoch verwehrt. „Im schlimmsten Fall bekommen wir zu lang gelagertes Knochenmarkblut eines Patienten mit akuter Leukämie, das von uns nicht diagnostiziert und bestätigt werden kann. Der Kranke muss eine erneute Knochenmarkpunktion über sich ergehen lassen, und die Therapie beginnt verzögert.“ Unter Umständen überlebe er diese Verzögerung nicht.

 Thomas Ebeling, Verdi-Gewerkschaftssekretär Bereich Postdienste, sieht kein Problem. „Auch während eines Streiks gibt es Ansprechpartner vor Ort. Das Briefzentrum ist ja nicht verwaist. Die Leitungskräfte solidarisieren sich nicht mit den Sortierkräften und sind bestimmt behilflich, die Briefe herauszusuchen.“

 Für Martin Grundler, Sprecher der Deutschen Post, ist die Dringlichkeit des Anliegens offensichtlich. Angesichts der Mengen, die in einer Schicht im Briefzentrum in Kiel bearbeitet werden, sei es jedoch nahezu unmöglich, einzelne Sendungen herauszufiltern. In einer Schicht würden mehrere hunderttausend Briefe bearbeitet. Bundesweit transportiere die Post täglich rund 65 Millionen Briefe. „Die Kollegen der Niederlassung Kiel versuchen dennoch, eine Lösung zu finden, damit die genannte Praxis so schnell wie möglich die an sie gerichteten Briefsendungen bekommt“, verspricht er. Und rät: „Sicher ist es sinnvoll, in Zeiten, in denen Warnstreiks zu befürchten sind, für dringliche Post andere Versandformen zu wählen.“

 „Wir haben vor Jahren beschlossen, auf die Post zu setzen, weil damals nicht alle privaten Kurierdienste menschliches Untersuchungsmaterial und potentiell infektiöses Material transportierten“, sagt Wiebke Franz. „Unsere Logistik ist auf die Post und auf deren Versandregeln für Gefahrgut aufgebaut. Ein Wechsel ist für viele Pathologie-Praxen eine Grundsatzentscheidung und nicht so einfach möglich.“ Das Kieler Institut erhält täglich rund 30 Maxibriefe mit Proben. Die Pathologin befürchtet, dass trotz des Angebots der Post bei einem – vielleicht sogar mehrtägigen – Streik Hilferufe der einsendenden Ärzte eingehen, die dringend auf eine Diagnose warten. „Ihnen müsste man dann sagen, dass die Streikenden Gefahren durch medizinische Notfälle in Kauf nehmen.“

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