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Briefkästen bleiben leer

Deutsche Post im Streik Briefkästen bleiben leer

Rund um Kiel bleiben in den kommenden Tagen die meisten Briefkästen leer: Brief- und Paketzusteller der Deutschen Post sind am Mittwoch in einen viertägigen Warnstreik getreten. Hunderttausende Sendungen bleiben liegen.

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Gestern demonstrierten mehrere tausend Post-Bedienstete in Frankfurt. Heute ist eine Demo in Kiel geplant.

Quelle: dpa

Kiel. Schwerpunkt der Aktion sind die Verteilzentren in Kiel (Briefe) und Neumünster (Pakete). Dort sorgen neben dem Tarifkonflikt eine Abmahnungswelle von Beschäftigten und der Einsatz polnischer Leiharbeiter für Zündstoff.

Verdi fordert eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden sowie 5,5 Prozent mehr Gehalt. Die Arbeitgeberseite lehnt dies ab. Mehrfach hatte es in den vergangenen Tagen im Norden punktuelle Warnstreiks gegeben. Der Großteil der Beschäftigten habe sich am Mittwoch beteiligt, so Verdi: In Schleswig-Holstein folgten 360 Zusteller, in Hamburg 350 und in Mecklenburg 110. In Kiel und Neumünster sollen die Zusteller nun aber sogar bis einschließlich Sonnabend die Arbeit ruhen lassen.

Das trifft die Deutsche Post und ihre Kunden hart. Mehr als eine Million Sendungen transportiert das Unternehmen pro Tag durch Schleswig-Holstein. Jetzt bleiben Zehntausende Briefkästen in und um Kiel leer: Betroffen sind Haushalte und mittelständische Firmen im Postleitzahlen-Bereich 24, bei den Paketen sogar das komplette Land. Ausgenommen sind Großkunden mit eigener Postleitzahl oder Postfach (wie etwa das Landeshaus).

 „Es dürfte die längste Streikphase seit der Privatisierung der Post 1995 sein, doch lässt uns der ehemalige Staatskonzern keine andere Wahl“, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Thomas Ebeling. Schuld sei die Reaktion der Kieler Postleitung nach dem letzten Warnstreik: „Um die Rückstände im Briefzentrum aufzuarbeiten, ist gegen den Willen des Betriebsrats Mehrarbeit angeordnet worden und Mitarbeiter, die sich dagegen gewehrt haben, sind abgemahnt worden“, sagt Ebeling. Allein am MIttwoch hätten 50 Beschäftigte die Abmahnung per Einschreiben bekommen. Zudem kritisiere man den Einsatz von 30 polnischen Leiharbeitern, die über ein externes Unternehmen im Paketzentrum Neumünster eingesetzt würden.

 Martin Grundler von der Deutschen Post erklärt: „Zur Aufarbeitung der Streikfolgen ist von Führungskräften vor Ort eine maximale Arbeitszeit von 10,45 Stunden angeordnet worden, eine Zustimmung des Betriebsrats war nicht erforderlich.“ Arbeitsgerichtsverfahren hätten dies zuvor bundesweit bestätigt. „Wir bemühen uns, die Auswirkungen für unsere Kunden so gering wie möglich zu halten“, sagt der Konzernsprecher. Dennoch dürften laut Verdi im Land noch vom letzten Streik vor Pfingsten hunderttausende Briefe in den Verteilzentren liegen.

Am Donnerstag ruft Verdi zur Demo auf. Ab 17 Uhr soll eine Kundgebung auf dem Kieler Rathausplatz stattfinden – gemeinsam mit den Beschäftigten kommunaler Kindertagesstätten.

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Man muss kein Freund von Gewerkschaften sein. Man kann auch trefflich darüber streiten, ob die von Verdi geforderten kürzeren Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich im Zustellsektor zeitgemäß sind oder nicht.

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