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Azubis genervt von langem Anfahrtsweg

Kiel-Lübeck Azubis genervt von langem Anfahrtsweg

Die Pläne zum Ausbau der Bahnstrecke Kiel – Lübeck haben die Diskussion um die Anbindung beider Städte neu entfacht. Pendler sollen ab 2018 zwar binnen weniger als einer Stunde per Zug ihr Ziel erreichen, nach Ansicht von Politik und Wirtschaft wird auf Landesebene aber zu wenig getan, zeitnah auch eine schnelle Straßenverbindung zu schaffen.

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Getrübte Laune auf dem Bahnsteig in Suchsdorf : Azubis der Firma Lufa-ITL GmbH müssen um fünf Uhr früh aufstehen, um zur Berufsschule zu pendeln.

Quelle: Jan Köhler-Kaeß

Kiel. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) bezeichnet die Situation als „inakzeptabel“, sein Lübecker Amtskollege Bernd Saxe (SPD) als „höchst misslich“. Seit Jahren drängen beide Städte darauf, den Ausbau der Bundesstraße 404 zur Autobahn 21 voranzutreiben, um schneller von der Landeshaupt- in die Hansestadt zu gelangen. „Doch der Ausbau geht zu langsam voran“, klagt Rüdiger Schacht, Federführer für den Bereich Verkehr und Logistik bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schleswig-Holstein. Verschärft werde das Problem noch zusätzlich durch den seit Jahren stockenden Weiterbau der A 20. „Eine ärgerliche Planungspanne wird leider dafür sorgen, dass die Staus in Bad Segeberg noch viele Jahre andauern werden“, klagt Schacht.

 Von einer zufälligen Entwicklung könne keine Rede sein: „In den vergangenen Jahren wurden die Kapazitäten in den Planungsbehörden drastisch zurückgefahren. Hier muss dringend gegengesteuert werden“, verlangt der IHK-Sprecher. Gegenwärtig würden weder die Bahn-, noch die Straßenverbindung zwischen Kiel und Lübeck den Anforderungen der Wirtschaft entsprechen. „Dass für die nur rund 80 Kilometer lange Autofahrt zwischen den beiden größten Städten des Landes auch ohne Stau mehr als eine Stunde benötigt wird, ist für die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Schleswig-Holstein ein Hindernis“, bekräftigt Schacht.

 Eine Auffassung, die Thomas Rackow, Geschäftsführer des Speditionsverbandes Schleswig-Holstein, teilt. „Sowas gibt es sonst nirgendwo“, kritisiert er. Durch die schlechte Anbindung würde nicht nur der wirtschaftliche Austausch beider Zentren behindert, „es ist auch ein gewaltiges Manko im Bereich der stetig wichtiger werdenden Ostverkehr“, sagt Rackow. Speziell in seinem Gewerbe seien die finanziellen Folgen gewaltig – „jeder Stau und jede Fahrzeugkolonne kostet Geld.“

 Frank Nägele, Staatssekretär im Verkehrs- und Wirtschaftsministerium in Kiel, kennt die Kritik der Wirtschaft, beteuert zugleich aber, dass der Ausbau der B 404 zur A 21 bereits auf Hochtouren laufe. „Der Abschnitt zwischen Stolpe und Nettelsee befindet sich derzeit im Bau, im weiteren Verlauf ist eine Verknüpfung der A 21 mit der A 20 unterhalb von Bad Segeberg geplant“, berichtet er. „Durch diese Maßnahmen erfolgt eine bessere Verknüpfung und somit Reduzierung der Reisezeit zwischen Kiel und Lübeck auf der Straße.“ Allerdings: Wann die Umsetzung genau realisiert wird, kann derzeit noch nicht abgesehen werden.

 Für die 30 Auszubildenden der Firma Lufa-ITL GmbH, gleich welchen Lehrjahres, kommt der Ausbau der Straße und die Einrichtung neuer Schnellverbindungen per Zug im Jahr 2018 so oder so zu spät. Die jungen Frauen und Männer aus Kiel und dem Umland werden auch künftig mitunter morgens um 5 Uhr aufstehen müssen, um zur Berufsschule nach Lübeck zu pendeln. „Ob per Zug oder Auto, die Fahrten sind eine akute Belastung für die Kollegen, die teilweise je zwei Stunden für An- und Abfahrt benötigen“, klagt Frank Hansen, Ausbildungsleiter bei dem Fachlabor für Landwirtschaft-, Futter- und Lebensmittelindustrie. Vor fünf Jahren sei der Unterricht zentralisiert und nach Lübeck verlagert worden. Der zeitliche, aber auf finanzielle Aufwand sei immens. Obwohl in einige Klassen die Mehrzahl der Schüler aus Kiel kommen, scheiterten bislang alle Versuche, den Standort des Berufsschulunterrichts wieder nach Kiel zu verlegen. „Wenn unsere Auszubildenden in Zukunft wenigstens kürzere Fahrzeiten per Bahn hätten. wäre dies ein Anfang – eine Lösung ist es aber nicht“, sagt Hansen.

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