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Keime: Forscher melden Sensation

Uni Kiel Keime: Forscher melden Sensation

Wieder sind Forscher aus Kiel im Kampf gegen gefährliche Keime einen großen Schritt vorangekommen. Zwar könnte es noch Jahre dauern, bis aus der neuen Erfindung zugelassene Antibiotika werden – doch schon jetzt steht fest: Die Kieler Biochemiker haben einen Weg gefunden, nach dem ihre Kollegen in aller Welt suchen.

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Ist das die Lösung, nach der Wissenschaftler weltweit suchen? Jessica Schneider aus dem Team von Prof. Joachim Grötzinger begutachtet einen Bakterien-Ansatz.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Sie lagerten tiefgefroren im Biochemischen Institut der CAU und zeigten sich in ersten Tests äußert wirkungsvoll gegen mehrere Stämme multiresistenter Bakterien: Sogenannte „Chimäre Defensine“, die in wenigen Jahren als Antibiotika zum Einsatz kommen könnten. Prof. Joachim Grötzinger spricht von einem Fenster, welches sich mit der mittlerweile patentierten Erfindung aufgetan habe. Seit 2001 forscht und lehrt der Wissenschaftler in Kiel. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Suche nach diesem Fenster, in dem die Wirkstoffe zwar aktiv gegen Bakterien, gleichzeitig für den menschlichen Organismus aber nicht toxisch sind. Als er mit seinem Team vor wenigen Jahren in scheinbar endlosen Versuchsreihen „C5“ kreierte, wusste Grötzinger noch nicht, dass ausgerechnet Kiel wenig später mit dem Thema multiresistente Keime bundesweit für Schlagzeilen sorgen sollte. Als er Ende Januar vom Ausbruch des Acinetobacter baumannii am Kieler UKSH hörte, kam der Einfall, „C5“ gegen den Keim zu testen. Schließlich lagerten im Institut für Medizinische Mikrobiologie Proben, die direkt von den infizierten Patienten aus der Intensivstation stammten und an denen das Designer-Molekül erfolgreich getestet werden konnte. Für den nächsten Schritt läuft derzeit ein Antragsverfahren beim Bundesforschungsministerium, das schon in einigen Monaten die nötigen Gelder für weitere medizinische Tests bereitstellen soll.

 Auch an anderer Stelle haben Forscher der CAU jüngst Fortschritte im Kampf gegen die sogenannten MRGN-Keime vermeldet. Ein Team um Prof. Jens-M. Schröder und Prof. Jürgen Harder von der Hautklinik im Kieler Uniklinikum sowie Prof. Helmut Fickenscher vom Institut für Infektionsmedizin hatten gemeinsam mit einer Biotechnologiefirma – wie berichtet – einen vielversprechenden Wirkstoff auf Basis eines körpereigenen Schutzschildes vorgestellt. Auch mit dieser Methode könnte in wenigen Jahren ein marktreifes Arzneimittel entwickelt werden.

 Im vergangenen Jahr hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wiederholt Alarm geschlagen. Die Mediziner sehen in der Ausbreitung von multiresistenten Keimen eine der größten Bedrohungen für die Menschheit. „Eine post-antibiotische Ära, in der bisher gut behandelbare Infekte und kleine Verletzungen unser Leben bedrohen, ist keine apokalyptische Fantasie, sondern ein realistisches Szenario für das 21. Jahrhundert“, heißt es in einem aktuellen WHO-Report.

 Wie ernst der Kampf gegen gefährliche Keime mittlerweile genommen wird, zeigte sich in diesen Tagen in Berlin. Dort hatte die Landesregierung eine Bundesratsinitiative gestartet. Das Ziel: Die Kliniken in ganz Deutschland sollen finanziell besser ausgestattet werden, um multiresistente Keime mit Screenings der Patienten rechtzeitig zu entdecken. Die Krankenkassen befürchten immense Kosten, weil die Zahl der Isolationen von Risikopatienten deutlich steigen könnte. Unterdessen teilte das UKSH mit, dass sich in Folge des Keimausbruchs noch immer drei Patienten auf der Isolierstation befinden.

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

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