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Kind mit verseuchten Substanzen gespritzt: Haft für Mutter gefordert

Prozesse Kind mit verseuchten Substanzen gespritzt: Haft für Mutter gefordert

Immer wieder soll eine Mutter ihrem Kind mit Kot und Speichel verunreinigte Substanzen gespritzt haben. Der Dreijährige erkrankte schwer. Jetzt könnte die Frau für lange Zeit ins Gefängnis kommen.

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Das Urteil soll am kommenden Donnerstag gesprochen werden.

Quelle: Arno Burgi/Archiv

Hamburg. Im Prozess gegen eine Mutter wegen Misshandlung ihres Kindes mit verseuchten Spritzen hat die Hamburger Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten gefordert. Das teilte eine Sprecherin der Behörde am Freitag mit. Die 30-Jährige ist wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen, gefährlicher Körperverletzung und Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht angeklagt. Sie soll ihrem dreijährigen Sohn über Monate mit Fäkalien, Speichel oder Blumenwasser vermischte Substanzen gespritzt haben. Der Junge bekam daraufhin heftige Schmerzen und erkrankte schwer. Er lag im Jahr 2013 mehrfach im Krankenhaus, zeitweise befand er sich in Lebensgefahr auf der Intensivstation.

Die Verteidigung sprach sich für eine Bewährungsstrafe von ein bis zwei Jahren aus. Seine Mandantin befinde sich derzeit in einer Therapie, sagte der Anwalt nach der Verhandlung zur Begründung. "Es wäre verheerend, wenn man sie da rausreißt." Das Urteil will die Strafkammer des Landgerichts am kommenden Donnerstag sprechen.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung waren zum Prozessauftakt davon ausgegangen, dass die Angeklagte unter dem sogenannten Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leidet. Dabei macht ein Mensch einen anderen bewusst krank oder täuscht eine Krankheit vor, um Zuwendung zu erreichen. Das Gericht hatte daraufhin die Öffentlichkeit vom Prozess ausgeschlossen, weil es auch eine mögliche Unterbringung der Angeklagten in einer psychiatrischen Klinik erörtern wollte und dabei sehr persönliche Dinge zur Sprache kommen.

Kurz vor den Plädoyers am Freitag ließ die Kammer die Öffentlichkeit aber wieder zu. Eine Unterbringung komme nach Erstellung eines Gutachtens nicht mehr in Betracht, sagte ein Gerichtssprecher. Der Gutachter konnte nach Angaben des Verteidigers aber nicht eindeutig sagen, ob die Angeklagte vermindert schuldfähig ist. Er habe sowohl Gründe dafür als auch dagegen gesehen.

Die verseuchten Spritzen hatten dem Kind nach Darstellung der Staatsanwaltschaft heftige Schmerzen bereitet. Der Junge bekam Fieberschübe und Abszesse, sein Blutdruck fiel ab und die Sauerstoffsättigung seines Blutes sank dramatisch. Die Mutter war stets an der Seite ihres Kindes. Wenn sich sein Zustand besserte, es nach Hause entlassen wurde, habe ihm die Mutter erneut eine verseuchte Injektion gegeben.

Die Ärzte behandelten das Kind mit starken Medikamenten und gingen schließlich von einer Krebserkrankung aus. Sie planten eine Knochenmarkstransplantation mit Chemotherapie. Letztlich fiel das Verhalten der 30-Jährigen auf, die Ärzte stellten sie zur Rede und trennten sie von dem Kind. Zwei Wochen später war der Junge wieder zu Hause, mit normalen Blutwerten.

dpa

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