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„Wir tragen das Ganze jetzt aus“

Kita-Streik „Wir tragen das Ganze jetzt aus“

Der Kita-Streik geht in die zweite Woche: Gestern haben in der Innenstadt mehr als 1500 Erzieher aus allen Landesteilen sowie Mecklenburg-Vorpommern ihrem Ärger Luft gemacht. Sie fordern eine gerechtere Bezahlung, mehr Vollzeitstellen und bessere Arbeitsbedingungen. „Die Bereitschaft ist da, das Ganze jetzt auszutragen“, sagte DGB-Regionalvorsitzender Andreas Sankewitz.

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Die Landeselternvertretung fordert ein schnelles Ende des Tarifkonfliktes.

Quelle: Markus Scholz/dpa

Lübeck. Allein in der Hansestadt legten gestern 244 Erzieher die Arbeit nieder, 34 städtischen Einrichtungen oder Teams waren betroffen. 25 von ihnen - davon 20 Kitas - mussten ganz geschlossen bleiben.

Die Demo zog um 11 Uhr lautstark vom Gewerkschaftshaus am Holstentor vorbei durch die Innenstadt bis zum Koberg. Karin Hesse, Landesleiterin von Verdi Nord, kritisierte in ihrer Rede die massiven Lohnunterschiede im Land. Es gebe vor allem Teilzeitkräfte in der Branche, viele verdienen bloß 1400 bis 1500 Euro brutto im Monat. „Das ist ein eingebauter Zwang zum Zweit- und Drittjob“, rief Hesse in die Menge. Laut Matthias Heidn, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), seien in Deutschland Windräder und Autos „offensichtlich sehr viel mehr wert als die zukünftige Kita-Bildung und Erziehung unserer Kinder“.

Kinderpflegerin Alexandra Stöcker kam extra aus Heide zur Demo. „Wir sind mehr wert, wir legen die Fundamente der frühkindlichen Erziehung“, sagte die 37-Jährige. Auch Schüler der Dorothea-Schlözer-Schule streikten solidarisch mit, wie die angehende Erzieherin Britta Ingwersen (24): „Dass man nach einer fünfjährigen Ausbildung unterbezahlt arbeiten soll, ergibt keinen Sinn.“

Fünf erfolglose Verhandlungsrunden gab es bereits, bislang legten die kommunalen Arbeitgeber kein Angebot vor. Laut Jochen Penke, Tarifkoordinator im Verdi-Landesbezirk Nord, wollen sie „frühestens nach Pfingsten“ über eine Offerte nachdenken. Verdi-Mann Jens Mahler war sich deshalb bereits gestern sicher, „dass wir auch kommende Woche noch streiken werden“.

15 000 Kinder sind nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vom landesweiten Kita- Streik betroffen, dazu etwa 140 Einrichtungen des Sozial- und Erziehungsdienstes. Die Schwerpunkte sind Lübeck, Kiel, Neumünster, Flensburg, Norderstedt und Heide.

Gestreikt wird für eine gerechte Bezahlung, den Ausbau der Vollzeitstellen und bessere Arbeitsbedingungen. Im Durchschnitt fordert die GEW zehn Prozent mehr Gehalt. Bei vielen reiche das Gehalt derzeit nicht zum Leben, 95 Prozent der Erzieher sind weiblich. Karin Hesse von Verdi Nord: „Wenn die Förderung der Kinder nicht nur schöne Sonntagsreden sein sollen, dann müssen die Rahmenbedingungen stimmen."

Heute demonstrieren um 16 Uhr mehrere Eltern und Kinder auf dem Markt am Rathaus, die vom anhaltenden Kita-Streik in der Hansestadt betroffen sind.

Von Peer Hellerling

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