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Unbefristete Kita-Streiks gestartet

Schleswig-Holstein Unbefristete Kita-Streiks gestartet

Jetzt wird’s im Norden ungemütlich: Außer Bahnkunden müssen ab Freitag auch Eltern von Kita-Kindern auf unabsehbare Zeit mit handfesten Behinderungen ihres Alltags rechnen. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligen sich an dem unbefristeten Streik allein in Schleswig-Holstein bis zu 1000 Beschäftigte in kommunalen Einrichtungen des Sozial- und Erziehungsdienstes.

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Streikende Mitarbeiter von Kindertagesstätten ziehen am Freitagmorgen in einem Demonstrationszug durch Kiel und halten Schilder mit der Aufschrift "Wir sind Mehr Wert".

Quelle: dpa

Kiel. Schwerpunkt ist der Bereich Kiel/Plön mit bis zu 500 Streikenden. Tausende von Eltern sind betroffen.

Zur Arbeitsniederlegung riefen die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nicht nur Kita-Erzieher, sondern auch Beschäftigte in Sozialzentren, offenen Ganztagsschulen und Betreuungseinrichtungen für Jugendliche oder Behinderte sowie Schulsozialarbeiter auf. Außer in Kiel sind Einrichtungen in Bad Segeberg, Henstedt-Ulzburg, Lübeck, Flensburg, Heide, Norderstedt, Neumünster, Quickborn, Großhansdorf und Oststeinbek betroffen. Hoffnung auf ein schnelles Ende gibt es nicht. Vonseiten der Gewerkschaften hieß es, man sei darauf eingerichtet, mindestens bis zum 22. Mai zu streiken. Danach werde entschieden, wie es weitergeht.

Jetzt wird’s im Norden ungemütlich: Außer Bahnkunden müssen ab Freitag auch Eltern von Kita-Kindern auf unabsehbare Zeit mit handfesten Behinderungen ihres Alltags rechnen. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligen sich an dem unbefristeten Streik allein in Schleswig-Holstein bis zu 1000 Beschäftigte in kommunalen Einrichtungen des Sozial- und Erziehungsdienstes.

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In Kiel bleiben die 40 städtischen Kindertagesstätten grundsätzlich geschlossen, neun von ihnen bieten Notdienste an. Die Kitas freier Träger wie der Arbeiterwohlfahrt oder der Kirchen werden nicht bestreikt. In Neumünster bleibt von neun städtischen Kitas von Montag bis Mittwoch nur eine geöffnet. Außerdem richten drei Kitas jeweils eine Notgruppe ein.

Die Verzweiflung der Eltern, die oft vergeblich nach Betreuungsalternativen suchen, ist groß. In Kiel greifen sie sogar zur Selbsthilfe und betreuen nach Absprache mit der Stadt in zwei Kitas die Kinder auf eigene Verantwortung. Den Gewerkschaften ist die Not der Eltern zwar bewusst, sie sehen aber keine Alternative.

„Es tut uns leid, dass Eltern und Kinder in diesen Streik hineingezogen werden. Aber den Beschäftigten bleibt nichts anderes übrig, als zur Durchsetzung ihrer legitimen Interessen zum Mittel des Streiks zu greifen“, betonte der GEW-Landesvorsitzende Matthias Heidn. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber Schleswig-Holstein (KASH) verurteilte den Streikaufruf hingegen als „unverhältnismäßig“. Viele Eltern, vor allem Alleinerziehende, hätten nun große Probleme, ihre Kinder unterzubringen, kritisierte der Dithmarscher Landrat Jörn Klimant. Schließlich habe die Arbeitgeberseite „neue und konkrete“ Angebote vorgelegt, sagte der KASH-Vize.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kommentar

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