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Streikgefahr: Eltern bangen um Jobs

Kita-Tarifstreit Streikgefahr: Eltern bangen um Jobs

Die Zeichen stehen wieder auf Streik: Bei Eltern kleiner Kinder in Schleswig-Holstein wächst nach der Ablehnung des Schlichterspruchs im Kita-Tarifkonflikt durch die Gewerkschaften die Angst vor einem neuen Langzeit-Ausstand der Erzieher in kommunalen Einrichtungen.

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Grünes Licht für einen neuen Streik? 70 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder lehnen den Vorschlag im Kita-Tarifstreit ab. Jetzt droht erneut ein Ausstand der Erzieher. Allein in Schleswig-Holstein traten im Mai 1500 Beschäftigte in einen einmonatigen Streik.

Quelle: Federico Gambarini/dpa

Kiel. „Weitere Zugeständnisse können wir uns schlichtweg nicht leisten“, sagt Wilfried Kley, Landesgeschäftsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbandes (KAV). „Ich rechne fest damit, dass es in den kommenden Wochen erneut zu Streikmaßnahmen in den Kindertagesstätten kommen wird“, sagt Kley. Er wisse, dass viele Väter und Mütter bereits ihren Jahresurlaub nehmen mussten, um die Betreuung ihrer Kinder zu gewährleisten. 1500 Beschäftigte kommunaler Kitas im Land hatten Anfang Mai vier Wochen lang die Arbeit niedergelegt. Zwar richteten viele Einrichtungen Notgruppen ein. Nur: Ausreichend Plätze gab es nicht. Vielfach mussten Freunde oder Großeltern einspringen, noch häufiger Mütter und Väter spontan Urlaub einreichen. „Das war eine Belastung für viele Eltern – und ich fürchte, diese wird in den kommenden Wochen noch größer werden“, so Kley.

 Eine Einschätzung, die Alexandra Bruns, Kreiselternvertreterin im Kreis Rendsburg-Eckernförde, teilt. Ihr Telefon steht nicht still, viele Betroffene suchen Hilfe. „Es gibt dramatische Fälle, wo Eltern jetzt um ihren Job bangen müssen, wo es bereits beim letzten Streik arge Probleme mit den Arbeitgebern gab“, sagt Bruns. Mancherorts hätten Väter und Mütter Netzwerke geschaffen, wechselseitig die private Betreuung von Kindern übernommen. „Leidtragende sind in erster Linie die Kleinen, die sich permanent an eine andere Umgebung gewöhnen müssen.“ Eine Lösung im festgefahrenen Konflikt sieht Bruns nicht: „Wir sind solidarisch mit den Erziehern, die einen seelisch wie körperlich anspruchsvollen Job haben, uns ist aber auch klar, dass die Kommunen kein Geld haben.“

 Eine Schlichtungskommission hatte Ende Juni einen Vorschlag im Tarifstreit des kommunalen Sozial- und Erziehungsdienstes vorgelegt. Je nach Beschäftigungsgruppe sah dieser Gehaltserhöhungen zwischen 2 und 4,5 Prozent vor. Zu wenig, klagten die Gewerkschaften, die sich für eine „spürbare“ und „nachhaltige“ Aufwertung des Berufs einsetzen und eine Mitgliederbefragung initiierten. „Wenn jetzt 70 Prozent dafür votieren, das Schlichtungsergebnis nicht anzunehmen, dann ist das ein klarer Auftrag“, sagt Cornelia Töpfer von Verdi Nord. Heute tagt die Bundestarifkommission der Gewerkschaft, Donnerstag werden die Verhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden fortgesetzt. „Wir können nur an diese appellieren, die Chance zu nutzen und ein deutlich besseres Angebot zu machen, um Streiks abzuwenden“, sagt Töpfer. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Matthias Heidn, forderte, „dringend etwas draufzupacken“. Kiels Bürgermeister Peter Todeskino fordert: „Im Sinne der Kinder und Eltern sollten die Tarifparteien alles dafür tun, gemeinsam auf eine schnelle Einigung hinzuarbeiten.“

 Die Chancen stehen schlecht: „Es ist heute bereits so, dass Erzieher mehr als andere Beschäftigte bekommen“, sagt KAV-Geschäftsführer Kley. Noch mehr Geld würde das Gehaltsgefüge im öffentlichen Dienst der Kommunen sprengen, zumal andere Berufsgruppen wie beispielsweise Feuerwehrleute mit Lohnforderungen nachziehen würden“, argumentiert der Arbeitgeber-Vertreter.

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