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Erzieher im Dauer-Streik

Ab Freitag Erzieher im Dauer-Streik

Jetzt wird es ernst: Am Freitag beginnt in Schleswig-Holstein nach Informationen dieser Zeitung ein unbefristeter Kita-Streik. Am Mittwoch wollen die Gewerkschaften Verdi und GEW in Berlin das positive Ergebnis der Urabstimmung verkünden.

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Erzieher von Kindergärten und Horten bei einer Streikkundgebung: Im Tarifkonflikt der Kita-Beschäftigten wollen die Gewerkschaften Verdi und GEW am 6. Mai die Ergebnisse ihrer Urabstimmungen über einen unbefristeten Streik verkünden.

Quelle: Martin Schutt/dpa

Kiel. In Schleswig-Holstein müssen sich Eltern vor allem in den Städten auf verschlossene Türen und Dauerstreik einstellen. Dass bei der Urabstimmung die notwendige Zustimmungsquote von 75 Prozent erreicht wurde, gilt in Gewerkschaftskreisen als sicher. Danach soll in einigen Bundesländern umgehend – das heißt am Freitag – mit dem unbefristeten Streik begonnen werden. Auf dieser Liste steht auch Schleswig-Holstein. Verdi-Sprecher Frank Schischefski wollte das am Dienstag noch nicht bestätigen: „Wer genau wann streikt, werden wir erst heute Nachmittag bekanntgeben.“

 Im Norden werden fast 5000 Erziehungsfachkräfte allein in Kitas streikberechtigt sein. Hinzu kommen noch jene, die ebenfalls nach dem Tarif für den Sozial- und Erziehungsdienst bezahlt werden, etwa kommunale Schulsozialarbeiter oder Mitarbeiter in Sozialen Diensten. Da der Organisationsgrad in den Einrichtungen aber stark variiert, wird der Streik vor allem in den kreisfreien Städten Kiel, Neumünster, Lübeck und Flensburg spürbar sein. Auf Betreuungsprobleme sollten sich aber auch Eltern in Norderstedt und Heide und in unterschiedlichem Maß auf dem Land einstellen, hieß es am Dienstag. An vielen Orten laufen bereits die Vorbereitungen auf Hochtouren. So wurde Eltern vom Amt Bordesholm schriftlich versichert, dass man alles tun werde, um die Auswirkungen für die Familien gering zu halten, etwa indem Notgruppen organisiert würden. Wörtlich heißt es weiter:„Es werden auch Kinder nicht betreut werden können!“

 Auch Eltern vernetzen sich bereits über die sozialen Medien, um untereinander für den Fall X eine Betreuung der Kinder zu organisieren. Viele Eltern kündigen zudem an, dass sie die Kita-Gebühren kürzen wollen. „Ich sehe nicht ein, dass ich für eine Leistung bezahle, die ich nicht bekomme“, sagt Lara Peters, die ihren Sohn in einer Städtischen Kita in Kiel betreuen lässt. „Ich hoffe, dass viele Eltern die Gebühren kürzen werden, damit der Streik schneller beendet wird.“ Ob Abzüge erlaubt sind, richtet sich nach der Gebührensatzung. So darf nach Auskunft der Stadt Kiel nur gekürzt werden, wenn ein Kita-Streik länger als fünf Betriebstage andauert. Im Amt Bordesholm sind Eltern hingegen nicht berechtigt, bei Beeinträchtigungen durch Streik weniger Gebühren zu zahlen.

 Die Gewerkschaften fordern durchschnittlich zehn Prozent mehr Gehalt für Fachkräfte im Sozial- und Erziehungsdienst. Nach Angaben der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) würden das Zusatzkosten von 1,2 Milliarden Euro bedeuten. Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann geißelt den drohenden Streik daher als „vollkommen unangemessen und überzogen“.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kommentar

Ein unbefristeter Kita-Streik – in vielen Familien wird die Nachricht hektische Betriebsamkeit auslösen. Auf Dauer werden Großeltern, Nachbarn oder andere Eltern nicht mehr einspringen können. Dann heißt es: Urlaub nehmen oder Geld für eine Betreuung investieren. Je mehr Eltern davon betroffen sind, desto eher wird die Stimmung kippen. Die Gewerkschaften bewegen sich also auf einem schmalen Grat.

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