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650 Erzieher demonstrierten

Kitas geschlossen 650 Erzieher demonstrierten

Viele Kitas in Schleswig-Holstein sind am Freitag geschlossen geblieben. Die Erzieher und Erzieherinnen beteiligten sich an unbefristeten Streiks. Nicht nur in Städten wie Kiel, Lübeck, Flensburg, Neumünster und Bad Segeberg, sondern auch in kleineren Orte waren tausende Eltern gezwungen, sich nach Betreuungsalternativen für ihre Kinder umzusehen.

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In Kiel machten etwa 650 Demonstranten ihrer Wut bei einem Marsch vom Gewerkschaftshaus zum Rathausplatz Luft

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Allein in Kiel haben am Freitag etwa 650 Erzieher und Sozialpädagogen ihrem Ärger Luft gemacht. Mit Trillerpfeifen und Tröten zogen sie vom Gewerkschaftshaus bis zum Rathausplatz, um ihrer Forderung nach deutlich mehr Geld, aber auch mehr Wertschätzung unter dem Motto „Wir sind es wert“ Gehör zu verschaffen.

Der erste Tag des unbefristeten Streiks führte nach Gewerkschaftsangaben dazu, dass ein Drittel aller kommunalen Kindergärten in Schleswig-Holstein geschlossen blieb. Den Eltern steht eine harte Geduldsprobe bevor. Der Arbeitskampf könnte bis zum 22. Mai dauern.

Nach den von den Gewerkschaften Verdi und GEW für gescheitert erklärten Tarifverhandlungen muss der „Druck aus dem Kessel“ raus: Uwe Polkaehn, DGB-Chef Nord, versicherte den Kieler Demonstranten die Unterstützung aller anderen Gewerkschaften. „Gute Arbeit braucht guten Lohn“, gab er als Losung aus: „Ihr seid nicht mehr nur Betreuer, sondern pädagogische Fachkräfte, die Kinder auf die Zukunft vorbereiten.“ Damit sprach er den Erzieherinnen aus der Seele. „Wir lieben unseren Beruf. Aber wir wollen nicht als Rentnerinnen betteln müssen“, erklärte die Kielerin Silvia Rodrigues (57), die sich zusammen mit ihren Kolleginnen Beate Höfer und Wiebke Tillmann von der Kindertageseinrichtung Gotlandwinkel dem Marsch angeschlossen hatte. Sie warben wie auch alle Gewerkschaftsfunktionäre bei den Eltern um Verständnis: „Wir sehen keine andere Möglichkeit als den Streik, um für unsere Rechte zu kämpfen.“

Viele Kitas in Schleswig-Holstein sind am Freitag geschlossen geblieben. Die Erzieher und Erzieherinnen beteiligten sich an unbefristeten Streiks. Nicht nur in Städten wie Kiel, Lübeck, Flensburg, Neumünster und Bad Segeberg, sondern auch in kleineren Orte waren tausende Eltern gezwungen, sich nach Betreuungsalternativen für ihre Kinder umzusehen. In Kiel machten etwa 650 Demonstranten ihrer Wut bei einem Marsch vom Gewerkschaftshaus zum Rathausplatz Luft: Unter dem Motto „Wir sind es wert“ fordern Erzieher und Sozialpädagogen  deutlich mehr Geld und eine größere Wertschätzung.

Nachdem die Gewerkschaften Verdi und GEW die Tarifverhandlungen für gescheitert erklärt hatten, sprachen sich in einer bundesweiten Urabstimmung weit mehr als 90 Prozent der Mitglieder für den Arbeitskampf aus.  „Gute Bildung, gute Arbeit braucht guten Lohn“, schwor der DGB-Chef Nord, Uwe Polkaehn, die Streikenden auf einen langen Arbeitskampf ein.  Die Gewerkschaften hatten angekündigt, bis zu 22. Mai zu streiken. Die Kritik von Landrat Jörn Klimant, stellvertretender Vorsitzender der kommunalen Arbeitgeber, dass der Streikaufruf angesichts neuer Angebote  unverhältnismäßig sein, wies der DGB-Vorsitzender entschieden zurück: Nach fünf Verhandlungsrunden gebe es nur „Nebelangebote“. Kiels Bürgermeister Peter Todeskino, denen die Demonstranten Protestbriefe von 63 Einrichtungen überreichten, sagte, „wir sind nicht unnachgiebig“.  Die Kommunen hofften auf einen Kompromiss  - und darauf, dass es beim Arbeitskampf im Gegensatz zum Bahnstreik angemessen zugehe.

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Immer größere Anforderungen an die Qualifikation, höhere Ansprüche an Leistungen und Professionalisierung – auch Monika Reher-Spilker, seit 40 Jahren im Beruf, ging auf die Straße, weil sich die Leiterin des Kindergartens am Städtischen Krankenhaus für eine gerechtere Entlohnung auch ihrer Mitarbeiter einsetzen will.

Den Vorwurf von Landrat Jörn Klimant, Vize der kommunalen Arbeitgeber (KAV), der Streikaufruf sei angesichts neuer Angebote unverhältnismäßig, wies der DGB-Vorsitzende Polkaehn entschieden zurück: Bis heute lägen nur „Nebelangebote“ vor. Die Arbeitgeber lehnen die Forderungen der Gewerkschaften nach höheren Eingruppierungen als nicht bezahlbar ab. Sie seien aber, gab Neumünsters Oberbürgermeister Olaf Tauras als KVA-Vorsitzender vor protestierenden Eltern bekannt, bereit, „noch eine Schippe draufzulegen“. Verbandsgeschäftsführer Wilfried Kley präzisierte, dass sich eine mögliche höhere Eingruppierung mit einem Plus von bis zu 448 Euro monatlich nur auf Arbeitnehmer beziehe, die verstärkt beispielsweise inklusiv oder sprachfördernd arbeiteten. Kiels Bürgermeister Peter Todeskino, dem die Demonstranten vor dem Rathaus Protestbriefe von 63 Einrichtungen überreichten, hofft auf einen Kompromiss.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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