16 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Jetzt werden die Gebeine beigesetzt

Knochenfund im Garten Jetzt werden die Gebeine beigesetzt

Das Rätsel um den mysteriösen Fund menschlicher Knochen im Garten einer Anwohnerin von Schulensee ist gelöst. Die Gebeine stammen nach Ermittlungen der Polizei vom ehemaligen St.-Jürgen-Friedhof in Kiel und sollen jetzt eine letzte Ruhestätte finden.

Voriger Artikel
Gepäckanlage am Flughafen kaputt: 500 Koffer liegengeblieben
Nächster Artikel
Notrufe aus Berlin landen in Neukirchen

Jörgen Schulz von der Friedhofsverwaltung am Eichhof in Kiel zeigt den Ort, an dem die Knochen beerdigt werden sollen, die in einem Garten in Schulensee gefunden worden waren.

Quelle: Sonja Paar

Kiel/Schulensee. „Ich bin erleichtert, dass das Kapitel endlich abgeschlossen werden kann und wir jetzt alle Gewissheit haben“, sagt Wiebke Misfeldt. Ende Februar hatte sie beim Graben in ihrem Garten in der Straße Am Hang in Schulensee eine grausige Entdeckung gemacht. Beim Ausheben des Fundaments für ein neues Gewächshaus war die 55-Jährige in einer Tiefe von nur 30 Zentimetern auf menschliche Überreste gestoßen: Kieferknochen, Schädelstücke, Zähne und sogar zusammenhängende Schultergelenke förderte die gelernte Gärtnerin zutage. Je tiefer sie grub, umso mehr Gebeine entdeckte sie. Bevor Wiebke Misfeldt nach zähem Ringen mit der Gemeinde, mit der Polizei und der Staatsanwaltschaft endlich Unterstützung der Behörden bekam, sammelte sie mehr als hundert Knochen ein, lagerte diese in einem Umzugskarton in Wintergarten. Anfang März rückten Experten der Rechtsmedizin aus Kiel, Archäologen des Landesamtes und Ermittler der Kripo bei der Schulenseerin an, untersuchten Fundort und -stücke.

 Woher die Menschenknochen stammten, war lange ungewiss. Historiker und Zeitzeugen hatten einen schwerwiegenden Verdacht geäußert. Das Arbeits- und Erziehungslager „Nordmark“ (AEL) in Kiel-Hassee, in dem während des Dritten Reichs bis zu 1700 Gefangene untergebracht waren, war nur drei Kilometer vom Fundort der Knochen entfernt. Mehr noch: Der Garten der Familie Misfeldt liegt nur 250 Meter von der heutigen Hamburger Chaussee entfernt, der damaligen Reichsstraße 4. Über diese führten speziell in den letzten Kriegswochen mehrere Gefangenentransporte. Nach großem öffentlichen Druck leitete Kiels Leitender Oberstaatsanwalt Peter Schwab neue Ermittlungen ein, ließ sogar Akten ungeklärter NS-Kriegsverbrechen aus dem Landesarchiv aufwändig überprüfen.

 Jetzt liegen die Ergebnisse der Rechtsmedizin und der Polizei vor. Die Erleichterung ist groß: „Einen Zusammenhang mit dem ehemaligen Lager in Kiel-Hassee können wir ausschließen“, sagt Oberstaatsanwalt Bernd Winterfeldt. Zweifelsfrei habe die Untersuchung der Experten ergeben, dass es sich bei den Gebeinen um die Überreste zahlreicher Menschen handelt, die teilweise mehr als hundert Jahre alt sind. „Die Knochen stammen von dem ehemaligen St.-Jürgen-Friedhof in Kiel“, so Winterfeldt. Die Ruhestätte, die sich am heutigen Sophienblatt zwischen dem Bahnhof und dem Parkplatz der Provinzial befunden hatte und auf dem die letzte Beerdigung Ende 1909 erfolgte, war während des Zweiten Weltkriegs nahezu zerstört und Anfang der 1950er-Jahre aufgelöst worden. Die Überreste der Toten sowie mehr als 60 Grabplatten und -denkmäler waren damals auf den Friedhof am Eichhof umgebettet worden. „Die Friedhofserde sollte seinerzeit gesiebt werden, was die Arbeiter aber offenkundig nicht ganz genau genommen haben“, sagt Wiebke Misfeldt. Heute weiß sie, dass auf ihrem heutigen Grundstück während des Zweiten Weltkriegs eine Bombe einen Krater gerissen hatte. „Das Loch wurde am 11. November 1953 mit Erdaushub des St.-Jürgen-Friedhofs aufgefüllt“, berichtet die 55-Jährige. Beim Bauhof hatten Ermittler der Polizei entsprechende Unterlagen ausfindig gemacht.

 Die Knochen aus dem Garten der Familie Misfeldt werden nun auf dem Eichhof-Friedhof in Kiel eine letzte Ruhestätte finden, sagt Jörgen Schulz von der Friedhofsverwaltung.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Knochenfund von Schulensee
Foto: Schaufel für Schaufel wurde der Boden in der Grube, in der vor drei Wochen in Schulensee menschliche Knochen gefunden worden waren, abgetragen.

Großeinsatz im Garten: Experten des Archäologischen Landesamtes, der Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft haben am Dienstag den Garten von Wiebke Misfeldt im Molfseer Ortsteil Schulensee untersucht und weitere Knochen menschlicher Skelette geborgen. Ersten Erkenntnissen zufolge gibt es aber keinen Zusammenhang zu Opfern des NS-Arbeitslagers Nordmark.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Norddeutschland 2/3