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24 Einbrüche, aber kaum Beute

Landgericht Kiel 24 Einbrüche, aber kaum Beute

Mit mehrjährigen Haftstrafen müssen drei Serieneinbrecher aus Neumünster rechnen, denen die Staatsanwaltschaft schweren Bandendiebstahl vorwirft.

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Mehrjährige Haftstrafen drohen einem Einbrecher-Trio aus Neumünster.

Quelle: Arne Dedert/ dpa/ Archiv

Kiel. Den 22- bis 28-jährigen Angeklagten werden insgesamt 24 Einbrüche in Firmen- und Privatgebäude zur Last gelegt. Zum Prozessauftakt zeigten sich am Montag vor dem Kieler Landgericht alle drei weitgehend geständig.

 Tatorte waren Neumünster, Kiel, Eckernförde, Kronshagen, Preetz, Nortorf, Halstenbek und Glückstadt. Dort drangen die Täter seit Oktober 2013 in unterschiedlicher Besetzung in Apotheken, Bäckereien, Einkaufsmärkte und Einfamilienhäuser ein. In den meisten Fällen machten sie allerdings nur geringe oder überhaupt keine Beute. Dafür richteten sie umso höheren Sachschaden an. So beziffert der Inhaber einer Apotheke in Preetz, deren Eingangsbereich die Einbrecher in der Nacht zum 25. August 2014 demoliert haben sollen, den Schaden auf 10000 Euro. Dort waren die Täter laut Anklage ohne Beute geflüchtet. Gerade mal 100 Euro Wechselgeld fanden sie drei Monate zuvor in einer Apotheke in Neumünster, deren Besitzer später von 7000 Euro Sachschaden sprach.

 In der Nacht zum 3. September 2014 hatten die Einbrecher mit einem Gully-Deckel die Tür zu einer Kieler Bäckerei eingeworfen. Die 1350 Euro Wechselgeld, die sie erbeuteten, gehören zu den größten Posten. 5500 Euro lagen laut Anklage im Geldschrank einer weiteren Bäckerei, der von den Tätern im Oktober 2014 aufgeflext wurde. „Nicht ein Cent war im Tresor“, widersprachen die Angeklagten am Montag übereinstimmend. Dennoch versuchten sie wenige Tage später, mithilfe eines an einem Pkw befestigten Seils, den Tresor einer Bäckerei in Neumünster-Faldera aus der Verankerung zu ziehen. „Das Seil ist gerissen“, erzählte am Montag der ältere von zwei aus dem Kosovo stammenden Brüdern. Zuletzt stiegen die Täter am 21. Oktober 2014 in Kiel-Elmschenhagen in eine weitere Bäckerei ein und lösten Alarm aus.

 Auf der Flucht wurden sie schließlich festgenommen. Seitdem sitzen die Brüder in U-Haft. Ihr nicht vorbestrafter Komplize (22) blieb auf freiem Fuß. Alle drei sprachen am Montag vor Gericht von Reue. Fast möchte man ihnen glauben, dass sie ihre „schwarze Serie“ angesichts der vielen Fehlversuche eigentlich beenden wollten. Tatsächlich bereiteten sich die beiden Brüder auf den Busführerschein vor. Ihr Komplize besorgte sich einen Job. Aber aufhören wollten oder konnten sie offenbar trotzdem nicht, wie auch polizeiliche Protokolle abgehörter Telefonate belegen.

 Strafschärfend könnte sich im Prozess auswirken, dass der als Security-Mann bei einem Rendsburger Sicherheitsunternehmen beschäftigte Bruder bei mindestens einer Tat sein dienstliches Pfefferspray mitgeführt haben soll. Darüber hinaus schloss sich das Trio laut Anklage für den letzten Teil der Serie zum gewerbsmäßigen Bandendiebstahl zusammen.

 Ein Vorwurf, den die Angeklagten gerne aushebeln würden: „Absprachen“, beteuern alle drei nachdrücklich, „gab es nicht.“ Für den Prozess hat die 1. Große Strafkammer vier Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil wird voraussichtlich Anfang Mai verkündet.

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