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Zwei Schlepper sollen „Glory Amsterdam“ befreien

Langeoog Zwei Schlepper sollen „Glory Amsterdam“ befreien

Die Bergung des vor Langeoog auf Grund gelaufenen Frachters „Glory Amsterdam“ soll durch die Schlepper „Union Manta“ und „Fairmount Summit“ erfolgen. Das Havariekommando in Cuxhaven hat den Bergungsplan der niederländischen Spezialfirma Smit Salvage genehmigt.

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Die "Glory Amsterdam" ist frei

Zur Bergung der "Glory Amsterdam" wird der Schlepper "Union Manta" eingesetzt.

Quelle: Frank Behling

Cuxhaven/Langeoog. Zuvor hatte ein achtköpfiges Expertenteam der niederländischen Spezialfirma Smit Salvage die Lage des 225 Meter langen Frachters erkundet.  Die „Glory Amsterdam“ war am Sonntag im Sturm von einer Ankerposition westlich von Helgoland in Richtung der ostfriesischen Insel Langeoog vertrieben worden. Dort lief das Schiff auf den Grund.

Das Havariekommando in Cuxhaven hatte am Sonntag die Einsatzleitung übernommen, nachdem die chinesische Besatzung ihr Schiff nicht unter Kontrolle bekam. Die drei Versuche, das Schiff mit dem deutschen Notschlepper „Nordic“ zurück ins Fahrwasser zu ziehen, blieben jedoch erfolglos. Ein möglicher Grund: Die Kommunikationsschwierigkeiten zwischen dem Havariekommando und der chinesischen Schiffsführung. So soll die Besatzung des Frachters die Kommandos nicht richtig verstanden haben. 

Weiterer Bergungsversuch abgesagt - neue Lösung

Ein für Montagabend angesetzter Bergungsversuch wurde laut Havariekommando abgesagt. Die Reederei aus Singapur hatte die Hilfe der vom Havariekommando bereitgestellten Schlepper abgelehnt und in Absprache mit der Versicherung ein eigenes Schleppunternehmen beauftragt.

Die "Glory Amsterdam" liegt vor Langeoog auf Grund.

Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Der Bergungsplan der niederländischen Experten von Smit Salvage sieht nun wie folgt aus: Die 22.000 Tonnen Ballastwasser sollen abgepumpt werden, die das unbeladene Schiff stabil auf See halten sollten. Gleichzeitig sollen zwei Hochseeschlepper es mit rund 1000 Meter langen Schleppleinen sichern. Der Wind könnte den leichter werdenden Frachter sonst noch weiter aufs Land treiben, erläuterte der Sprecher des Havariekommandos, Michael Friedrich.

Bergung der "Glory Amsterdam" noch vor dem Wochenende

Die vorbereitenden Maßnahmen für den Schleppversuch werden noch den kompletten Donnerstag in Anspruch nehmen. Deshalb sind für Dienstag und Mittwoch keine weiteren Schleppversuche vorgesehen.

Für den Leiter des Havariekommandos, Hans-Werner Monsees gilt: "Sicherheit geht bei allen Maßnahmen vor Schnelligkeit – da sind wir uns mit dem Reeder und den Bergungsexperten einig. Wir hoffen, dass wir es vor dem Wochenende erledigt haben.“

"Union Manta" half bei Bergung der "CSCL Indian Ocean"

Mit der „Union Manta“ wollen die niederländischen Experten einen bewährten und an der deutschen Küste gut bekannten Hochseeschlepper zur Bergung einsetzen. Das 2003 gebaute Schiff hatte im Februar vorigen Jahres zusammen mit dem niederländischen Schlepper „Fairmount Expedition“ bereits den großen Containerfrachter „ CSCL Indian Ocean“ in der Elbe von einer Sandbank gezogen.

Die „Union Manta“ wird von zwei Wärtsilä-Motoren mit zusammen 20000 PS angetrieben und hat eine Zugkraft von 206 Tonnen. Als zweiter Schlepper kommt diesmal die aus Esbjerg nach Langeoog verlegte „Fairmount Summit“ mit rund 21000 PS und 205 Tonnen Zugkraft zum Einsatz. Beide Schlepper fahren in der Flotte des niederländischen Reedereikonzerns Boskalis, zu dem auch das Bergungsunternehmen Smit Salvage gehört.

Nachdem die „Fairmount Summit“ bereits am Dienstagmittag in Wilhelmshaven eintraf, wird die „Union Manta“ am Mittwochmorgen in der Jademündung erwartet. Der Schlepper hatte am Montagabend seine Warteposition vor Aberdeen in Schottland verlassen. Die Ausrüstung der Schlepper wird durch kleinere Spezialschiffe ergänzt, die von den Niederländern bereits in Wilhelmshaven bereitliegen.

Öl wird nicht abgepumpt: WWF sieht Gefahr fürs Wattenmeer

Der Unglücksfrachter "Glory Amsterdam" sei eine erhebliche Gefahr für den Nationalpark Wattenmeer, in dem zurzeit zahlreiche Watvögel, Enten und Gänse rasteten, teilte die Umweltschutzorganisation WWF mit. Die deutschen Kutter- und Küstenfischer befürchten, dass Öl die Fanggebiete über Monate verschmutzen könnte.

Dennoch haben sich die Bergungsspezialisten dagegen entschieden, die Treibstoffe vorsorglich abzupumpen. „Das Schiff ist sicher und weist keine Risse auf“, sagte Friedrich. Beim Abpumpen bestehe erst recht die Gefahr, dass Öl ins Wasser gelange. Ein Ölüberwachungsflugzeug fliegt regelmäßig über das Gebiet rund um den Frachter. Ausgetretenes Öl hat es nach Angaben des Havariekommandos bisher nicht entdeckt.

Stichwort: Wattenmeer

Stichwort: Wattenmeer

Natürliche Lebensräume weitgehend ohne Einfluss des Menschen sind in Westeuropa selten geworden. Das Wattenmeer der Nordsee gehört dazu. 2009 erkannte die Weltkulturorganisation Unesco es als Weltnaturerbe an. Seitdem steht es auf einer Stufe mit dem Grand Canyon in den USA und den Galapagos-Inseln im Pazifischen Ozean. Das Wattenmeer („watend begehbares Meer“) entstand vor rund 10000 Jahren, als nach der bisher letzten Eiszeit der Meeresspiegel anstieg und Festland überschwemmte. Wind und Gezeiten formen immer wieder neu ein etwa 11500 Quadratkilometer umfassendes Gebiet, das sich von den Niederlanden die deutsche Nordseeküste entlang bis nach Dänemark erstreckt. Es beherbergt nicht nur Tausende Tier- und Pflanzenarten, sondern ist wegen seines Nahrungsangebotes auch als Rastgebiet für Millionen Zugvögel von unschätzbarer Bedeutung.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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