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Zwei Ruheständler und eine Staatsgrenze

Limes Saxoniae in Schleswig-Holstein Zwei Ruheständler und eine Staatsgrenze

Zwei Schleswig-Holsteiner haben eine Mission: Sie wollen den Limes Saxoniae vor dem Vergessen bewahren. Hans-Joachim Feldner und Rolf Schnack aus Achterwehr haben der zweitältesten bekannten Grenze im Land ein sichtbares Denkmal gesetzt.

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Punkt für Punkt: Hans-Joachim Feldner (88) hat die wesentlichen Informationen über den Limes Saxoniae 30 Mal auf Buchenholztafeln verewigt.

Quelle: Frank Peter

Achterwehr. 1946, erinnert sich Feldner, hat er zum ersten Mal vom Limes gehört. Ein Studienkollege erzählte ihm vom Sachsenwall. „Eine verbreitete, aber falsche Bezeichnung“, sagt der spätere Grundschulleiter. „Es gab keinen Wall, keine befestigte Grenze. Es war eine grüne Grenze, markiert durch natürliche Merkmale wie Sümpfe, Bachläufe, Seen und Wälder.“ Erst viele Jahre später beschäftigte sich Feldner näher mit dem Limes Saxoniae, der Grenze Sachsens. Da war er an die Pädagogische Hochschule in Kiel abgeordnet worden als Lehrkraft für Evangelische Theologie und ihre Didaktik. „Natürlich ging es auch um Kirchengeschichte und die Christianisierung des Nordens. Da kam ich am Limes natürlich nicht vorbei“, erzählt Feldner.

Es geht um das frühe 9. Jahrhundert: Das Danewerk existiert bereits. Diese erste bekannte Grenze auf dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holsteins trennt die Dänen von den Sachsen. Doch Karl der Große, der die noch heidnischen Sachsen seinem Frankenreich einverleibt hat, will sich auch gen Nordosten absichern. 809 vereinbart er deshalb mit den slawischen Abodriten eine Grenze. Sie wird die zweite Staatsgrenze und trennt die Sachsen nördlich der Elbe (Nordalbingier) und die Abodriten.

Grenzverlauf endete in Kiel

Dank Adam von Bremen wisse man heute relativ genau, wo dieser Limes verlief, erzählt Feldner: „Um 1075 hat der bekannte Historiker des Hochmittelalters in seiner Hamburger Kirchengeschichte den Grenzverlauf beschrieben und sich dabei auf eine Urkunde aus der Zeit Karls des Großen berufen.“ Danach führte der Limes 810 vom heutigen Boizenburg entlang von Delvenau, Trave und Schwentine bis zur Ostsee in Kiel.

Im Ruhestand hat Feldner sich mit dem Limes beschäftigt und festgestellt, dass sich heute kaum jemand etwas darunter vorstellen kann. Für den überzeugten Pädagogen eine Herausforderung. „Ich wollte den Limes Saxoniae wieder erfahrbar machen. Das Gebiet ist historisch und kirchengeschichtlich bedeutsam, führt durch eine sehr abwechslungsreiche Natur- und Kulturlandschaft und eignet sich damit ideal für einen Radwanderweg“, findet der 88-Jährige.

Also begann Feldner 2009, die Gemeinden entlang des Limes zu kontaktieren und für seine Idee zu werben. Gerade auf den Dörfern stieß er oft auf großes Interesse, wurde um Vorträge gebeten. Doch ohne Landesbeteiligung über Kreisgrenzen hinweg einen Radweg zustande zu bringen, erwies sich als unmöglich. So blieb es bei einem Stückwerk aus Rad-, Wald-, Landwirtschaftswegen und Straßen, die nicht mehr als einstiger Grenzverlauf zu erkennen waren.

Schilder wurden unterschiedlich behandelt

Feldner fertigte deshalb in mühevoller Kleinarbeit zu Hause 30 Informationstafeln aus Buchenholz an, die er den Limes-Gemeinden zur Verfügung stellte. Mit höchst unterschiedlicher Resonanz: „Preetz und Bad Oldesloe haben die Schilder zurückgeschickt. Dafür hat man in Bad Segeberg gleich zwei Schilder aufgestellt. In Postfeld war das Schild schnell gestohlen, im benachbarten Sieversdorf zerstört.“

Diese Bilanz hat im vergangenen Jahr Rolf Schnack auf den Plan gerufen. Der 77-Jährige engagiert sich seit Jahren in einer Filmgruppe des Offenen Kanals in Kiel. „Ich habe verfolgt, wie sich Hans-Joachim Feldner engagiert, damit der Limes nicht in Vergessenheit gerät. Das wollte ich zusammen mit Hans-Dietrich Frank unterstützen“, sagt Schnack. Mit der Kamera wurde die 120 Kilometer lange Strecke abgefahren und in einem 40-minütigen persönlichen Film festgehalten. An den Limes, so das Fazit, erinnern heute nur noch alte Flur- und Ortsnamen – und die 26 Schilder von Hans-Joachim Feldner.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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