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Kostenloser Internetzugang im Bus

Lübeck Kostenloser Internetzugang im Bus

Ob Einkaufszentrum, Fußgängerzone oder sogar am Strand – kostenloses WLAN für Kunden und Gäste ist längst Standard. Doch es gibt Ausnahmen: Im öffentlichen Nahverkehr sind Fahrgäste noch immer auf das Datenvolumen ihrer Smartphones, Tabletts und Notebooks angewiesen. Ein Manko, sagt Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) und wünscht sich mehr Service in Bussen und Bahnen.

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Surfen per WLAN im Bus: „Jedes vierte Fahrzeug bietet bereits die technischen Möglichkeiten“, sagt Gerlinde Zielke vom Stadtverkehr Lübeck.

Quelle: Hoffmeister

Lübeck. Meyer ist überzeugt: „WLAN-Angebote tragen zu einer Verbesserung der Servicequalität im öffentlichen Verkehr bei.“ Wenn die ÖPNV-Unternehmen im Land entsprechende Angebote machen, sei das ausdrücklich zu begrüßen. Oft liegen aber die technischen Voraussetzungen nicht vor und auch die Kosten müssen berücksichtigt werden. Der Bundesverkehrsminister habe erst kürzlich gefordert, mehr WLAN im öffentlichen Nahverkehr anzubieten, so Meyer. Gleichzeitig würden aber die Mittel, die der Bund den Ländern für den Nahverkehr zur Verfügung stellt und mit denen entsprechende Angebote zu finanzieren wären, nicht ausreichend erhöht. „Wir müssen hier Prioritäten setzen: Zunächst muss das Fahrplan-Angebot stimmen, Land und Kommunen müssen in der Lage sein, genügend Busse und Bahnen zu bestellen." Diese Fahrzeuge sollten dann natürlich modernen Standards entsprechen: „Neben der Barrierefreiheit zählt hierzu auch die Versorgung mit WLAN“, erklärt Meyer.

Für den Stadtverkehr Lübeck ist das bereits praktizierter Alltag. „Aus Kundenbefragungen wissen wir, dass speziell junge Leute Zugang zum Netz haben wollen“, sagt Unternehmenssprecherin Gerlinde Zielke. 2013 ist der erste Bus mit WLAN für Kunden „auf Linie“ gegangen. Mittlerweile sind es mit mehr als 50 Fahrzeugen und damit quasi jeder vierte Bus. Technisch bereite das Projekt keine großen Problemen: „Unsere modernen Busse sind mit Monitoren zur Informationen über Haltestellen, Werbung und Nachrichten ausgestattet, die bereits per WLAN laufen“, erklärt Zielke. Entsprechend musste man nur einen eigenen Hotspot für die Fahrgäste freischalten. Für den Stadtverkehr in der Hansestadt ist das Web-Angebot in erster Linie ein Instrument zur Kundenbindung. „Vor allem bei jüngeren Menschen dient es dem Image als modernes Verkehrsunternehmen und zeigt, dass wir mit der Zeit gehen“, sagt Vertriebsleitern Susanne Greve. Letztlich dürfe man sich der Entwicklung auch nicht verschließen: „Das Smartphone wird stetig wichtiger – für alle Altersgruppen.“

Eine Erkenntnis, mit der der Stadtverkehr in Lübeck fast allein im Land ist. Bisher bietet lediglich die Autokraft ihren Kunden auf Schnellbuslinien WLAN an. Der VHH setzt im Hamburger Rand auf diesen Service. Bei der KVG in Kiel hingegen hat man erst im März von vergleichbaren Projekten Abstand genommen. „Die meisten Fahrgäste nutzen eine Flatrate für mobile Daten, vor allem aber ist die Verweildauer in den Bussen nicht lang genug, als dass es sich lohnen würde“, fasst eine Unternehmenssprecherin zusammen. Immerhin rechnet die KVG pro Bus und Jahr mit bis zu 86400 Euro. „Nicht zu vergessen sind die Investitionskosten für die technische Ausstattung in den Fahrzeugen“, so die Sprecherin. Dennoch werde man die Entwicklung, sprich: die Nachfrage der Kunden, weiter beobachten.

Noch einen Schritt weiter will die landesweite Verkehrsservicegesellschaft NAH-SH gehen und in den nächsten Wochen eine Marktforschung zum Thema „Digitaler ÖPNV“ starten. „Wie hoch der Bedarf an WLAN tatsächlich ist und ob es ein Auswahlkriterium für Fahrgäste ist, das ist für uns bislang schlecht einzuschätzen“, sagt Sprecher Dennis Fiedel. Mit der Untersuchung wollen sich die Verantwortlichen ein konkretes Bild verschaffen. Schließlich ist es das erklärte Ziel, mehr Menschen zum Umsteigen vom Auto auf Bus und Bahn zu bewegen. Fest steht aber schon jetzt: Wo es technisch und finanziell möglich ist, wird auf freies WLAN gesetzt. „Für das Netz West, also die Bahnlinie von Hamburg nach Sylt, ist in den Reisezugwagen die Nachrüstung vorgesehen“, sagt Verkehrsminister Meyer. Und soweit möglich, soll WLAN auch in künftigen Ausschreibungen berücksichtigt werden. Und das wird speziell für Pendler zwischen Kiel, Lübeck und Hamburg interessant: Anfang 2016 soll das sogenannte Netz Ost neu vergeben werden.

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