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Chefin widerspricht Ministerium

Männerberatung in Kiel Chefin widerspricht Ministerium

Im politischen Streit um das drohende Aus für die landesweite Fachberatungsstelle für männliche Opfer sexueller Gewalt widerspricht die Geschäftsführerin Imke Deistler dem Sozialministerium. Das Land hatte zuvor von einem breiten Angebot an alternativen Beratungsangeboten gesprochen.

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Imke Deistler, die für die Beratungsstellen verantwortliche Geschäftsführerin beim Frauennotruf in Kiel, widerspricht den Aussagen des Ministeriums.

Quelle: Bastian Modrow

Kiel. „Allein zum Fonds Sexueller Missbrauch gibt es zurzeit 21 Beratungsstellen in Schleswig-Holstein“, betont Frank Stutz-Pindor, Sprecher von Sozialministerin Kristin Alheit (SPD). Diese Stellen würden auch Männer bei der Antragstellung beim Fonds beraten. „Darüber hinaus bieten diverse Träger und Institutionen an den unterschiedlichsten Orten geschlechtsspezifisch sensible Beratung an – zum Beispiel Kinderschutz-Zentren, Familien- und Lebensberatungsstellen freier und kirchlicher Träger, pro familia Wagemut in Flensburg und der Verein Wendepunkt sowie die neu entstandenen Trauma-Ambulanzen, um nur einige zu nennen“, so der Ministeriumssprecher.

 Imke Deistler, die für die Beratungsstellen verantwortliche Geschäftsführerin beim Frauennotruf in Kiel, widerspricht den Aussagen. So seien die Kinderschutz-Zentren für erwachsene Männer keine Alternative. „Leider wird sexueller Missbrauch in den allerseltensten Fällen im Kindesalter der Opfer aufgedeckt. Das bedeutet, dass es meistens erwachsene Frauen und Männer sind, die mit diesen Traumatisierungen leben müssen und Hilfe benötigen“, argumentiert die 47-Jährige. Auch die Trauma-Ambulanzen, die Deistler als wichtige Errungenschaft tituliert, seien nur bei akuten Fällen zuständig. „Zirka 90 Prozent der männlichen Opfer haben allerdings in der Kindheit sexuelle Gewalt erfahren“, argumentiert die Diplom-Psychologin. Mit Einrichtungen kirchlicher Träger oder mit pro familia arbeite man bereits eng zusammen. „Dort waren viele Mitarbeiter froh, dass es endlich eine spezialisierte Beratungsstelle gibt, an die sie verweisen konnten“, sagt Deistler.

 Mitte 2012 war ein landesweites Hilfsprojekt speziell für Männer gestartet worden, finanziert aus Mitteln der Stiftung Deutsches Hilfswerk. Im Sommer hatte das Land die Beratungsstelle für sechs Monate finanziert. Einen Antrag der Einrichtung auf Fördergelder in Höhe von 50000 Euro für dieses Jahr lehnte die Landesregierung trotz Protest der Opposition im Landtag ab. Seither hält sich die Männerberatung trotz steigender Nachfrage von Opfern nur noch durch Spenden wirtschaftlich über Wasser. „Mittlerweile bleibt uns allerdings nichts anderes mehr übrig, als Hilfesuchende abzuweisen“, sagt Deistler. Opfer müssen nach Berlin oder Hannover ausweichen, um Unterstützung bei spezialisierten Einrichtungen zu bekommen. Die Resignation bei der Chefin der Kieler Männerberatung ist groß: „Dass erwachsene Frauen Hilfe brauchen, hat die Gesellschaft inzwischen verstanden. Dass dasselbe auch für männliche Opfer gilt, offenbar noch nicht“, so Deistler.

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