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Feste verankert

Musikfestivals in Schleswig-Holstein Feste verankert

Die Festivalsaison in der Region steht in den Startlöchern. An diesem Freitag beginnt das Wilwarin und sein Veranstalter-Team steckt in den letzten Vorbereitungen. Enormen finanziellen Aufwand bedeutet allein dieses kleine Event, aber Schleswig-Holstein bietet noch ganz andere Dimensionen.

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Neben allem Kult auch ein richtig fetter Geldsack für das namensgebende Dorf Wacken, das Umland und Schleswig-Holstein: Das Wacken Open Air wird auch in diesem Jahr wieder Ende Juli 75000 feierwütige Metalfans in den kleinen Ort im Kreis Steinburg locken.

Quelle: Frank Peter

Kiel/Ellerdorf. „Wir bauen jedes Jahr ein Dorf auf und reißen es wieder ab“, sagt Astrid Haintl, als sie wenige Minuten Zeit für ein paar Antworten zu den wirtschaftlichen Aspekten des Wilwarin hat, „das ist eine Riesenherausforderung.“

 Haintl ist im Vier-Personen-Team des Wilwarin zuständig für Catering, Personal- und Helfermanagement. „Wir sind seit 18 Jahren auf einem Gelände, wo gar nichts ist“, beschreibt sie den Acker bei Ellerdorf, auf dem ab Freitag wieder der Auftakt der Festivalsaison in der Region gefeiert wird. Strom, Wasser, Ver- und Entsorgung sicherzustellen sei ein unfassbarer Aufwand. Drei Wochen schufteten rund 250 Leute, damit 5000 Menschen zwei Tage feiern können. Die Tickets kosten zwischen 48 und 68 Euro. Und Haintl betont: „Wir sind gesund gewachsen, aber immer noch ein kleines Festival.“

 Nicht mehr so klein ist das Wacken Open Air. Vor 26 Jahren im längst legendären Dorf bei Itzehoe gestartet, hat sich aus einer großen Party ein gigantisches Event entwickelt, das jährlich 75000 Menschen auf die Felder im Nirgendwo lockt. Nach Meinung von Gründer Holger Hübner ist die Festivalbegeisterung in Mitteleuropa bei jungen Menschen gerade auf dem Höhepunkt, weswegen vor allem Rockfestivals überall aus dem Boden schießen. Die langfristige Erfolgsformel sei allerdings, den Rahmen zur Marke zu machen: „Es geht immer um das Festival selbst. Bei uns ist das Festival der Headliner“, so Hübner selbstbewusst.

 Diese Vermarktung haben Hübner und Gründungspartner Thomas Jensen in der ICS Festival Service GmbH in ein Unternehmen überführt. Das organisiert auch das Husum Open Air, die Metal-Kreuzfahrt, die in dritter Auflage am 27. August von Kiel in die Ostsee sticht, aber bietet auch Ticketing oder Bandmanagement. Das Wacken selbst sei am Maximum angelangt, so Hübner. „Wir wachsen jetzt dadurch, dass wir das Festival optimieren“, spricht der Unternehmer und sie versuchten, so viel Geld wie möglich in Schleswig-Holstein zu lassen.

 Neben dem Wacken lockten die 164 Konzerte des klassischen Schleswig-Holstein Musikfestivals (SHMF) 2014 153000 Besucher an 84 Spielstätten ins Land. Das kriselnde Jübek Open Air oder die Schlager-Party Kalkberg Open Air in Bad Segeberg lassen ihre Wertschöpfung für das Land zwar nicht gesondert erfassen, doch verbreiten auch sie Festivallust. Die Bedeutung von Kulturveranstaltungen für Urlauber in Schleswig-Holstein ist laut Tourismus-Agentur seit 2011 um fünf Prozent gestiegen.

 Ist Schleswig-Holstein also Festivalland? „Mit einer hohen Veranstaltungsdichte in den Sommermonaten lässt sich guten Gewissens von einem ,Festivalsommer’ sprechen“, sagte Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) dieser Zeitung. „Ob das schon reicht, von einem ,Festivalland’ zu sprechen, mögen andere entscheiden.“

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Ein Artikel von
Niklas Wieczorek
Lokalredaktion Kiel/SH

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Festival in Ellerdorf
Foto: Am Freitag auf der Bühne: Das Berliner Hip-Hop-Trio Antilopen Gang parodiert Gangsta-Rap.

Der musikalische Schwerpunkt Punk und Metal mag nicht so recht passen zu dem zarten, flatterflügeligen Namen des Festivals. Wilwarin. Das elbische Wort für Schmetterling. Zum 18. Mal werden am Donnerstag und am Sonnabend wieder rund 5000 Besucher ins kleine Ellerdorf nahe Nortorf kommen, um ein Festival zu feiern, das sich in all den Jahren seinen ganz speziellen Charme bewahrt hat.

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