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Mutiges Bündnis gegen Wut

Schleswig Mutiges Bündnis gegen Wut

Was bringt junge Menschen dazu, sich neben Studium und Beruf ehrenamtlich für den Opferschutz zu engagieren und ein eigenes Präventionsprojekt auf die Beine zu stellen? Eine Delegation der Jungen Gruppe des Weißen Rings Schleswig-Holstein erzählte am Dienstag auf Einladung von Generalstaatsanwalt Wolfgang Müller-Gabriel in Schleswig von ihrer Motivation und vom Projekt „Mut gegen Wut“.

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Scherz oder Schmerz? Das Projekt „Mut gegen Wut“ zeigt, wo die Grenze verläuft. Uwe Döring, Landesvorsitzender des Weißen Rings, Sabine Schober, Sina Kühl und Fabian Bernhardt von der Jungen Gruppe stellten Uta Fölster, Präsidentin des Oberlandesgerichts Schleswig-Holstein und Generalstaatsanwalt Wolfgang Müller-Gabriel (von links) das Projekt vor.

Quelle: Sven Janssen

Schleswig. Die meisten von ihnen sind Anfang 20, studieren Jura, Pädagogik oder Psychologie und stehen noch ganz am Anfang ihres Erwachsenenlebens. Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren, gibt es in Schleswig-Holstein genug. Doch die 17 Mitglieder der Jungen Gruppe, die sich im Dezember 2013 gegründet hat und junge Erwachsene bis 35 Jahre aufnimmt, haben sich für eine anspruchsvolle und oft auch belastende Aufgabe entschieden: für die Betreuung von Kriminalitätsopfern und die Verhütung von Straftaten. Sina Kühl war die erste junge Mitarbeiterin beim Weißen Ring in Kiel und Mitbegründerin der Jungen Gruppe. Die 25-jährige Jurastudentin hatte zuvor im Rahmen ihres Studiums Sträflinge in der Justizvollzugsanstalt Neumünster (JVA) betreut. „Danach wollte ich die andere Seite kennenlernen“, begründet sie ihren Entschluss.

 Martje Heinsohn aus Flensburg hatte bereits ehrenamtlich mit Kindern gearbeitet und suchte nach ihrem Umzug nach Kiel eine neue Aufgabe. „Ich habe gezielt nach einer höheren Ebene gesucht, die mich fordert und bei der ich Lebenserfahrung gewinne“, sagte die 22-Jährige. Die Junge Gruppe fand sie im Internet. Nina Feddern ist mit 33 Jahren nicht nur ältestes Mitglied der Gruppe, sondern hat bereits als Staatsanwältin in Bielefeld gearbeitet und wartet nun auf eine Stelle in Schleswig-Holstein. „Als Staatsanwältin war ich immer froh, dass es den Weißen Ring gibt, deshalb war mir sofort klar, wofür ich mich engagieren möchte.“

 Gemeinsam hat die Gruppe ein Präventionsprojekt für Schüler der Klassen 7 bis 9 ins Leben gerufen, das sich mit Mobbing in seinen unterschiedlichsten Ausprägungen beschäftigt. Für das Projekt „Mut gegen Wut“ hat das junge Team Unterrichtseinheiten entwickelt, die im direkten Dialog mit den Schülern sowie durch Diskussionen, Rollenspiele und Gruppenarbeit für das Thema sensibilisieren sollen.

 Ziel ist es, Mobbing zu verhindern und Schüler zu stärken. „Wir haben uns eingehend mit der Problematik auseinandergesetzt und bei aller Ernsthaftigkeit des Themas nicht unser Alter vergessen“, sagt Sina Kühl. Die altersbedingte Nähe zu den Schülern sei für das Projekt von großem Vorteil.

 Das bestätigte auch Uwe Döring, Landesvorsitzender des Weißen Rings, der die Gruppe gestern begleitete: „Es ist wichtig, dass junge Leute für Jugendliche aktiv werden.“ Döring hofft, das Projekt landesweit anbieten zu können. Generalstaatsanwalt Müller-Gabriel brachte gestern nicht nur seinen Dank und seine Anerkennung gegenüber der Jungen Gruppe zum Ausdruck, sondern betonte auch die Bedeutung des Opferschutzes. „Judizieren, ohne an das Schicksal der Opfer zu denken, ist heute unmöglich.“

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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