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Nach Chantals Tod: Schwere Versäumnisse beim Jugendamt

Neuer Bericht Nach Chantals Tod: Schwere Versäumnisse beim Jugendamt

Der Fall der elfjährigen Chantal beschäftigt fast ein halbes Jahr nach ihrem Methadon-Tod weiter die Menschen und Behörden in Hamburg. Ein neuer Bericht sieht schwere Fehler beim Jugendamt.

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Mit Blumen und Kränzen geschmückt ist das Grab des verstorbenen elfjährigen Mädchens Chantal am 07.02.2012 nach der Beerdigung auf dem Friedhof der Kreuzkirche im Hamburger Stadtteil Kirchdorf zu sehen. Fünf Monate nach dem Methadon-Tod des Hamburger Pflegekindes Chantal hat die Innenrevision ihren Bericht vorgelegt und dem Jugendamt schwere Versäumnisse vorgeworfen.

Quelle: dpa

Hamburg. Im Januar starb das elfjährige Pflegekind Chantal in Hamburg-Wilhelmsburg an einer Überdosis Methadon. Fünf Monate lang untersuchte die Innenrevision der Finanzbehörde die Verantwortung des zuständigen Jugendamtes in diesem Fall. Das Ergebnis ist eine erschreckend lange Liste von Versäumnissen.

Die Drogensucht der Pflegeeltern, der schlechte Zustand der Wohnung und viele Hinweise von Nachbarn auf die schwierigen Familienverhältnisse — das alles sei den Mitarbeitern bekanntgewesen, schreibt die Innenrevision in ihrem mehr als 70 Seiten langen Bericht. Er wurde am Dienstag im Internet veröffentlicht. Große Teile wurden allerdings aus Gründen des Datenschutzes geschwärzt.

Die Innenrevision der Finanzbehörde sollte die Vorgänge um den Tod des Mädchens aufklären, weil sie für die Bezirksämter zuständig ist. Für Chantal war das Bezirksamt Mitte verantwortlich. Das Mädchen war am 16. Januar in der Obhut seiner Pflegeeltern an einer Überdosis des Ersatzstoffes Methadon gestorben. Dieser Tod hatte bundesweit für Entsetzen und viel politischen Wirbel gesorgt. Die Jugendamtsleiterin Pia Wolters und der Chef des Bezirksamtes Mitte, Markus Schreiber (SPD), räumten ihren Platz.

Chantal war 2008 in der Pflegefamilie untergebracht worden, weil ihr leiblicher Vater drogenabhängig war, die Mutter war Alkoholikerin. Doch auch in der neuen Familie gab es Suchtprobleme. Chantal hätte gar nicht erst in diese Pflegefamilie kommen dürfen und sei dort von den Sozialarbeitern auch schlecht betreut worden, lautete das Fazit der Innenrevision. Mindestens seit 2004 seien dem Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) des Jugendamtes die Lebensumstände der Pflegeeltern bekanntgewesen. Mit dem Bericht beschäftigte sich am Dienstag auch der zum Tod von Chantal eingesetzte Sonderausschuss der Bürgerschaft in einer vertraulichen Sitzung.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits gegen fünf Mitarbeiter des Jugendamtes und eine Sozialarbeiterin des freien Trägers Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE). Die Beschuldigten stehen im Verdacht, ihre Fürsorge- und Erziehungspflicht verletzt zu haben. Zudem gibt es Ermittlungen gegen die Pflegeeltern. In der Garage der Pflegefamilie hatten die Ermittler 31 Methadon-Tabletten entdeckt, am Arbeitsplatz des Pflegevaters eine weitere.

Mehrmals beklagt die Innenrevision, dass die Akten im Fall Chantal schlecht gepflegt wurden, wichtige Dokumente seien erst gar nicht verlangt worden. Es sei aufgrund der unvollständigen Akten auch nicht mehr genau nachzuvollziehen, wer im Amt was zu welcher Zeit wusste und entschied.

Der Allgemeine Soziale Dienst des Jugendamtes hätte sich bei der Eignungsprüfung nicht auf die Berichte des freien Trägers VSE verlassen dürfen, sondern hätte sich wegen der bekannten, schwierigen Familienverhältnisse selbst einen Eindruck vor Ort verschaffen müssen. Hinweise aus der Schule oder der Nachbarschaft seien nicht beachtet worden. Man habe der Pflegemutter geglaubt, die die Beschuldigungen als „Mobbing“ bezeichnete. Doch die gut ausgebildeten Mitarbeiter hätten nach Meinung der Innenrevision ganz klar wissen müssen: Die Pflegeeltern waren überfordert, Chantal wurde vernachlässigt.

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