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Kampf gegen Jakobskreuzkraut

Stiftung Naturschutz Kampf gegen Jakobskreuzkraut

Mit einem Zehn-Punkte-Plan will die Stiftung Naturschutz die Ausbreitung des giftigen Jakobskreuzkrauts in Schleswig-Holstein eindämmen. Die Wildpflanze kann Leberschäden verursachen. Die Stiftung plant mit ihrem am Donnerstag in Kiel vorgestellten Projekt kurz- und langfristig wirkende Maßnahmen.

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Naturschützer sagen giftigem Jakobskreuzkraut in Schleswig-Holstein den Kampf an.

Quelle: Felix Kästle/dpa

Kiel. Tückische Blütenarmut: Weil Bienen nach der Rapsblüte im Mai zu wenig andere Nahrung finden, weichen sie auf die eigentlich für sie unattraktive Giftpflanze Jakobskreuzkraut aus, die sich in den letzten Jahren auch in Schleswig-Holstein stark ausgebreitet hat. Damit können Giftstoffe in den Sommerhonig gelangen. Darin wurden 2014 gesundheitlich bedenkliche Pyrrolidizin-Alkaloide verstärkt nachgewiesen, berichtete die Stiftung Naturschutz am Donnerstag in Kiel. Diese Stoffe stammten bei zwei Dritteln aller positiven Proben ausschließlich aus Jakobskreuzkraut.

Mit einem Zehn-Punkte-Plan will die Stiftung jetzt die Ausbreitung der auch im Norden heimischen Wildpflanze eindämmen, deren Giftstoffe unter bestimmten Umständen Leberschäden bei Nutztieren verursachen können. Die Verunsicherung sei groß, sagte der Chemiker Aiko Huckauf. „Mähen, Mähen, Mähen“, nannte der Umweltmanager als eine kurzfristige Gegenmaßnahme, abweichend von der vieljährigen Praxis. Mähen alleine reiche aber nicht aus, damit gingen die Bestände nicht zurück. Langfristig sollen Insekten als „biologische Gegenspieler“ helfen. Für die Erforschung ist die Kieler Universität mit im Boot.

Der Einsatz des Jakobskrautbärs, ein Schmetterling, und des Flohkäfers sei in Nordamerika sehr erfolgreich gewesen, sagte Huckauf. Es sei aber unrealistisch, die Pflanze komplett auszurotten. „Es geht darum, ihren Wildwuchs zu beherrschen und Gefahren zu minimieren.“

Die Wiederansiedlung heimischer Wildpflanzen soll der Blütenarmut begegnen und die Bienen von dem Giftkraut fernhalten. Ein Imkertelefon und ein Kompetenzzentrum stehen ebenfalls in dem Zehn-Punkte-Plan. „Wir sind die erste Organisation, die das Problem der massiven Ausbreitung der heimischen Pflanzenart planvoll und konsequent anpackt, ökologisch zukunftsweisend“, sagte die Stiftungsvorsitzende und SPD-Landtagsabgeordnete Sandra Redmann. Auf die Giftspritze soll verzichtet werden. „Dieses Kraut soll uns nicht über den Kopf wachsen“, sagte Geschäftsführer Walter Hemmerling. Der Stiftung sei nicht nur an einer intakten Natur gelegen, sondern auch an der Gesundheit der Menschen.

Auf den 33000 Hektar Stiftungsland weisen Huckauf zufolge 1200 Hektar größere Vorkommen an Jakobskraut auf. Dessen Ausbreitung gehe nicht auf die Naturschutzflächen zurück, sondern sei „naturtypisch“. Auch in anderen Ländern gebe es explosionsartige Zunahmen.

Auf die Frage, ob der Sommerhonig weiterhin genossen werden könne, sagte der Vize-Vorsitzende des Landes-Imkerverbandes, Dietrich Ramert: „Grundsätzlich ja“. 90 bis 95 Prozent der Sommertracht seien nicht belastet. Die Imker ließen den Honig jetzt zusätzlich untersuchen und verzichteten im Zweifel auf einen Verkauf. Ob dies zu höheren Preisen führen wird, ließ Ramert offen. Die Entscheidung darüber liege beim jeweiligen Imker.

„Essen Sie gerade heimischen Honig!“, appellierte der Umweltmanager Huckauf. Auch habe von den 1200 Stiftungsland-Pächtern keiner einen Todesfall eines Pferdes gemeldet, der eindeutig auf die Giftstoffe des Jakobskreuzkrauts zurückgegangen sei. „Die Pferde knabbern um die Pflanzen herum.“ Wenn die Stoffe aber in Silage oder Heu gelangten, könne das zum Problem werden: Während sich die Bitterstoffe schnell verflüchtigten, bauten sich viele der giftigen Alkaloide kaum ab.

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