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Norden holt bei Ganztagsschulen auf

Ländervergleich Norden holt bei Ganztagsschulen auf

Es gilt als eines der größten Reformprojekte im deutschen Schulwesen: der Ausbau der Ganztagsschulen. Laut aktuellen Studien wird Schleswig-Holstein eine gute Entwicklung attestiert - jedoch mit einer Einschränkung.

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Schleswig-Holstein hat im vergangenen Schuljahr das Angebot an Ganztagsschulen ausgebaut.

Quelle: dpa

Kiel/Gütersloh. Vorbildlich aufgeholt, aber einige Ergebnisse noch mangelhaft - so fällt im Kern die Bewertung zum Ausbau von Ganztagsschulen in Schleswig-Holstein in aktuellen Studien aus. Ähnlich urteilen Forscher über den Ausbau in Deutschland insgesamt. Klare Anerkennung fand das Rekordtempo, das der Norden bei dem Bildungsvorhaben vorlegte. „Kein anderes Bundesland hat den Ausbau der Ganztagsschule im Schuljahr 2010/2011 so stark vorangetrieben wie Schleswig-Holstein“, hieß es am Dienstag von der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh, die zwei Studien zum bundesweiten Ausbau der Ganztagsschulen, „einem der größten Reformprojekte im deutschen Schulwesen“, in Auftrag gegeben hatte.

Demnach machte im nördlichsten Bundesland jede zweite Schule (50,6 Prozent) Ganztagsangebote; im Schuljahr zuvor galt dies den Angaben zufolge nur für 38,6 Prozent. Mit dem rasanten Aufholmanöver konnte sich Schleswig-Holstein im bundesweiten Vergleich zwar nicht zum Musterschüler mausern, liegt den Studien zufolge jetzt aber knapp unter dem Bundesdurchschnitt von 51,1 Prozent. Außerdem stieg im Norden der Anteil der Schüler, die Ganztagsangebote nutzen, von 21,1 auf 25,2 Prozent. Zum Vergleich: Der bundesweite Mittelwert liegt bei 28,1 Prozent. Der Ausbau der Ganztagsschulen geht demnach im Norden ebenso wie bundesweit sichtbar voran — trotzdem übten die Forscher harsche Kritik.

Der bisherige Ausbau von Ganztagsschulen in Deutschland mit seinen vielen unterschiedlichen Organisationsformen des Schulalltags sei „eine Reise in die Zukunft ohne klares Ziel“, monierten etwa die Autoren der Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI). Es fehle an übergreifenden Konzepten und Qualitätsstandards. Die Ganztagsschule als Schultyp bleibe unter ihren Möglichkeiten. Hauptkritik: Die Chancen von gebundenen Ganztagsschulen, in denen Ganztagsangebote für alle Schüler verpflichtend sind und nicht wie bei offenen Ganztagsschulen auf freiwilliger Basis stattfinden, schöpfe man zu wenig aus. Das gilt besonders für den Norden.

In Schleswig-Holstein besuchten den Ergebnissen zufolge 6,9 Prozent der Schüler eine gebundene Ganztagsschule, bundesweit sind es 12,7 Prozent. Dabei bescheinigt die DJI-Studie der gebundenen Ganztagsschule ein hohes Potenzial, kognitives und soziales Lernen besonders gut zu fördern.

Am politischen Willen fehlt es weniger. Immer wieder sprachen sich schleswig-holsteinische Politiker über Parteigrenzen hinweg für gebundene Ganztagsschulen aus. Aber: Sie ist nach Angaben der Bertelsmann Stiftung der teuerste Schultyp unter den Ganztagsmodellen. Wenn Schleswig-Holstein allen Schülern den Besuch einer solchen Schule ermöglichen wollte, würde das zusätzlich 310 Millionen Euro jährlich kosten, errechnete der Bildungsforscher Klaus Klemm aus Essen im Auftrag von Bertelsmann.

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