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Neuer Alarmplan für die A7

Kiel Neuer Alarmplan für die A7

Kein Platz für die Rettungsgasse: Die Baustellen auf der Autobahn 7 werden bei Unfällen und Autopannen zum gewaltigen Problem für die Rettungsdienste. Krankenwagen und Feuerwehrfahrzeuge bleiben im Stau stecken. Ein spezielles Rettungskonzept für die A7 soll jetzt für Entspannung sorgen.

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Keine Chance für die Retter: Nach einem Verkehrsunfall innerhalb der A7-Baustelle nahe Bordesholm konnten Feuerwehr und Krankenwagen am Wochenende nur mit großen Mühen zu einem verletzten Motorradfahrer gelangen. Die Fahrstreifen waren zu eng, um eine Rettungsgasse zu bilden.

Quelle: Krüger

Kiel. „Wir haben bereits bei der Planung der Erweiterung im so genannten Verkehrsführungskreis gemeinsam mit den Behörden und den Rettungsorganisationen Konzepte entwickelt und Vorkehrungen getroffen, die Probleme in den Baustellenbereichen so gering wie möglich zu halten“, beteuert Peter Casper Hamel vom Baukonsortium „Via Solutions Nord“. Um die Sicherheit zu erhöhen, seien die Fahrstreifen innerhalb der Baustellen bereits breiter angelegt worden, als es gesetzlich vorgeschrieben ist. Konkret: Die rechte Spur in Fahrtrichtung ist 3,25 anstatt drei Meter breit, die linke Fahrbahn 2,85 anstatt 2,5 Meter. „Alle eineinhalb Kilometer – und damit häufiger als üblich – gibt es eine Nothaltebucht, damit Fahrzeuge bei Pannen dorthin fahren beziehungsweise gebracht werden können“, berichtet Hamel. Schließlich sollen bei Unfällen die Gegenfahrbahnen komplett gesperrt werden, damit Einsatzfahrzeuge ungehindert zum Unfallort gelangen können. Stellt sich beispielsweise ein Lastwagen quer, blockiert die Fahrbahn und verursacht Staus in beiden Fahrtrichtungen, „dann können Polizei, Feuerwehren und Rettungsdienste auch die gesperrten Baustellenbereiche befahren“, versichert der Unternehmenssprecher.

Ulf Evert vom Automobilclub ADAC ist mit dieser Regelung zufrieden. „Es ist das Möglichste, das machbar ist“, sagt er. „Ein Risiko bleibt immer, das darf man nicht vergessen. 100-prozentige Sicherheit gibt es auf Autobahnen, speziell in Baustellenbereichen nicht“, erklärt Evert.

Der Aussage stimmen die Feuerwehren in Schleswig-Holstein zwar grundsätzlich zu, doch sie sind dennoch skeptisch. Breitere Fahrspuren würden zwar generell die Sicherheit erhöhen, „für eine Rettungsgasse reicht der Platz aber trotzdem nicht aus, wenn wir beispielsweise mit einem einem 16-Tonner an einen Unfallort wollen“, sagt Holger Bauer vom Landesfeuerwehrverband in Kiel. Holger Gebauer, Kreiswehrführer in Segeberg, pflichtet ihm bei: „Man kann die Autos ja nicht beliebig zur Seite schieben“, sagt er und zweifelt auch an der Option, zur Not über die gesperrten Baustellenbereiche zu fahren. „Diese Option hatte es während des A1-Ausbaus südlich von Hamburg schon einmal gegeben und hat sich dort nicht bewährt, nachdem mehrfach Polizeiwagen in Gräben innerhalb der Baustelle gelandet waren“, so Gebauer.

Die Wehren im Land setzen jetzt auf das Konzept einer Doppelalarmierung, das Helfer südlich und nördlich einer Unfallstelle aktiviert. Im Kreis Segeberg sollen zusätzlich Wirtschaftswege erkundet werden, über die man alternativ an die A7 gelangen kann. Auch Rettungssanitäter, die per Motorrad zum Unfallort fahren, sollen zum Sicherheitskonzept beitragen. Am vergangenen Wochenende, als ein Motorradfahrer in Höhe Bordesholm einen Unfall verursacht hatte und verletzt worden war, hat sich dies bereits bewährt. „Bereits fünf bis sechs Minuten nachdem die Unfallmeldung bei der Polizei eingegangen war, war ich als Rettungssanitäter mit meinem Einsatzmotorrad vor Ort und habe den Verletzten versorgt“, sagt Klaus Schöppach, Leiter der Motorradstaffel des privaten KBA-Rettungsdienstes aus Norderstedt. Die ehrenamtlichen Helfer fahren verstärkt als sogenannte „first responder“ Streife auf der A7 zwischen Schnelsen Nord und Neumünster. „Gerade weil diese Baustellensituation eine große Herausforderung für alle Einsatzkräfte ist, sind wir mit unseren Motorrädern meistens die schnellsten und ersten Helfer vor Ort“, so Schöppach.

Als letzte Option sollen Luftretter alarmiert werden oder Einsatzkräfte am Boden eine der Nothaltebuchten an der Autobahn 7 ansteuern und von dort aus zu Fuß bis zum Unfallort eilen. „So oder so bleibt die Bauphase eine Herausforderung für alle Beteiligten“, sagt Holger Bauer vom Landesfeuerwehrverband. Mit dem neuen Alarmplan für die A7 seien die Rettungskräfte gut aufgestellt. „Ob alles funktioniert, das wird sich in den kommenden Jahren zeigen“, so der Verbandssprecher.

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In den kommenden drei Jahren heißt es Daumendrücken! Für Feuerwehren, Rettungsdienste und Polizei, dass sie bei Unfällen auf der Autobahn 7 stets rechtzeitig vor Ort sein können, um möglichen Opfern Hilfe zu leisten und um Schlimmeres zu verhindern.

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