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MSC-Siegel für Heringsfischerei

Ostsee MSC-Siegel für Heringsfischerei

Hering ohne Nachhaltigkeitszertifikat hat sich zuletzt nur schwer vermarkten lassen. Sieben Jahre lang haben die Ostseefischer auf das Siegel gewartet. Jetzt wurde es übergeben. Kritik kommt von Greenpeace.

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Die Schleppnetzheringsfischerei in der Ostsee erhält das Nachhaltigkeitssiegel MSC.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer/ Archiv

Kiel. Die Schleppnetzfischerei auf Hering in der westlichen Ostsee hat ein Siegel für Nachhaltigkeit bekommen. Sieben Jahre nach der Beantragung wurde das MSC-Siegel am Dienstag in Schwerin an die Erzeugergemeinschaft Nord- und Ostseefischer mit 18 Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern übergeben. Die Fischer und das EuroBaltic-Fischwerk in Sassnitz erwarten mit dem Siegel des Marine Stewardship Council eine bessere Vermarktbarkeit des Herings und höhere Erlöse.

„Mit Gültigkeit der MSC-Zertifizierung wird der Preis 2015 sechs Monate rückwirkend um circa 10 Cent je Kilogramm auf etwa 39 Cent je Kilogramm erhöht“, erläuterte Agrarminister Till Backhaus (SPD). Das bringe der Schleppnetzfischerei des Landes bereits in diesem Jahr einen um etwa 600 000 Euro höheren Umsatz. „Der Hering wird nicht mehr als minderwertiger Fisch verarbeitet“, sagte der Minister.

Ausschlaggebend für die Zertifizierung seien eine nachhaltige Fischerei, der Grad der Umweltauswirkungen und das Fischereimanagement. Laut Backhaus sind nun 58 Prozent der deutschen Heringsfänge zertifiziert.

Kritik an der Zertifizierung kommt von der Umweltorganisation Greenpeace. „Der laichfähige Heringsbestand in der westlichen Ostsee ist nur noch ein Drittel so groß wie vor 25 Jahren“, sagte der Greenpeace-Fischereiexperte Thilo Maack. Schuld daran sei die Fischerei. „Deshalb ist die Vergabe des MSC-Siegels in diesem Fall ein irreführendes Signal an die Verbraucher und hat mit Nachhaltigkeit nichts zu tun.“

Ursache für die lange Laufzeit des Antragsverfahrens waren nach Angaben des Verbandes der deutschen Kutter- und Küstenfischer in Hamburg die unsichere Bestandslage sowie ein fehlendes, international abgestimmtes Managementsystem. Inzwischen erfülle der Bestand die Kriterien für ein nachhaltiges Management.

Die Erzeugergemeinschaft Nord- und Ostseefischer ist nach Angaben ihres Geschäftsführers Kai-Arne Schmidt die einzige MSC-zertifizierte Erzeugerorganisation in Deutschland. Nach Seelachs in der Nordsee und Dorsch in der östlichen Ostsee sei die Heringsfischerei die dritte MSC-zertifizierte Fischerei in dem Unternehmen. „Damit wird der Ausrichtung auf ausschließlich bestandsschonenden und umweltgerechten Fischfang weiter Rechnung getragen“, sagte Schmidt.

Die Schleppnetzheringe werden von den nun zertifizierten Betrieben ins Fischverarbeitungswerk EuroBaltic in Sassnitz/Mukran geliefert. Geschäftsführer Uwe Richter sagte: „Zumindest bei den Schleppnetzheringen haben wir nun die Absatzprobleme beseitigt. Deutsche Kunden fragen beim Hering mittlerweile ausschließlich MSC-zertifizierte Ware an.“ EuroBaltic rechnet mit einer Anlandemenge von 6000 Tonnen Schleppnetzhering bis zum Abschluss der Frühjahrsheringssaison am 29. April.

Insgesamt fischen im Land laut Ministerium 250 Haupterwerbs- und 138 Nebenerwerbsbetriebe. Die Jahresdurchschnittserlöse der vergangenen fünf Jahre lagen bei 10 Millionen Euro. Auf die Heringsfischerei entfielen mit 3,7 Millionen Euro mehr als ein Drittel. In diesem Jahr dürfen 8020 Tonnen angelandet werden.

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