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„Wir werden weiter kämpfen“

Kiel „Wir werden weiter kämpfen“

„Die Pflege ist am Boden. Wir stehen dagegen auf.“ Rund 300 Demonstrierende haben diesen Worten gestern Nachdruck verliehen, indem sie sich an der Holstenbrücke in der Kieler Innenstadt zunächst hinhockten, um dann geschlossen aufzustehen. Über eine Stunde zogen die Beschäftigten aus Alten- und Krankenpflege am Nachmittag durch die Kieler Innenstadt, um für bessere Arbeitsbedingungen und gegen Personalmangel zu kämpfen.

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Etwa 300 Pflegekräfte demonstrierten gestern in der Kieler Innenstadt gegen Pflegenotstand, für mehr Personal und höhere Löhne.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. „Allein in den Krankenhäusern fehlen 162000 Stellen bundesweit“, erklärte Christian Godau, Verdi-Gewerkschaftssekretär zu Beginn der Kundgebung. Bei einem Anstieg der Zahl von Pflegebedürftigen um 40 Prozent bis 2030 sei dies eine katastrophale Entwicklung. Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Marret Bohn, kritisierte, dass der Personalmangel zu unnötigen Zusatzbelastungen führe.

Bohn sieht bei dem Thema die schleswig-holsteinische Landespolitik auf einem guten Weg, unter anderem durch mehr vom Land geförderte Ausbildungsplätze, duale Pflegestudienmöglichkeite und dem Einstieg in die Pflegekammer. Sie fordert aber den Bund auf, ebenfalls einen Beitrag zu leisten.

Genau umgekehrt sieht es die sozialpolitische Sprecherin der CDU, Katja Rathje-Hoffmann. Sie lobte die Weichenstellung auf Bundesebene für individuellere Pflegeleistungen und kritisierte zugleich als Oppositionsvertreterin die bürokratischen Strukturen in Schleswig-Holstein. Mit der Ausbildungssituation im Land überhaupt nicht zufrieden zeigte sich gestern im Demonstrationszug Lena Krömer, Auszubildende zur Hebamme an der UKSH-Akademie: „Unsere Situation ist schlecht, vieles kann einem nicht richtig gezeigt werden, weil die examinierten Kräfte überall einspringen müssen.“

Verdi fordert von den Gesetzgebern einen Personalbemessung, die angibt, wie viel Personal notwendig ist, um alte und kranke Menschen angemessen versorgen zu können. Neben dem Personalmangel macht den Beschäftigten der Pflege auch die geringe Bezahlung zu schaffen. „Wir haben einen verantwortungsvollen Job und kommen nur schwer über die Runden mit unserem Geld“, erklärte Susanne Meyer, die examinierte Altenpflegerin beim Kieler Stadtkloster. Ihr Arbeitgeber wurde von Verdi noch einmal explizit dafür kritisiert, dass die Gehälter innerhalb der vergangenen zehn Jahre nicht angestiegen seien.

Während die meisten Krankenhäuser bislang noch ihre Mitarbeiter nach Tarif bezahlen, ist dies bei vielen privaten Pflegeanbietern nicht mehr der Fall. Das habe zur Folge, dass Altenpfleger teilweise bis zu 20 Prozent unter Tarif verdienen, sagte Godau. Dies schade auch den Trägern wie AWO und DRK, die ihre Mitarbeiter nach Tarif bezahlen. „Wir müssen einen langen Atem beweisen. Eine Demonstration alleine wird nicht reichen. Wir werden weiter kämpfen“, so Godau, der bei weiteren Kundgebungen auf noch mehr Mitstreiter hofft.

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Ein Artikel von
Gunda Meyer
Holsteiner Zeitung

Pfleger fordern mehr Geld und Personal

Pflegekräfte aus Kliniken und Altenpflege-Einrichtungen sind am Dienstag in Kiel für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gegangen. Sie forderten eine faire Bezahlung und mehr Personal. „Mehr Personal mehr Zeit für mehr Menschlichkeit“ stand auf einem Plakat.

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