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"Lehrerin" muss vor Gericht

Prozess in Kiel "Lehrerin" muss vor Gericht

Vor zwei Jahren machte die falsche Lehrerin, die seit 2008 an einem Gymnasium in Mölln unterrichtete, bundesweit Schlagzeilen. Ihr neuer Schulleiter hatte Verdacht geschöpft und das Bildungsministerium eingeschaltet.

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 Im Fall einer Verurteilung wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung muss die Angeklagte nach dem Gesetz mit sechs Monaten bis zehn Jahren Freiheitsstrafe rechnen.

Quelle: dpa

Kiel. Tatsächlich erwiesen sich die Staatsexamina der Frau als Fälschungen. Ab Mittwoch muss sich die 50-Jährige vor einem Kieler Schöffengericht verantworten.

 Für Hunderte von Schülern und ihre Eltern war die Lehrkraft, die an diversen Schulen Deutsch, Wirtschaft/Politik und Kunst unterrichtete, sehr real: Schon vor 20 Jahren bekam die aus Wismar stammende Angeklagte, die zu DDR-Zeiten an einer pädagogischen Hochschule Staatsbürgerkunde und Deutsch studiert haben soll, ihre erste Anstellung als Lehrerin an einer Schule in Brandenburg.

 Mithilfe gefälschter Staatsexamina erlangte sie sieben Jahre später in Berlin den Beamtenstatus. Den Ermittlungen zufolge hatte die mutmaßliche Betrügerin ihre angeblichen Prüfungen auf dem Papier mit „gut“ und „sehr gut“ bestanden. Im August 2008 trat die Angeklagte ihre Stelle in Mölln an. Dann kam ein neuer Schulleiter, dem eine Diskrepanz auffiel zwischen den Bestnoten ihrer Examina und dem Auftritt im Schulalltag. Jetzt fordert das Land Schleswig-Holstein die Rückerstattung sämtliche Bezüge. Auch die Berliner Schulbehörde will ihr Geld zurück – rund 70000 Euro. Hier sind die strafrechtlichen Vorwürfe jedoch verjährt.

 Die Entlassung aus dem Schuldienst im Februar 2013 in Schleswig-Holstein war der Angeklagte offenbar nicht Lehre genug. Schon wenige Tage später soll sie, erneut nach Vorlage gefälschter Unterlagen, eine Stelle als Grundschullehrerin in Lübstorf (Mecklenburg-Vorpommern) angetreten haben. Weil die schleswig-holsteinische Schulaufsicht die Behörden des Nachbarlandes bereits vorsorglich informiert hatte, flog sie auf und unterzeichnete am 8. August 2013 einen Auflösungsvertrag. Gerade mal eine Woche später, so die Staatsanwaltschaft, bewarb sich die Frau erneut um eine Stelle – diesmal bei einer Privatschule in Schwerin. Dort sollen die Betrugsvorwürfe an ihrem ersten Unterrichtstag bekannt geworden sein. Das Arbeitsverhältnis wurde sofort beendet.

 Im Fall einer Verurteilung wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung muss die Angeklagte nach dem Gesetz mit sechs Monaten bis zehn Jahren Freiheitsstrafe rechnen. Ob sie tatsächlich Haft verbüßen muss, ist allerdings fraglich: In einem ähnlichen Verfahren wurde ein Elektriker, der mithilfe gefälschter Zeugnisse rund fünf Jahre lang an Gymnasien in Rheinland-Pfalz unterrichten konnte, im August 2012 zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Der ehemalige Hauptschüler hatte nicht mal Abitur.

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